Schweinegrippe, Kräuter und Akupunktur aus der TCM

• Fakten zur Schweinegrippe:
Die Schweinegrippe ist eine meist recht glimpflich verlaufende Grippe mit ähnlichen Symptomen wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt. Betroffen sind in erster Linie jüngere Menschen, während die „normale“ Grippe meist älttere Menschen befällt. An dieser sterben jährlich 25-30.000 Menschen. Das Schweinegrippe-Virus wird durch Händeschütteln, Niesen und Husten übertragen.
• Impfstoffe werden entwickelt. Problem: Effektivität ist unklar, aber die Quote an Nebenwirkungen liegt bei 1%. D.h. bei geplanten 25 Millionen Impfungen in Deutschland ist mit 250.000 Impfopfern zu rechnen.
• Die Medikamente Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) sollen gegen das Virus schützen. Es haben sich jedoch vielfach Resistenzen der Viren gegen diese Mittel entwickelt. Im Jahre 2007 („Vogelgrippe“) kam es zu heftige Reaktionen im Verlauf von Tamiflu-Einnahme: In Japan wurde wegen auffällig häufiger Selbstmordversuche von Jugendlichen vor der Anwendung bei dieser Bevölkerungsgruppe gewarnt (arzneitelegramm 4/2007).
• Grippeviren sind sehr wandlungsfähig. Es besteht theoretisch die Möglichkeit, daß sich das Schweinegrippe-Virus (sehr ansteckend, aber vom Verlauf her meist harmlos) mit dem Vogelgrippe-Virus (wenig ansteckend, vom Verlauf her gefährlich) verbindet. Konkret ist die Gefahr aber nicht, es gibt keine Anzeichen für eine drastische Verschlimmerung der Grippewelle.

Die Sicht der TCM
Aus Sicht der chinesischen Medizin (TCM) ist festzuhalten:
• Die Schweinegrippe ist sehr ansteckend und verbreitet sich so sehr schnell.
• Sie trat in der warmen Jahreszeit auf.
• Die Symptome sind heftig und akut, vor allem durch Hitze (Fieber) und Trockenheit(Husten, Halsschmerzen) chrakterisiert.
• Es werden vor allem jüngere Menschen befallen, die eher im Yang-Zustand sind als die Alten.

Es handelt sich also um eine Hitze-Erkrankung, die vorwiegend Menschen befällt, die ebenfalls „hitzig“, d.h. jung, aktiv, leistungsfähig, wenig kälteempfindlich und scheinbar bei bester Gesundheit sind. Wenn sie dies jedoch tatsächlich wären, so hätte auch ein von außen eindringendes Pathogen keine Chance: Erst die „Lücke im System“ ermöglicht Krankheitserregern die Abwehrkraft zu überwinden („Wind“) und in den Organismus einzudringen. Längerdauernde Überarbeitung, Stress und existenzielle Ängste hinterlassen solche Lücken im Abwehrsystem, obgleich die Betroffenen noch scheinbar von großer Vitalität sind (-> burn out).

Behandlungsmöglichkeiten
• Während der SARS-Welle in China 2003 konnte die chinesiche Medizin (TCM) mit ihren Behandlungsmethoden große Erfolge erziehlen. Vor allem Kräuterrezepturen erwiesen sich als sehr wirksam- was der TCM in China wieder hervorragendes Ansehen und intensive staatliche Förderung verschaffte.
• Die klassischen heilkundlichen Bücher beschreiben ausführlich die Vorgehensweise bei Infektionskrankheiten (“Shanghan Lun”/”Wen Bing”). Schwerpunkt ist hierbei neben der „Vertreibung“ der Pathogene (=Krankheitserreger) die Stärkung der Abwehrkraft und der Vitalität insgesamt.
• Bekannte Rezepturen bei derartigen Hitze-Erkrankungen heißen z.B. Bai hu tang, Yin qiao san oder Ge gen tang. Es wurden aber auch neuere Rezepturen entwickelt, z.B. von der TCM-Universität Guangzhou. Diese Rezepturen sind jedoch allesamt nicht für die Selbstmedikation geeignet: Ihre Anwendung richtet sich streng nach den aktuellen und u.U. sehr individuellen Symptomen. Wenn z.B. die Gliederschmerzen im Vordergrund stehen ist eine andere Zusammensetzung der Kräuter notwendig als bei Übelkeit oder Durchfall!
• Vorbeugende Maßnahmen sind jedoch sinnvoll, um die „Lücken im System“ zu schließen. Das Immunsystem und die Lebenskraft Qi (=Vitalität) sollten soweit gekräftigt werden, daß Infekte keinen schlimmen Verlauf nehmen können.

Zur Vorbeugung gibt es viele Möglichkeiten:
• die Ernährung sollte hochwertig, wohlschmeckend und gut verdaulich sein.
• Regelung der Lebensweise. Keine Anspannung ohne Entspannung, ein ausgewogenes Verhältnis von Ruhe und Bewegung
• Akupunktur und Moxibustion: Es gibt viele Akupunkturpunkte, die das Immunsystem und die Vitalität stärken. Häufig ist es sinnvoll, diese Punkte regelmäßig zu massieren oder mit Wärme zu behandeln (Moxibustion) – gerade bei Kindern!
• Chinesische Kräuterrezepturen: hier gibt es viele Kräutermischungen, die sich seit langem bewährt haben und risikofrei eingenommen werden können – aber ohne eine sachkundige Diagnose der individuellen Energetik kann man unter der Vielzahl der Mittel nicht das für Sie richtige Rezept herausfinden.

Prof.(Univ.Chengdu/China)Andreas A.Noll
info@praxis-noll.de
www.praxis-noll.de

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