Rheuma

Es ist nicht leicht, einen Vortrag über Rheuma zu halten, da es sich dabei nicht um ein einheitliches Krankheitsbild handelt, sondern um vielerlei Beschwerden des Bewegungsapparates, die man heutzutage als rheumatischen Formenkreis bezeichnet. Das Wort Rheuma kommt aus dem Griechischen rheumatismos und es bezeichnet einen fließenden ziehenden Schmerzen, der für die meisten rheumatischen Krankheit typisch ist. In Wirklichkeit verbergen sich hinter dem Begriff Rheuma die verschiedensten Schmerz-Zustände des Bewegungsapparates, von den eher harmlosen Muskelbeschwerden bis zu Entzündungen und Degenerationen der Gelenke und Knochen.

Was landläufig als Rheuma bezeichnet wird nennt die Medizin nun chronische Polyarthritis, also eine chronische Entzündung mehrerer Gelenke. Bevor ich auf die Behandlungsmöglichkeiten, möchte ich noch kurz über die verschiedenen Formen des Rheuma sprechen, um Ihnen zu zeigen, daß es sehr wichtig ist, herauszufinden unter welcher Rheuma Form Sie leiden, um dann eine ganz individuelle und wirksame Therapie auszuarbeiten. Es gibt im großen und ganzen drei Rheuma Formen:

Rheumatismus entzündlicher Art, wie eben die chronische Polyarthritis (darunter leiden übrigen 3% unserer Bevölkerung), den M. Bechterw (WS) und das rheumatische Fieber ( i.d.R. im Anschluß an eine bakterielle Infektion, bei der sich die Krankheitserreger im Körper verteilt haben und nun die Gelenke angreifen.

Rheumatismus degenerativer Art, also Ablagerungen und Verhärtungen, wie wir sie zum Beispiel bei der Arthrose finden

Weichteilrheumatismus, wie etwa die Sehenescheidenentzündung, die Schleimbeutelentzündung oder Myogelosen, also verhärtete Knötchen, die druckempfindlich sind und Verspannungen, vor allem gerne im Nackenbereich, verursachen.

Weswegen Sie aber größtenteils heute abend hier sind, denke ich, sind Beschwerden, die sich in den Gelenken abspielen. Um jedoch gezielt behandeln zu können, muß ich – wie bereits gesagt – zuerst herausfinden, ob es sich um einen degenerativen oder einen entzündlichen Prozeß handelt.
Handelt es sich um einen degenerativen Prozeß, so ist i.d.R. eine Unterversorgung des Knorpels, der die Gelenke überzieht die Ursache. Der Knorpel erhält nicht genug Nährstoffe, dadurch wird er minderwertig, er schrumpft, wird sogar vielleicht brüchig, löst sich teilweise vom Knochen ab und dann reibt Knochen auf Knochen, und daß dies große Schmerzen verursacht, brauche ich wohl nicht näher ausführen. Diese Krankheitsbild wird als Arthrose bezeichnet, typisch ist, daß die Schmerzen besser werden, wenn Sie sich bewegen, man spricht von einem Anlaufschmerz, denn der Knorpel wird erst durch die Bewegung wieder geschmeidig. Leider nehmen die Schmerzen aber oft nach längerer Bewegung wieder zu, denn der Knorpel ist nicht mehr so dick und belastbar wie ein gesunder Knorpel. Daher zielt die Behandlung darauf ab, den Knorpel wieder besser mit Nährstoffen zu versorgen, so daß er geschmeidig bleibt und seine Funktion als Schutz des Knochens und Stoßdämpfer ausüben kann.

Bei einer Entzündung dagegen müssen wir diese zuerst zum Abklingen bringen. Das heißt, die heißen und geschwollenen Gelenke (meist sind die kleinen Gelenke, also Finger und Zehen besonders betroffen) müssen beruhigt werden. Dann lassen die Schmerzen nach und die Beweglichkeit nimmt wieder zu. Die Entzündung findet also im Gelenkspalt statt, Sie müssen wissen, daß der Knochen von der Gelenkhaut überzogen sind, diese Haut hat sehr viele Blutgefäße und Nerven, bei einer Entzündung dieser Haut haben Sie auch große Schmerzen. Das Gelenk selbst ist quasi luftdicht durch die Gelenkkapsel abgeschlossen. In der Gelenkkapsel ist die Gelenkflüssigkeit, welche den Knorpel, der die Gelenke schützt, ernährt. Entzündungen im Gelenk sind also eine sehr ernste Sache, denn sie können nicht nur den Knorpel und die Knochenhaut, sondern auch den Knochen zerstören.

Sie sehen also, es ist wichtig zu wissen, was der Grund Ihrer Schmerzen ist, nur so können wir optimal behandeln. Wenn man nämlich lange Zeit nichts gegen die Gelenkschmerzen unternimmt, egal nun ob entzündlicher oder degenerativer Art, so geht letztendlich der Knorpel kaputt, die Gelenke reiben aufeinander, dabei kann sich der Knochen abscheuern, oder aber die Knochen können quasi miteinander verwachsen, so daß das Gelenk einsteift und Sie es nicht mehr bewegen können. Es kann aber auch sein, daß sich ein Stück Knorpel oder Knochen ablöst und im Gelenksspalt stecken bleibt, auch dann können Sie Ihr Gelenk nicht mehr bewegen.

Sie sehen, im Prinzip hängt fast alles vom Gelenkknorpel ab, nur wenn dieser voll funktionsfähig ist, so haben Sie keine Schmerzen in den Gelenken. Auch wenn Sie an einer Autoimmunerkrankung leiden, so wie das bei vielen Rheumatikern, die einen positiven Rheumafaktor haben der Fall ist, so bedeutet das vereinfacht gesprochen nichts anderes, als daß Ihr Körper aufgrund einer Fehlfunktion des Immunsystems die eigenen Knorpelstrukturen angreift und kaputt macht. Wenn dies der Fall ist, muß man zuerst das Immunsystem dazu bringen, den Knorpel nicht mehr als gefährliche Substanz anzusehen, die angegriffen werden muß, und dann kann man daran gehen, den Knorpel wieder aufzupäppeln.

Leider ist es aber nicht einfach, einen kaputten Knorpel wieder zu regenerieren. Es ist meist ein langwieriger Prozeß, denn der Knorpel ist ein schlecht durchblutetes Gewebe (denken Sie nur an Ihre letzte Hähnchenkeule). Und was schlecht durchblutet ist, also keine Blutgefäße fließen, wird auch nur schwer mit Nährstoffen versorgt. Der Knorpel erhält seine Nahrung aus der Flüssigkeit, die im Gelenkspalt ist, und dies auch nur, wenn man sich bewegt, denn dann wird der Knorpel quasi wie ein Schwamm zusammengedrückt und kann jedesmal wenn er sich wieder ausdehnt kann er Nährstoffe aufnehmen. Wenn man sich also nicht bewegt wird der Knorpel zum einen nicht ernährt und zum anderen wird er immer weniger werden, weil der Körper denkt, daß er seine Knochen nicht besonders schützen muß, weil sie eh nicht belastet werden. Das heißt natürlich nicht, daß Sie jetzt mit Leistungssport oder Dauerlauf anfangen müsse, aber Sie sollten, sobald die akute Entzündung in den Gelenken abgeklungen ist, damit beginnen, Ihre Gelenke wieder zu belasten. Am Anfang ist dabei Radfahren oder Schwimmen sehr günstig, da Ihre Gelenke dann nicht die Last des Körpers bei der Bewegung tragen müssen. Später sollten Sie dann auch regelmäßig spazierengehen, Treppen steigen und vielleicht sogar in einem guten Fitnessstudio mit leichtem Training beginnen.

Diese Ratschläge sind Ihnen aber sicherlich nicht neu, deswegen möchte ich jetzt auch ganz konkret darauf zu sprechen kommen, was die Naturheilkunde gegen das Rheuma zu bieten hat. Natürlich dürfen Sie keine Wunder erwarten, ich habe bereits angedeutet, daß Erfolge ihre Zeit benötigen, aber meist sind die Erfolge dann von Dauer und was ich persönlich besonders wichtig finde, ist daß Sie langfristig keine starken Medikamente mit schädlichen Nebenwirkungen mehr nehmen brauchen. Sie werden sehen, daß Sie schon bald die Menge Ihrer Schmerzmittel erheblich reduzieren können. Das hat natürlich auch sehr positive Auswirkungen auf Ihre Leber und Nieren, die durch den Schmerzmittelkonsum langfristig auch geschädigt werden.

Meine Therapie umfaßt mehrere Bereiche, die ich Ihnen nun kurz nennen möchte, es ist jedoch wie bereits gesagt so, daß ich für Sie einen ganz individuellen Therapieplan erstellen werde, denn wie Sie nun wissen ist Rheuma nicht gleich Rheuma.

Anregung des Stoffwechsels, um die entzündlichen Substanzen aus dem Körper zu schwemmen, z.B. durch eine Pflanzensaftkur

Anregung des Immunsystems, um den Kampf gegen die Entzündung aufzunehemn, z.B. Eigenbluttherapie. Zusätzlich gebe ich gerne Zink, welches den Heilungsprozeß ganz generell unterstützt und auch ausgezeichnet zur Immunstimulanz dient.

Oder ganz im Gegenteil, je nach Ursache der Krankheit: Beruhigung des Immunsystems, wenn eine Autoimmunerkrankung vorliegt, z.B. durch Modifizierung der Antikörper, so daß sie kein körpereigenes Gewebe mehr angreifen.

Dazu eignet sich auch die Thymus Therapie hervorragend, denn die Thymusdrüse ist in unserem Körper für das Immunsystem zuständig, d.h. sie ist auch verantwortlich dafür, ob unsere Körper zwischen harmlosen/körpereigenen und schädlichen/körperfremden Substanzen richtig unterscheiden kann. Sie alle wissen was eine Allergie ist, hier greift der Körper fälschlicherweise harmlose Substanzen wie Blütenpollen, Katzenhaare oder bestimmte Lebensmittel an und reagiert mit Schnupfen, Juckreiz oder Durchfall. Hier ist das Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten, wie es eben auch beim Rheuma den Knorpel als fremde Substanz fälschlicherweise angreift. Durch die Thymus Therapie, die auch bei Krebsleiden eingesetzt wird, kann das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht gebracht werden, so daß es dem Körper keinen Schaden mehr zufügt.

Was ich gerne in Verbindung mit der Thymus Therapie mache ist eine hochdosierte Enzymtherapie. Sie wirken entzündungshemmend und abschwellend, sie verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und können dadurch die Regeneration des kaputten Gewebes, z.B. des Knorpels anregen und beschleunigen.

Linderung der Schmerzen durch Akupunktur und Neuraltherapie

Moxatherapie bei Arthrose, denn es wärmt sehr gut und regt die Durchblutung an, so daß Nährstoffe zum Knorpel gebracht, aber auch Schadstoffe abtransportiert werden können

Injektionen von homöopathischen oder pflanzlichen Stoffen an die betroffenen Gelenke, so daß die Medikamente direkt an Ort und Stelle wirken können

Zufuhr Mineralien von und Vitaminen, so wirkt z.B. Vit. Eausgezeichnet bei Entzündungen und Vit. B besänftigt die gereizten Nerven. Als Spurenelement kann noch das Selen genannt werden, welches die Entzündung und damit auch die Schmerzen reduziert im akuten Schub 1000ug/d, empfehlenswert als Natriumselenit, anschließend 300ug/d und zur Erhaltung bzw. Prophylaxe 100ug/d. Außerdem haben Studien herausgefunden, daß gerade bei der entzündlichen Form des Rheumas meist die Vit. C Konzentration im Blut stark erniedrigt ist, daher ist es sinnvoll, mittels Infusionen den Vit. C Speicher des Körpers wieder aufzufüllen.

Entsäuerung des Organismus um die Ablagerungen und Schlackenstoffe zu reduzieren, z.B. durch Heilfasten, Rohkostdiät oder basenreicher Nahrungsmittel

Rheumateemischungen, welche die Schlacken aus dem Körper spülen, den Stoffwechsel dabei anregen und gerade Leber und Nieren bei ihrer Entgiftungsarbeit unterstützen.

Brennessel Spiritus zur Einreibung bei neuralgischen und rheumatischen Schmerzen

Naturheilkundliche Medikamente, die ganz vorzüglich wirken, dabei sind vor allem zu nennen:
– Weidenrinde, sie wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und durchblutungsfördernd (Sie allen kennen die Weidenrinde als Bestandteil des Aspirins, die Naturheilkunde benutzt jedoch die Naturdroge an sich und nicht die chemisch aufbereitete Substanz. Dadurch ist die Verträglichkeit größer und die wirksame Substanz wird nicht wie beim Aspirin schon im Magen-Darm-Trakt freigesetzt, sondern erst im Blut. Man muß also nicht die Nebenwirkungen wie etwa ein Magengeschwür fürchten.)
– Brennessel, sie hilft dem Körper, Ablagerungen, Schlacken- und Entzündungsstoffe aus dem Körper auszuscheiden. Außerdem hat man in klinischen Studien herausgefunden, daß Patienten ihren Schmerzmittelkonsum um drei Viertel reduzieren konnten, wenn sie gleichzeitig Brenneseln zu sich nahmen. Es genügt jedoch nicht, einen Brennesseltee zu trinken, man muß das Kraut schon hochdosiert, am besten als Extrakt verabreichen.
– Weihrauchbaum, Boswelia spec., der auch entzündungswidrig und durchblutungsfördernd wirkt.
– Zaunrübe – Bryonia cretica, nur als homöopathisches Mittel bzw. als spagyrische Zubereitung bei arthrotischen Zuständen mit subakuten oder chronischen Gelenkserkrankungen insbesondere der großen Gelenke der unteren Extremität. Z.B. als Mischung der Urtinkturen von Bryonia, Dulcamara und Salix, 3×20 gtt. P.c. in etwas Wasser.
– Teufelskralle, sie stammt aus Afrika und hat sich fast als Wunderdroge bei Schmerzzuständen des Bewegungsapparates und der Nerven erwiesen. Durch sie wird nicht nur die Weiterleitung des Entzündungsschmerzes blockiert, sondern auch die Entzündung an sich zum Abklingen gebracht.
– Bärlauch, der die Blutzirkulation steigert und somit schädliche Stoffwechselprodukte besser abtransportieren läßt. Ich möchte noch ein Wort zum Bärlauch, einem geruchsfreien Verwandten des Knoblauchs und dessen Wirksamkeit bei Osteoporose sagen. Gerade viele Frauen fürchten nach der Menopause an Osteoporose, also einem Schwund der Knochendichte zu erkranken. Oft liegt nämlich bei der Osteoporose nicht nur ein Mangel an Calcium vor, sondern ein genereller Mangel an Spurenelementen. Mittlerweile haben mehrere Studien gezeigt, daß z.B. mit einer Kombination aus Bärlauch und Mangan die Abnahme der Knochendichte aufgehalten werden konnte.
– Bockshornklee, enthält Saponine, das sind Stoffe, die das körpereigene Cortison langsamer abbauen lassen (natürlicher Stoff, den unsere Nebennierenrind produziert, quasie ein körpereignes Schmerz- und Antientzündungsmittel). Im Blut liegt dann ein erhöhter Cortisonspiegel vor, der ohne Nebenwirkungen für schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung sorgt.

Sie sehen, wir haben wirklich viele Möglichkeiten, es gibt keinen Grund zu resignieren und sich mit seinen Schmerzen abzufinden. Gelenkerkrankungen sind in der Regel heilbar, außer die Gelenke haben sich bereits verändert, sind zum Beispiel steif geworden oder bereits zusammengewachsen.

Da jedoch meist die Gelenke nicht allein betroffen sind, sondern auch schon die sie umgebenden Muskulatur Verspannungen und Verhärtungen aufweist, muß man unbedingt versuchen, dies Dauerspannung aufzulösen. Ich habe ja ausgeführt, daß der Knorpel zum Funktionieren gut ernährt sein muß. Stellen Sie sich nun vor, Ihre Muskeln sind ständig verkrampft und steinhart und drücken dadurch auf den Knochen aber auch die Knochen weiter zusammen, so wird die Flüssigkeit im Gelenkspalt, von der sich der Knorpel ernährt, immer weniger, außerdem kann dann der Schwamm-Effekt nicht mehr eintreten, d.h. unsere Knorpel muß austrocknen. Sie sehen also, die Behandlung muß ganzheitlich sein, sie darf nicht nur den Schmerzen der Gelenke nehmen, sie muß wirklich die Ursachen und auch alle damit verbundenen Symptome beseitigen.
Diese Knorpel zu regenerieren ist nicht unmöglich, jedoch sehr langwierig, wenn man nur Medikamente einnimmt. Wesentlich effektiver ist es, direkt z.B. an das Knie- oder Hüftgelenk knorpelaufbauende Präparate zu spritzen:

Dazu kann Hyaluronsäue (eine aus dem Hahnekamm gewonnene „Gelenkschmiere“) injiziert werden, die dem körpereigenen Knorpel sehr ähnlich ist. Dadurch wird sozusagen die „Gelenkschmiere“ nachgefüllt und bereits nach wenigen Injektionen tritt Schmerzfreiheit ein. Eine solche Kur umfasst meist fünf Injektionen im wöchentlichen Abstand und hält je nach Abnutzungszustand der Gelenke 6-9 Monate an.

Eine zweite Möglichkeit besteht in der Injektion von aufbereiteten organischen Präparaten ebenfalls direkt an das Gelenk. Diese Methode erfordert zwar etwas mehr Geduld, kann aber zu einer Regeneration des Gelenks führen, da der Körper beginnt – angeregt durch die gleichartigen Substanzen – eigenes Gewebe wieder aufzubauen und das geschädigte Gelenk zu regenerieren.

Autor: Dr. phil. Dagmar Hemm Heilpraktikerin