Zucker, Mehl und andere Kohlenhydrate?

Dr. D. Hemm
Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralien – das sind die Grundbausteine unserer Ernährung. Aus Sicht der TCM bekommt der Mensch bei seiner Geburt ein gewisses Energiepotential (Essenz) mit, das jedoch immer wieder aufgefüllt werden muss. Dies geschieht durch die Nahrung und alle anderen Formen von „Input“ aus unserer Umwelt. Defizite in dieser Energiezufuhr machen sich über kurz oder lang als tiefgreifende Erschöpfungen bemerkbar. Eine ausgewogene, alle Grundformen von Energien umfassende Ernährung ist also notwendig. Je nachdem – einige Tage, Monate oder Jahre kann ein Defizit ausgeglichen werden. Aber irgendwann machen sich Gesundheitsstörungen bemerkbar.

Nun etwas über die Kohlenhydrate, die ja in den letzten Jahren einen „schlechten Ruf“ bekommen haben. Wobei einen ähnlichen Ruf zu Beginn meiner therapeutischen Praxis vor bald 30 Jahren die Eiweiße und später dann das Fett hatten. Vielleicht doch nur eine Frage der „Mode“?
Kohlenhydrate liefern dem Organismus Zucker, also Glukose – dabei ist es letztlich zweitrangig, ob man sie in Form von reinem Zucker oder Vollkornmehl, Gemüse oder Obst zu sich nimmt. Auch Fett und Eiweiß können dazu umgewandelt werden! Diese Glukose ist entscheidender Energielieferant für den Stoffwechsel, jede Zelle braucht sie für ihre Funktion. Das Hormon Insulin schleust die Glukose in die Zellen hinein und macht sie so erst nutzbar. Beim Diabetes wird weniger Insulin produziert (meist Typ I-Diabetes) oder die Zellen reagieren nicht mehr auf dieses Hormon (Insulinresistenz, meist Typ II-Diabetes).
Kohlenhydrate sind schnell vom Organismus zu verarbeiten. Reiner Zucker steht sehr schnell für die Energiegewinnung zur Verfügung. Wenn die Kohlenhydrate erst von der Verdauung umgewandelt werden müssen (Vollkornprodukte z.B.), so benötigt das längere Zeit und die (insulinabhängigen) Stoffwechselvorgänge verzögern sich. Ein Vorteil bei Diabetes, denn so wird weniger Insulin gebraucht. Bei Zufuhr von reinem Zucker hingegen steigt der Blutzucker-Spiegel im Blut sehr schnell an- und es wird viel Insulin „angefordert“.
Soweit die Erkenntnisse der modernen Schulmedizin.

Die TCM sieht Kohlenhydrate vor allem als erhitzend an, sie stellen die aktive, warme Yang-Energie zur Verfügung. Ein Mangel daran führt zu Kälteerscheinungen- Sie haben es sicher auch schon bemerkt, dass Ihnen kalt wird, wenn Sie körperlich viel gearbeitet und zu wenig gegessen haben!
Diese erhitzende Wirkung zeigt sich aber unangenehm, wenn insgesamt oder in einigen Regionen Ihres Körpers schon viel Hitze da ist: Sodbrennen bei Süssigkeiten, Schlaflosigkeit und Unruhe nach Alkoholgenuss (Alkohol=Kohlenhydrate), Ekzeme und unreine Haut nach Kuchen und Griespudding…. Solch eine „hitzige“ Tendenz können Sie selber beim morgendlichen Blick auf Ihre Zunge erkennen: Entweder Sie sehen einen deutlich roten Zungenkörper oder einen gelblichen Zungenbelag.

Wenn Sie also solche Probleme haben, sollten Sie eher langsamer verdauliche Kohlenhydrate (Gemüse, Vollkornprodukte z.B.) zu sich nehmen- wenn es Ihre Verdauung verträgt und Sie sich dann nicht mit Blähungen und Durchfällen herumplagen müssen. Dies wäre dann ein Zeichen für eine Verdauungs- und Stoffwechselschwäche. Aus Sicht der „alten Chinesen“ ein Milz-Problem. Erkennbar für Sie auch an einer dicken, geschwollenen Zunge mit Zahneindrücken an den Rändern.

Grundsätzlich können Sie übrigens ein Zuviel an Hitze durch bittere Nahrungsmittel ausgleichen: also alkoholfreies Pilsner, Espresso, Radicchio, Tonic Water…

Und noch etwas: Aus Sicht der Chinesischen Medizin wird durch zu viel Nachdenken die Milz und somit Verdauung/Stoffwechsel gestört! Also grübeln Sie nicht allzu sehr über das tägliche Essen: Abwechslungsreich soll es sein, der Jahreszeit entsprechend, es soll gut schmecken und sättigen!