Steigerung der Fruchtbarkeit bei Kinderwunsch durch TCM – Fragen und Antworten

Unerfüllter Kinderwunsch – in wieweit kann man die Ursachen warum es bisher nicht geklappt hat durch TCM erkennen?

In der Chinesischen Medizin wird die Diagnose nicht nur durch die Erhebung von Befunden wie gewohnt, sondern durch eine ausführliche Erfassung der Befindlichkeiten sowie Puls- und Zungendiagnose erhoben. Dabei spielen vielleicht Störungen eine Rolle, die aus der Sicht der westlichen Schulmedizin irrelevant sind. Magen-Darmprobleme beispielsweise können etwas mit der verminderten Fruchtbarkeit zu tun haben, wenn dort chronische Entzündungen/Reizungen zu ‚feuchter Hitze‘ führen, die im Unterleib verschiedene Störungen wie z.B. Verklebungen der Eileiter auslösen – so die TCM-Sicht. Es wird also der gesamte Patient einbezogen in die Überlegungen – und daraus ergibt sich die Behandlung. Klarheit bekommt der TCM-Therapeut dann nur über die Zungen- und vor allem die Pulsdiagnostik. An der Zunge können Sie vielleicht selber etwas erkennen – eine blasse Zunge bedeutet Leere/Schwäche, etwaige Rötungen und Blaufärbungen Hitze und Stagnationen. Wenn der Zungenbelag im hinteren Bereich der Zunge ausgeprägt und gelblich ist, dann ist dies ein Anzeichen für entzündliche Prozesse im Unterleib. Aber der Puls gehört auch dazu – das können Sie nicht selber machen: der Puls am Handgelenk wird intensiv gefühlt, und daraus bekommt der Therapeut genaue Informationen über das ‚innere Klima‘, die Energetik der inneren Organe. Blockaden oder Erschöpfungen können so ganz detailliert festgestellt werden.

Ist es möglich das Spermiogramm zu verbessern?  Es wird in der TCM ja mit verschiedenen Methoden behandelt…

Die wichtigsten Methoden der chinesischen Medizin sind die Akupunktur – also das Stechen von Nadeln in ausgewählte spezielle Akupunkturpunkte-, die Moxibustion und die Einnahme von chinesischen Arzneimitteln, in der Regel von Kräutern als Abkochung, ‚Tee‘ oder z.B. als Granulat. Die Moxibustion ist eine erwärmende Methode, bei der mit glimmendem, speziell zubereitetem Beifusskraut einzelne Akupunkturpunkt oder auch Körperregionen mit Yang-Energie versorgt werden können. Dies ist auch die Haupt-Indikation für die Anwendung dieser Methode: Es muss Kälte und Schwäche vorliegen. Bei Frauen wird sie daher häufig in der 2. Zyklushälfte angewandt, oder auch generell bei einer niedrigen Basaltemperatur. Bei Männern finde ich viel häufiger Hitze-Symptome – da sind dann viel eher Akupunktur und Kräuter angebracht. Wenn man die Befunde des Spermiogramms auf die TCM-Diagnose überträgt, dann ist Akupunktur oder auch die Moxibustion bei einer geringeren Beweglichkeit der Spermien angebracht, weniger bei Mengen- und Qualitätsproblemen. Bei eingeschränkter Motilität können die Patienten dann selbst gezielt Akupunkturpunkte wie Milz 6 am Unterschenkel oder Magen 28 am Unterbauch moxen. Auch wenn z.B. durch den Nachweis von Bakterien eine latent entzündete Prostata vorliegt, können (neben Kräutern) Punkte zur Stärkung des Immunsystems wie Dickdarm 11/Dickdarm 4 (Hand/Ellenbogen) mit diesen Methoden behandelt werden. Die Einnahme von Kräutern hat sich vor allem bei Entzündungen wie der chronischen Prostatitis und Qualitätsproblemen bewährt, also wenn zu wenig oder schlechte Spermien da sind. Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Behandlung über mindestens 3 Monate erfolgt – es dauert ja 70-90 Tage, bis alle Spermien erneuert sind.

Bei etwa 10% der Frauen im fruchtbaren Alter – so aktuelle Studien- kann man Symptome des PCO-Syndromes erkennen – wie sieht das die TCM?
Ein PCO-Syndrom hat auch aus Sicht der TCM vielerlei Facetten – es kommt auf die genauen, individuellen Symptome an. Die Zystenbildung ist ein Anzeichen von ‚Schleim‘ – daran ist in der TCM die Milz, bzw. das Verdauungs- und Stoffwechselsystem entscheidend beteiligt. Der ‚Eigenanteil‘ der Patientinnen in der Behandlung ist dann häufig der Verzicht auf schwer verdauliches Essen, wozu vor allem Fette, Rohkost und nicht selten auch Kuhmilch-Produkte gehören. Zur Stressreduktion – das führt aus TCM-Sicht zu Blockaden der Leber, zu Schmerzen und Verspannungen – dabei empfehle ich den Einbau von Bewegung in das tägliche Leben – von Yoga über Tanzen bis zum Ausdauersport.

Wie ist es, wenn der TSH-Wert bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft erhöht ist? Gerade wenn keinerlei Beschwerden zu finden sind?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um einen Entzündungsprozess in der Schilddrüse, die zu einer Unterfunktion führen kann – aber nicht muss! Der menschliche Organismus ist wunderbar flexibel, um Defizite auszugleichen – und wenn die Schilddrüse eventuell dann doch mal weniger Hormone produziert, springt die Hypophyse, eine Hormondrüse im Kopf, ein und schüttet TSH aus – solange, bis genügend Hormone wieder da sind. Entscheidend für den Stoffwechsel, das Gesamtsystem und in unserem Zusammenhang hier für die Schwangerschaft ist die Funktion der Schilddrüse, also ob eine Unterfunktion tatsächlich da ist. Wenn das der Fall ist, kann den Frauen entweder mit der TCM geholfen werden oder schulmedizinisch mit der Einnahme von Thyroxin. Was aber langfristig erhebliche Nebenwirkungen haben kann.
In der TCM ist das Befinden immer ausschlaggebend, neben den Befunden wie z.B. Antikörper und Hormonwerte. Gerade wenn eine Unterfunktion da ist, können Kräuter hervorragend helfen, es gibt kräftigende Heilpflanzen wie Huang Qi (chin. Tragantwurzel) oder der allseits bekannte Ginseng. Wenn vermehrt Ödeme auftreten, kann die Einnahme eines Pilzes namens Fu Ling sinnvoll sein. Aber die Symptome einer Schilddrüsen-Unterfunktion können ausgesprochen vielfältig sein – darauf kommt es dann bei der Behandlung genau an! Ein anderer Aspekt ist die Autoimmunerkrankung selber, also die Entzündung der Schilddrüse durch eine fehlerhafte Immunreaktion des Körpers. Feststellen kann man das über den Nachweis von Schilddrüsen-Antikörpern. Aus TCM-Sicht handelt es sich dabei häufig um die Auswirkungen alter, manchmal vor Jahrzehnten durchgemachter und nicht 100%ig ausgeheilter Infekte. Wie z.B. Herpes, Pfeiffersches Drüsenfieber, Zoster/Gürtelrose, aber auch bakterielle Infekte wie Streptokokkeninfektionen. Diese ‚Altlasten‘ können dann mit der TCM ausgeleitet werden, ganz besonders mit der Akupunktur. Das wäre dann eine Ursachenbehandlung der Autoimmunreaktion – also die Normalisierung des Immunsystems.

Wie lässt sich mit der TCM insgesamt die Fruchtbarkeit verbessern? Worauf solle Frau/Mann besonders achten?

Die wichtigste ‚Säule‘ in der chinesischen Medizin sind tatsächlich ganz individuelle Mischungen von in der Regel pflanzlichen Arzneimitteln, also Kräuter. Sie sind hochwirksam und müssen häufig genau dosiert werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Es gibt auch einige Kräuter, die riskant sein können – wobei es immer auf die genaue Diagnose und natürlich die Dosis ankommt. Vermeiden sollte man z.B. Bitterorange, Weihrauchzubereitungen, Curcuma, Zimt, Sennesblätter, aber auch Aloe (innerlich) – Nicht alles aus der Natur ist harmlos! Risikoreich sind vor allem in der Frühschwangerschaft alle Kräuter, die auf den Darm eine abführende Wirkung haben. Chinesische Kräuter sind sehr wirksam, also rate ich allen Patientinnen sich auf die gezielte, individuelle Verordnung eines qualifizierten TCM-Therapeuten zu verlassen und sich nicht selber etwas zusammen zu stellen. Auch sollten die Kräuter nicht irgendwo im Internet bestellt werden, sondern in einer hiesigen (Spezial-) Apotheke. Dann ist gewährleistet, dass sie nur das bekommen, was sie haben wollen – ohne Pestizide, Herbizide und womöglich andere Bestandteile!

Wie läuft eine klassische TCM Therapie bei Kinderwunsch ab?

Bei Kinderwunsch lade ich erst beide Partner zu einem orientierenden Erstgespräch ein. Zunächst werden der bisherige Verlauf, die Problematik und die schulmedizinischen Befunde besprochen. Es folgt dann eine TCM-Kurzdiagnose mit den allgemeinen Befindlichkeiten von Schlaf über Sexualität bis zu Verdauung. Und eine erste Puls- und Zungendiagnostik. Bei beiden Partnern – und danach entscheidet sich das weitere Vorgehen. Es kann sein, dass es bei Ratschlägen für die Ernährung und Lebensführung bleibt. In der Regel folgt dann ein Konzept für die TCM-Behandlung mit Kräutern und/oder Akupunktur. In einem späteren Zweitgespräch wird die Diagnose komplettiert. Die Akupunktur erfolgt dann in der Regel wöchentlich, die Kräutermischung bekommt alle 2 Wochen ein Update. Nicht selten bekommen die Frauen dann auch 2-3 verschiedene Mischungen für die jeweiligen Zeitabschnitte des Zyklus´. Die Behandlungsdauer sollte für mindestens 3 Zyklen, also 3 Monate eingeplant werden. Bei schlechter Eizellen-Qualität sind erfahrungsgemäss eher erst nach 6 Monaten signifikante Erfolge zu verzeichnen.
Wichtig ist in diesem ganzen Prozess auch das Zyklusmonitoring durch die Patientinnen selber, also die Beobachtung körperlicher Veränderungen im Verlauf eines Zyklus. Zum Beispiel über die Protokollierung der Basaltemperatur. Aus TCM-Sicht spiegelt der monatliche Zyklus auch das Wechselspiel von Yin und Yang wieder: In der ersten Zyklushälfte ist die Aufbauphase des YIN (=niedrige Temperatur), danach kommt die Yang-Phase mit höherer Temperatur. Zwischendurch die beiden dynamischen Phasen der Blutung und des Eisprungs. Dem entsprechend kann der Organismus in diesen Phasen unterstützt werden – mit Yang- oder Yin-stärkenden Kräutern oder Punkten, oder bei Stauungen zu den dynamischen Phasen durch Unterstützung der Leber. Da kommt z.B. auch die Schröpfmassage am Unterbauch bei uns zur Forcierung des Eisprungs in Frage.

Kann man die Methoden der westlichen Medizin, also der modernen Reproduktionsmedizin mit der TCM ergänzen?

Ja, auf alle Fälle ist es sinnvoll. Ich gehe davon aus, dass die besten Resultate eine Verbindung der Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin und der TCM-Methoden bringt. Anfänglich wird eine gezielte, individuelle Diagnose erstellt, das sollte optimal mindestens 1-3 Monate vor IVF/ICSI geschehen. Danach entscheidet sich, ob Akupunktur oder Kräuter angebracht sind. Die Akupunktur erfolgt dann wöchentlich, nach dem Transfer häufiger für 2 Wochen, vor allem zur Einnistungs-Zeit. Die chinesischen Kräuter stelle ich in einer individuellen Rezeptur zusammen – jeweils verschiedene Mischungen für die einzelnen Zeitabschnitte. Die TCM-Methoden ergänzen die reproduktionsmedizinischen Methoden und können Nebenwirkungen mindern. IVF/ICSI können Eizellen/Spermien zusammenbringen, aber sowohl auf die Qualität der Eizellen als auch bei Einnistung und Vermeidung eines Frühabortes haben sich die TCM-Methoden als äusserst wirksam erwiesen. Bei schlechter Eizellen-Qualität/niedrigem AMH-Wert ist übrigens immer eine mehrmonatige TCM-Behandlung notwendig.

Leider kann es auch vorkommen, dass das Kind in der Frühschwangerschaft verloren geht – wie sieht das die TCM?
Auch da kommt es auf eine genaue Diagnose an. Als auslösende Faktoren für eine Fehlgeburt können genetische, immunologische und Durchblutungs-Faktoren wichtig sein. Gerade bei Problemen mit der Immunreaktion und mit der Durchblutung gibt es gute Möglichkeiten mit der TCM. Um das Immunsystem zu regulieren, ist die Akupunktur oder auch die Eigenblutbehandlung als klassisch westliche naturheilkundliche Methode sinnvoll. Bei Durchblutungsbloblemen, d.h. bei Stauuungen/Blockaden kämen – wie gesagt, nach genauer TCM-Diagnostik – eher chinesische Kräuter in Frage.

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