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Zusammenfassungen zur TCM

Gespräch/Anamnese:

Viel Zeit ist nötig für die Diagnostik. Gespräch, Puls- und Zungendiagnose im Rahmen des ersten Termins sind auch für einen sehr erfahrenen Therapeuten in weniger als 45 Minuten kaum zu bewerkstelligen.
Eine einmal gestellte Diagnose kann sich im Verlauf der Behandlung ändern, wenn z.B. die Heilung voranschreitet oder andere Störungen in den Vordergrund rücken. Daher muss die Diagnose immer wieder in den Folgesitzungen bestätigt oder neu gestellt werden. Vor jeder Behandlung wird gegebenenfalls auch erneut Puls und Zunge untersucht.
Jeder Mensch reagiert anders – Prognosen für den Heilungserfolg sind mit grosser Vorsicht zu betrachten.

Pulsdiagnose:

Die Pulsdiagnose ist die wichtigste diagnostische Methode, die in jeder Behandlung im Rahmen der TCM ihren Platz finden sollte. Auch wenn es letztlich grosser Erfahrung und langjähriger Übung bedarf, diese Methode umfassend anzuwenden: Jeder TCM-Therapeut benutzt sie, wenn er sein Handwerk gewissenhaft ausübt. In anderen Bereichen asiatischer Heilkunde, wie in der japanischen oder koreanischen Akupunktur, auch in der Ohrakupunktur hat sie hingegen einen sehr viel geringeren Stellenwert.

Zungendiagnose:

Die Zungendiagnostik ist im Vergleich zu anderen Diagnosemethoden leicht nachzuvollziehen. Gerade die Beobachtung des Zungenbelages kann Ihnen wichtige Hinweise z.B. über anstehende Änderungen in der Ernährung, über den Behandlungserfolg oder über den Verlauf eines Infektes geben!

Tuina-Massage:

Die Anwendungsmöglichkeiten der Tuina-Massage erstrecken sich über nahezu alle Fachgebiete der Medizin. Vor allem aber ist Tuina angebracht bei Schmerzen des Bewegungsapparats, nach Operationen und Verletzungen, aber auch bei Schleim-Ansammlungen, wie z.B. Gesichts-Tuina bei Sinusitis.
Bei Kindern, die äusserst sensibel auf kleinste Reize reagieren, kann Tuina schnell und sanft bei sehr vielen Krankheiten helfen, von Einnässen bis zu ADHS.

Akupunktur:

Bewährte Indikationen für die Akupunktur sind Schlaflosigkeit, Stresskrankheiten, Energielosigkeit, akute und chronische Schmerzzustände, hormonelle Störungen, funktionelle Erkrankungen, chronische Rhinitis, Allergien, Heuschnupfen, Autoimmunkrankheiten, Unfruchtbarkeit, Alterserscheinungen, Kindererkrankungen, Verdauungsstörungen, Tinnitus, Migräne und Atemwegserkrankungen.

Moxibustion:

Die Moxibustion ist hilfreich bei Durchblutungsstörungen, Schwächezuständen, Infektanfälligkeit und Alterskrankheiten, aber auch bei Gelenkschmerzen, Verdauungsstörungen und Zysten. Immer sollte jedoch die Wärme als angenehm empfunden werden!

Schröpfen:

Sehr vielfältig sind die Anwendungsbereiche des Schröpfens. So ist z.B. im oberen Rücken die Schröpfbehandlung sehr wirksam bei Atemwegserkrankungen. Oder bei Lendenschmerzen in der Gegend unter dem Beckenkamm. Bei Völlegefühl im Oberbauch kann man unter dem Rippenbogen Schröpfgläser setzen. Es gibt viele Möglichkeiten…

Schröpfmassage:

Die Schröpfmassage dient der Lockerung des Bindegewebes und dem Bewegen des Qi in den Leitbahnen. Darüber hinaus hat aber gerade die Schröpfmassage des Rückens eine belebende und das Qi regulierende Wirkung. Schröpfen/Schröpfmassage ist in fast allen Kulturkreisen ein altes und beliebtes Hausmittel!

Guasha:

Die Schabemethode Guasha hat sich bei hartnäckigen, chronischen Beschwerden gut bewährt. Nicht nur bei Verspannungen ist sie angebracht, sondern auch bei Erkrankungen der inneren Organe, die im Lauf der Zeit ihre Spuren im verhärteten Bindegewebe hinterlassen. Die Hautveränderungen verschwinden bald- die Heilwirkung bleibt!

Die Sicht der TCM bei Migräne

Kernbegriffe der TCM sind die Lebensenergie Qi und die beiden Polaritäten Yin und Yang. Bei Migräne kommt es grundsätzlich zu einem flattrigen, überschiessenden Strohfeuer-Qi, das ist der ‚Wind‘. Das Yin, in diesem Fall das Leber-Blut, kann das Yang nicht am Boden halten, daher steigt es ungehemmt auf. Daher tun bei Migräne im und nach dem Anfall die Ruhe und die Dunkelheit gut – sie nähren das Yin.
Spannung und Ent-Spannung
Charakteristisch bei Migräne ist das Auftreten bei Ent-Spannung, also nach Belastungs- und Anspannungssituationen, wie z.B. nach den Arbeitstagen am Wochenende oder nach Eintreten der Monatsblutung. Bei Spannungskopfschmerzen verbleibt der Organismus unter Dauerspannung, bei Migräne fällt diese Spannung abrupt zusammen. Das Energiesystem kommt so nicht in ein ausgeglichenes Niveau. Das liegt aus TCM-Sicht an einem fehlenden Gleichgewicht der Wandlungsphasen/Elemente Holz und Metall. Mit dem Holz ist die Leber assoziiert, die das Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung reguliert. Sie braucht für diese Funktion eine gewisse Spannungsbereitschaft, aber auch ausreichendes Potenzial, um diese Kraft zu speisen.
Eine ganz eigene Sicht des Blutes in der TCM
‚Blut ist ein ganz besonderer Saft‘ so sagt es schon Mephisto bei Goethe. Auch wir verbinden heutzutage noch das Blut mit anderen Vorstellungen als lediglich einem Träger von Nähr- Botenstoffen und Sauerstoff/Kohlendioxid. Wir sprechen vom ‚Herzblut‘, wenn uns etwas besonders am Herzen liegt. Im Katholizismus wird Wein zum Blut Christi. Es gibt Blutsverwandte und Blutsbrüder. Das Blut galt schon bei den alten Griechen als Sitz der Seele. So auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin, denn danach ‚wohnt‘ in der Leber die Persönlichkeitsseele Hun. Nachts soll diese Seele übrigens traumlos schlafen (in der Leber!), um sich tagsüber in einem klaren, wachen Bewusstsein bemerkbar zu machen.
Blut wird in der Leber und in den Muskeln gespeichert – das sind tatsächlich die blutreichsten Gewebe im Körper! Die Leber ist dann die zentrale Verteilungsinstanz, sie ‚lebt‘ dabei von Anspannung und Entspannung. Wenn irgendein von ihr versorgter Körperbereich unter Dauer-Anspannung steht, ist die Blutversorgung gefährdet. Das Gewebe wird ‚blutleer‘ – aber nicht, weil insgesamt zu wenig Blut da ist. Das kann zwar auch vorkommen z.B. bei sehr starken Menstruationsblutungen oder auch bei Fehlernährung, wenn zu wenig Eisen und Vit. B12 aufgenommen werden. Das wäre dann ein absoluter Blut-Mangel, der mit einer Blutuntersuchung (Hämoglobin, Eisen, Ferritin) nachgewiesen werden kann. Der relative (leberbedingte) Blutmangel ist aus TCM-Sicht relativ, er ist verursacht durch jahre-jahrzehntelange Dauerspannung und somit einer Minderversorgung von den Geweben, die besonders mit der Leber zu tun haben:

– Muskeln
– Haare
– Finger- und Fussnägel
– Augen

Bei Migräne kann aus Sicht der TCM häufig die Leber die Augen und Muskeln nicht ausreichend mit Blut versorgen, es kommt dann vor allem zu Wind-Symptomen. ‚Wind‘ ist ein Begriff in der TCM, der die Wahrnehmung nicht vorhandener Phänomene bezeichnet – also Kribbeln auf der Haut, Zuckungen, Lichtblitze, Fehler im Sehfeld, Drehschwindel, auch Ohrgeräusche und generell sich rasch verändernde, nicht fassbare Symptome. Die therapeutische Lösung: den Teufelskreis durchbrechen, indem die Leber gestützt und harmonisiert wird. Der Schlüssel hierfür in der Selbstbehandlung und somit der längerfristigen Prophylaxe ist es ein Gleichgewicht zu finden zwischen Anspannung und Entspannung.

TCM: Interview-Auszug zu einigen grundsätzlichen Fragen

Frage zur Nutzen-Risiko- Abwägung und Effektivität der TCM:
Zunächst einmal belegt allein die Tatsache, dass die Methoden der Chinesischen Medizin seit nunmehr etwa 2200 Jahren das Wachstum der Bevölkerung auf immerhin 1,3 Milliarden Menschen nicht hat verhindern können, einen gewissen Nutzen, zumindest aber Unschädlichkeit. Aber auch unsere junge westliche Wissenschaft hat in den gerade durchgeführten Akupunkturstudien (GERAC und ART)- die weltweit grössten und allgemeinen Forschungskriterien entsprechenden Studien in diesem Bereich- nachgewiesen, dass Akupunktur besser oder zumindest genauso gut wirkt wie westliche Standardmethoden. Und das sogar bei – wie geschehen- denkbar unfachmännisch ausgeführter ‚Nadelung‘. Wie würden solche Studien erst ausfallen, wenn fundiert ausgebildete Therapeuten behandeln würden?

Was ist aus Ihrer Sicht das Wertvolle an der TCM?
Mit den Methoden der Chinesischen Medizin wie Akupunktur, Moxibustion, Arzneimitteltherapie, Massage, Qigong etc. können eine Vielzahl von Erkrankungen sehr wirkungsvoll behandelt werden. Die besondere Diagnostik (mit Puls- und Zungendiagnose) ermöglicht es viele Störungen von Körper, Geist und Seele miteinander in Verbindung zu bringen, für die die westliche Medizin keine Zusammenhänge kennt. Z.B. eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung mit dem Magen und vielleicht auch mit dem ‚die Nase voll haben‘ in dem Sinne, dass man ‚ nichts mehr schlucken kann‘. Ein weiterer grosser Vorteil der chinesischen Medizin ist es, dass im Vorfeld einer tatsächlichen Erkrankung und in der Prävention der Neuerkrankung behandelt werden kann. Eine umfassende Behandlung umfasst Ratschläge zur Ernährung, zur Lebensführung und Bewegungsübungen von Qigong bis Wandern.

Welche Vorteile sehen Sie in der Diagnostik der TCM?
Neben der Herstellung von Zusammenhängen bei Symptomen gleichermassen von Körper, Geist und Seele ist die Diagnostik sehr fein und in der Lage, Funktionsstörungen und Disharmonien schon lange vor einer tatsächlichen Erkrankung zu erkennen. Entscheidend für die korrekte Diagnose ist das Befinden des Kranken, nicht die Erhebung scheinbar ‚objektiver‘ Befunde wie beim westlichen Arzt. Wichtig ist, inwiefern der Mensch sich krank fühlt, nicht ob er eine Krankheit hat.

Was zeichnet die TCM in der Therapie aus?
In den Händen eines gut ausgebildeten Therapeuten (Heilpraktiker oder Arzt) sind Akupunktur und Arzneimitteltherapie neben Massage, Diätetik und Bewegungsübungen wirkungsvolle Methoden. Sie wird den jeweiligen Erfordernissen immer aktuell angepasst, es gibt keine ‚Standardtherapie‘. Jeder Patient erhält auf Grundlage der Diagnostik eine eigene, individuelle Rezeptur – entweder in der Kombination von Akupunkturpunkten oder von Heilkräutern oder Übungen.

Für viele gilt die chinesische ‚Kräutermedizin‘ als die Königsdisziplin in der TCM. Bei welchen Krankheitsbildern kann von einer hohen Wirksamkeit ausgegangen werden?
Eigentlich waren Kräutermedizin und Akupunktur in Asien immer zwei eigenständige Therapiemethoden. Erst im letzten Jahrhundert wurde in der VR China die Kräutermedizin bevorzugt – in Abgrenzung zur Akupunktur, die doch aus deren Sicht allzusehr mit ‚ esoterischem Ballast‘ behaftet war und weniger in das System passte. Dieses war anders ausserhalb der VR China.
Akupunktur und Kräutermedizin (besser: Arzneimitteltherapie, denn es kommen auch mineralische und tierische Heilmittel zur Anwendung)sind gleichermassen hoch wirksam. Tiefsitzende chronische Krankheiten wie Psoriasis und Colitis ulzerosa werden bevorzugt zumindest in der Kombination beider Methoden behandelt, wenn nicht mit Arzneimittelrezepturen alleine.

Viele Patienten schwören gerade auf Akupunktur. Welche Krankheiten können damit gut behandelt werden?
Seelische Disharmonien wie Depressionen und Angstzustände reagieren hervorragend auf Akupunkturtherapie, aber auch alle Funktionsstörungen auf der körperlichen Ebene.
Anwendungsbeispiele für die Akupunktur sind Schmerzzustände jeder Art von Kopfschmerzen und Migräne bis hin zur Ischialgie.

Kann die TCM auch bei akuten Krankheiten helfen? Wo liegen generell die Grenzen der TCM
Die Grenzen der Behandlung liegen in der Sorgfaltspflicht des Therapeuten: Wenn es Methoden in der westlichen Medizin gibt, die wirkungsvoller und nebenwirkungsarm sind, zudem noch tatsächlich ‚heilen‘ und nicht nur Symptome verdecken, so ist diesen sicherlich der Vorzug zu geben. Erkrankungen wie Herzinfarkt oder akute Baucherkrankunge, aber auch viele andere mehr – bedürfen sicherlich schulmedizinischer Intervention – wie auch generell parallel zur TCM-Behandlung eine Diagnostik nach der westlichen Medizin gefordert ist. Alleine um bedrohliche Krankheiten auszuschliessen.

Auch wenn mittlerweile die TCM in Deutschland ein hohes Ansehen bei vielen Patienten geniesst, so gibt es dennoch bei der Mehrzahl der Patienten Vorbehalte: zu exotisch, hohes Risiko bei chinesischen Arzneimitteln, wenig sanft (Akupunktur)… Wie kann man das Vertrauen der Patienten in die TCM verbessern?
Durch Wissen – die Chinesische Medizin ist ein erprobtes Heilsystem, das aber sehr komplex aufgebaut ist. Zu lernen ist es daher nicht so einfach und so schnell, aber wenn es beherrscht wird, so ist es eine grosse Bereicherung für Gesundbleiben und -werden. Aber in ihren Grundzügen ist das therapeutische Denken recht einfach und für jeden Patienten nachvollziehbar. Warum man z.B. keine Rohkost essen soll, wenn man eine ‚Frostbeule‘ ist: weil dann die ganze Kraft für die Verdauung gebraucht wird.
Ein grosser Vorteil ist auch, dass der Patient in der TCM Hinweise bekommt für sein Gesundbleiben. Viele therapeutische Strategien lassen sich problemlos langfristig in das tägliche Leben einbauen, und so braucht der ehemals Kranke nur noch sehr selten den aktiven Eingriff des Therapeuten.
Ob die Akupunktur generell zur Kategorie der ‚sanften Medizin‘ gehört, ist sicherlich zu bezweifeln. Aber zum einen gibt es Techniken des nahezu schmerzlosen Stechens, zum anderen lässt der Erfolg das kurze Pieksen schnell vergessen.

Aus der Forschung: Körper-Akupunkturpunkte sind bei Schlafstörungen am wirksamsten

Chinesische Forscher haben 54 Patienten mit Schlafstörungen auf der Basis von calor humidus (‚Feuchtigkeit-Hitze‘, shire) entweder mit Körperakupunktur (KA), Ohrakupunktur (OA) oder Bauchakupunktur (BA) behandelt. Bei KA kamen vor allem folgende Punkte zum Einsatz: R6/Ni6 (zhaohai), V26/Bl26 (shenmai), C7/He7 (shenmen), Ex1/M-HN-3 (yintang), Ex 6/M-HN1 (si shencong) und Ex 5/M-HN54 (anmian), ausserdem der individuellen Symptomatik entsprechend S40/Ma40 (fenglong), S44/Ma44 (neiting) und IC11/Di11 (quchi). Für OA wurden hauptsächlich Shenmen, Occiput, Chuiqian und Subcortex verwendet, ergänzt durch individualspezifische Punkte; Milz, Magen, Herz und Leber. Bei BA kamen zum Einsatz: Rs12/KG12 (zhongwan), Rs10/REN10 KG10 (xiawan), Rs6/REN6 KG6 (qihai), Rs4/KG4 (guanyuan), R17/Ni17 (shangqu), S24/Ma24 (huaroumen), S26/Ma26 (wailing) und pinggan, ein Extrapunkt 0,7 cun neben und 0,3 cun über S24/Ma24 (huaroumen). Entsprechend der Syndromdifferenzierung wurden L15/Mi15 (daheng) und xiere verwendet, ein Extrapunkt 3 cun neben Rs6/KG6 (qihai). Alle Patienten erhielten dreimal wöchentlich insgesamt 20 Akupunkturbehandlungen. Die Ergebnisse wurden nach 10 und nach 20 Akupunkturbehandlungen sowie einen Monat nach der letzten Behandlung ermittelt. In allen drei Gruppen zeigte sich ein Rückgang der Symptome von Schlafstörungen, Depressionen und Angststörungen. Die grösste Wirkung wurde jedoch mit Körperakupunktur auf den Hauptpunkten erzielt, die zweitgrösste mit Ohrakupunktur auf Haupt- und Zusatzpunkten. (Comparison of Body, Auricular, and Abdominal Acupuncture Treatments for Insomnia Differentiated as Internal Harassment of Phlegm-Heat Syndrome: An Orthogonal Design, Evid Based Complement Alternat Med, 2015, 2015:578972)

Akupunktur bei Karpaltunnelsyndrom wirksamer als Ibuprofen

Iranische Forscher haben 50 Patienten mit Karpaltunnelsyndrom (KTS) vier Wochen lang mit der Standardtherapie (nächtliches Anlegen einer Handgelenksorthese) behandelt. Zusätzlich erhielten die Patienten entweder zehn Tage lang dreimal täglich 400 mg Ibuprofen oder vier Wochen lang zweimal wöchentlich Akupunktur. Eingesetzt wurden dabei unilateral folgende Punkte: Pc7/KS7 (daling), Pc4/KS4 (ximen), Pc6/KS6 (neiguan), Pc8/KS8 (laogong), C2/He2 (qingling), C7/He7 (shenmen), C8/He8 (shaofu), P9/Lu9 (taiyuan) und IC11/Di11 (quchi). Einen Monat nach Behandlungsende zeigten sich in beiden Gruppen signifikante Verbesserungen. Die Patienten der Akupunkturgruppe berichteten jedoch noch einmal von signifikant besseren Ergebnissen, was die subjektiven Werte anging (Schmerzen, Taubheitsgefühle, nächtliches Prickeln, Häufigkeit des Aufwachens infolge der Beschwerden). Auch bei den objektiven elektrodiagnostischen Untersuchungen schnitt die Akupunkturgruppe besser ab als die mit Ibuprofen behandelte Gruppe. (Efficacies of Acupuncture and Anti-inflammatory Treatment for Carpal Tunnel Syndrome, J Acupunct Meridian Stud, Oktober 2015, 8(5), 229-35)

Verum-Akupunktur normalisiert bei chronischen Schmerzen die dysregulierte Konnektivität zwischen wichtigen Schmerzregionen des Gehirns

Amerikanische Forscher haben 44 Patienten mit Kniegelenksarthrose im Lauf eines Monats sechsmal entweder mit hochdosierter Verum-Akupunktur auf sechs Akupunkturpunkten oder mit reduzierter Verum-Akupunktur auf zwei Akupunkturpunkten oder mit Sham-Akupunktur (mit Streitberger-Placebonadeln auf sechs Punkten) behandelt. In beiden Verum-Gruppen kamen die Punkte S35/Ma35 (dubi) und Ex23/MN-LE-16 (xiyan) zum Einsatz. In der hochdosierten Verum-Gruppe wurden zusätzlich die Punkte F34/Gb34 (yanglingquan), L9/MP9 (yinlingquan), F29/GB-29 (juliao) und L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao) verwendet. Bei drei der sechs Behandlungen lagen die Patienten in einem MRT-Gerät. Dabei zeigte sich, dass die Verum-Akupunktur die Konnektivität zwischen den Hirnregionen veränderte, die mit Schmerzerlernen, -erinnerung und -chronifizierung in Verbindung gebracht werden. Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass chronische Schmerzen mit zunehmender Konzentration auf den Schmerz, Grübeln, nozizeptivem Gedächtnis und Vermeidungserlernen zusammenhängen, was wiederum zu Veränderungen der Konnektivität im Gehirn führt, die vor allem das periaquäduktale Grau (PAG), den medialen präfrontalen Kortex (MPG) und die Hippocampi (Hpc) betreffen. Die aktuelle Studie bestätigte, dass die Konnektivität in diesen Hirnbereichen mit der Schmerzintensität zusammenhängt, und zeigte darüber hinaus, dass die durch Verum-Akupunktur erzielte Verbesserung der Schmerzwerte mit der Modifikation der PAG-MPG- sowie der PAG-Hpc-Konnektivität zusammenhängt. Deshalb vermuten die Autoren der Studie, dass wiederholte Verum-Akupunktur die Chronifizierung von Schmerzen umkehren kann, indem sie die anhaltende Nozizeption unterbricht und die Konzentration auf den Schmerz verringert. (Repeated verum but not placebo acupuncture normalizes connectivity in brain regions dysregulated in chronic pain, Neuroimage Clin, 25. September 2015, 9, 430-35)

Akupunktur bei Inkontinenz wirksamer als Physiotherapie

Bei einer norwegischen Pilotstudie wurden 34 Frauen mit Inkontinenz entweder 12mal mit Akupunktur oder 12mal mit Beckenbodentraining (BBT) behandelt oder auf eine Warteliste gesetzt. Die Akupunkturgruppe wurde entweder in Rückenlage an den Punkten Rs3/KG3 (zhongji), Rs4/KG4 (guanyuan), Rs6/KG6 (qihai), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao), R3/Ni3 (taixi) und R7/KID-7 (fuliu) behandelt, im Bedarfsfall ergänzt von Pc6/KS6 (neiguan), H3/Le3 (taichong) und L3/MP3 (taibai). In Bauchlage wurden die Punkte V31/Bl 31 (shangliao), durchgestochen zu V34/Bl34 (xialiao), V23/Bl23 (shenshu), V28/Bl28 (pangguangshu), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao), Rs4/Du4 (mingmen) und Rg20/LG20 (baihui) verwendet, im Bedarfsfall ergänzt durch V14/Bl14 (jueyinshu), V18/Bl18 (ganshu) und V20/Bl20 (pishu). Die durchschnittliche Verbesserung der Inkontinenzwerte erwies sich in der Akupunkturgruppe als signifikant höher als in BBT- und Kontrollgruppe. (A pilot study on the use of acupuncture or pelvic floor muscle training for mixed urinary incontinence, Acupunct Med, Februar 2016, 34(1), 7-13)

Akupunktur senkt bei Präeklampsie den Blutdruck

Chinesische Forscher haben im Zug einer Pilotstudie Schwangere mit Präeklampsie entweder mit der Standardtherapie und Akupunktur oder nur mit der Standardtherapie behandelt. Entsprechend der individuellen TCM-Diagnose der einzelnen Patientinnen wurden diese in der Regel mit zwölf Nadeln an folgenden 7 Punkten behandelt: F20/Gb20 (fengchi), H3/Le3 (taichong), IC11/Di11 (quchi), S36/Ma36 (zusanli), IC4/Di4 (hegu), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao) und Rg20/LG20 (baihui). Die Frauen der Akupunkturgruppe hatten bei der Entbindung und post partum einen signifikant niedrigeren Blutdruck als die Kontrollgruppe. Zwischen Behandlungsbeginn und -ende war die Veränderung sowohl des systolischen als auch des diastolischen Blutdrucks in der Akupunkturgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe. (Effects of Acupuncture on preeclampsia in Chinese women: a pilot prospective cohort study, Acupunct Med, April 2016, 34(2), 144-48)

Übereinstimmung der Deqi-Wahrnehmung von Arzt und Patient

In einer koreanischen Studie fungierten 81 Akupunkturstudenten sowohl als Anwender als auch aus Patienten. Die Nadeln wurden an IC4/Di4 (hegu) oder S36/Ma36 (zusanli) in drei verschiedenen Stichtiefen gesetzt und dann durch Drehen und Wirbeln manipuliert. Empfindungen von ‚Schmerz‘, ‚Ausbreitung‘, ‚Taubheit‘ und ‚Wundheit‘ seitens der Patienten wurden auf eine Übereinstimmung mit Empfindungen wie ‚dick‘, ‚verwickelt‘, ‚fest‘ und ‚leer‘ seitens der Anwender untersucht. Dabei zeigte sich eine signifikante Übereinstimmung zwischen Wahrnehmung der Anwender und Empfindung der Patienten. Daraus schlossen die Autoren, dass sich die Wahrnehmung der Nadel durch den Anwender dazu heranziehen lassen könnte, Aufschlüsse über den Zustand des Gewebes und die Reaktion des Patienten auf die Akupunktur zu gewinnen. (Deqi Is Double-Faced: The Acupuncture Practitioner´s and the Subject´s Perspective, Evid Based Complement Alternat Med, 2015, 2015:635089)

Akupunktur beschleunigt nach starker körperlicher Belastung die Regeneration

In einer Pilotstudie chinesischer Forscher wurden vierzehn Sportler nach anstrengendem Training und kurzer Ruhepause 30 Minuten lang an den Punkten S36/Ma36 (zusanli), V40/Bl40 (weizhong), Rs4/KG4 (guanyuan) und V23/Bl23 (shenshu) akupunktiert, oder sie erhielten Gelegenheit, sich länger auszuruhen. Die Ergebnisse einer mittels Kernspinresonanz vorgenommenen metabolomischen Analyse von Urinproben, die vor dem Training sowie vor und nach der Akupunktur beziehungsweise während der langen Ruhepause von den Sportlern genommen wurden, haben gezeigt, dass sich die Werte der wichtigen Metaboliten im Citratzyklus und in der Glykolyse (z.B. Lactate, Gluccinate, Pyruvate und Citrate), die durch das Training beeinträchtigt wurden, in der Akupunkturgruppe signifikant schneller regeneriert hatten als in der Ruhegruppe. (The Intervention Effects of Acupuncture on Fatigue Induced by Exhaustive Physical Exercises: A Metabolomics Investigation, Evid Based Complement Alternat Med, 2015, 2015:508302)

Chinesische Rezeptur gegen Neurodermitis

Chinesische Forscher haben 275 Patienten mit Neurodermitis 12 Wochen lang entweder nur mit der Rezeptur Pei Tu Qing Xin Tang (PTQXT) behandelt; oder mit PTQXT und einer äusserlich angewendeten pflanzlichen Spülung; oder mit oral eingenommenen Antihistaminika und Placebo-PTQXT-Pillen in Verbindung mit einer äusserlich aufgetragenen Kortikoidcreme (Standardtherapie). Die Rezeptur PTQXT enthält folgende neun Heilpflanzen: Pseudostellariae radix (Taizi shen), Forsythiae fructus (Lian qiao), Uncariae ramulus cum uncis (Gouteng), Junci medulla (Dengxincao), Lophatheri herba (Danzhu ye), Coicis semen (Yiyi ren), Dioscoreae rhizoma (Shanyao), Ostreae concha (Muli) und Glycyrrhizae radix (Gancao). Während der 12wöchigen Behandlungsphase gingen die durchschnittlichen Neurodermitis-Werte in allen drei Gruppen zurück. Nach 28 und 36 Wochen war jedoch die Verbesserung der durchschnittlichen Dermatitiswerte und der Lebensqualität in den mit chinesischer Medizin behandelten Gruppen signifikant höher als in der mit der Standardtherapie behandelten Kontrollgruppe. (Efficacy of a Chinese herbal medicine for the treatment of atopic dermatitis: a randomised controlled study, Complement Ther Med, Oktober 2015, 23(5), 644-51)

Taiji und Qigong Taiji gegen Erschöpfung bei Chemotherapie

In einer chinesischen Studie übten 96 Patienten mit Lungenkrebs während der Chemotherapie 12 Wochen lang jeden zweiten Tag entweder eine Stunde lang Taiji, oder sie machten leichte körperliche Übungen. Nach 6 und 12 Wochen berichtete die Taiji-Gruppe von niedrigeren Erschöpfungswerten als die Kontrollgruppe. (Tai Chi Exercise for Cancer-Related Fatigue in Patients with Lung Cancer Undergoing Chemotherapy: A Randomized Controlled Trial, J Pain Symptom Manage, März 2016, 51(3), 504-11)

Taiji reduziert bei Frauen das Risiko von Herzkreislauf-Erkrankungen

In einer amerikanischen Studie nahmen 63 Frauen mit erhöhtem Herzkreislauferkrankungsrisiko (im Alter von 35 bis 50 Jahren) acht Wochen lang wöchentlich an einem einstündigen Taiji-Kurs teil und wurden angehalten zu Hause täglich 15 Minuten Taiji zu üben, oder sie wurden als Kontrollgruppe auf eine Warteliste gesetzt. Nach acht Wochen zeigte sich in der Taiji-Gruppe ein signifikanter Rückgang der Müdigkeit und der Konzentration des die Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktors (G-CSF, ein entzündungsförderndes Zytokin). Zwei Monate nach Behandlungsende zeigte sich in der Taiji-Gruppe ausserdem ein Rückgang zahlreicher anderer entzündungsfördernder Zytokine, die in Zusammenhang mit einem Herzkreislauferkrankungsrisiko stehen. (The Effects of Tai Chi on Cardiovascular Risk in Women, Am J Health Promot, 25. August 2015, online-Veröffentlichung)

Quelle:  Newsletter der SMS

Bewegungsdrang und seine Folgen: Erste Hilfe mit der TCM

TCMDie nun etwas wärmere Jahreszeit bringt es mit sich: es drängt uns nach draußen, zum Radfahren, Wandern, ausgedehnteren Spaziergängen oder gar mutigeren Unternehmungen wie Mountainbike oder Klettersteige…. Nicht selten kommt es dabei- gerade in der noch nicht so durchtrainierten Anfangsphase- zu schmerzhaften Blessuren an Haut, Muskeln, Sehnen oder Gelenken.
Was Sie vielleicht noch nicht wussten: Die TCM ist nicht nur für schwerwiegende, chronische Störungen angebracht, sondern verfügt über vielerlei Tipps, Tricks und ‚Mittelchen‘ für den Hausgebrauch. So auch hier: Bei akuten (geschlossenen) Verletzungen mit begleitenden Blutergüssen hat sich eine Tinktur aus der TCM bewährt, die von (der italienischen Firma) Dr.Zippelius hergestellt und vertrieben wird: Die Nr. 1 ist für die Anfangsphase, also meist die ersten 1-3 Tage, die Nr. 5 für die darauf folgende Heilungsphase. Diese Rezepturen beruhen auf einer chinesisch-mongolischen Familientradition, die von einer Ärztefamilie in Chengdu gepflegt wird- ich selber konnte dort auch vor über 20 Jahren in einer Knochenklinik nahezu wunderbare Heilungen sogar von Frakturen ausschließlich mit Kräuterauflagen und gezielter Massage erleben (siehe Bild).
Bei Verspannungen lohnt es sich, 2 Schröpfgläser (Durchmesser 3-5 cm) mit Gummiball zu kaufen (Apotheke, Internet) – mit einem Öl können dann die schmerzhaften Regionen angenehm durchmassiert werden.