Neues Buch: Hashimoto-Ratgeber, eine Leseprobe….

Im Mai erscheint im Verlag Müller&Steinicke, München, mein neues Buch, das ich mit Unterstützung von Frau Haslauer geschrieben habe- ein Ratgeber zum Thema ‚Hashimoto und TCM‘. Hier eine kleine Leseprobe mit Überlegungen zur Selbstbehandlung:

Hashimoto und Schilddrüsen-Unterfunktion: Der Umsatz und die Bilanz

Wenn wir uns nun einmal kurz von den ganzen inneren Vorgängen ‚frei machen‘, von den Hormonen und Nerven, und den ganzen Menschen als eine Einheit betrachten, haben wir ein ganzes, in sich geschlossenes System vor uns und in uns, in dem Defizite und Überschüsse eigentlich wunderbar ausgeglichen werden können. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis kommt es , vielleicht nach einer kurzen Überfunktionsphase bei Krankheitsbeginn, zu Symptomen einer Unterfunktion: der Stoffwechsel verlangsamt sich, Gewichtszunahme, die Körpertemperatur ist niedrig, grosses Schlafbedürfnis, schlechte Stimmung – um nur einige der schon oben aufgeführten Zeichen zu nennen. Sicher erscheint die schulmedizinische Möglichkeit, mit L-Thyroxin dieses Steuerungsorgan wieder ‚auf Trab‘ zu bringen, vordergründig logisch und konsequent. Aber unser exzellentes Mensch-System verfügt auch über andere Möglichkeiten dazu – die dann aber auch wieder dazu führen können, dass die Schilddrüse wieder ausreichend funktioniert. Das Hormon-System ist keine Einbahnstrasse!

Körperliche Aktivität

Halten wir uns kurz vor Augen: neben dem Gehirn sind die wichtigsten Energieverbraucher und Kurzzeit-Speicher die Muskeln. Und damit meine ich nicht nur die Kaumuskeln, den unermüdlichen Herzmuskel und den ebenfalls rastlosen Zwerchfellmuskel. Vor allem die Skelettmuskulatur an Beinen, Gesäss, Rücken und Armen braucht viel Sauerstoff und Brennmaterialien, also Kalorien. Muskeln verbrennen schon im Ruhezustand 30x mehr Energie als Fett! Nach dem Sport hält die zusätzliche Verbrennungstätigkeit bis zu 14 Stunden unmittelbar an. Die Körpertemperatur erhöht sich dadurch, nicht nur durch den ‚Brennvorgang‘, sondern auch durch Reibung, Zug und Druck. Gleichzeitig wird vom gesamten Organismus über die Lungen mehr Sauerstoff aufgenommen. Der direkte Effekt von körperlicher Aktivität auf den Energieaufwand ist eher gering, wenn man ihn im Kontext des gesamten täglichen Energiebedarfs sieht. Tierversuche zeigten, dass einzelne Übungen und längerfristiges Training den Grundumsatz steigern können. Ausdauer-Training führte zu einem erhöhten Grundumsatz im Zusammenhang mit vermehrtem Muskelaufbau. Extremes kurzzeitiges Training zeigt dagegen genau das Gegenteil – vermutlich überwiegt in diesen Fällen eher der Stress und der Körper ist noch nicht angepasst.

Stoffwechsel steigern

Unser Grundumsatz ist die Energiemenge, die der Körper bei Bettruhe erzeugt, um seine Lebensfunktion aufrecht zu erhalten. Er beträgt bis zu 70% des gesamten Energieverbrauchs, ist aber abhängig von Körpergrösse, Geschlecht, Alter, Körpergewicht, vor allem von der Muskelmasse. Frauen haben einen geringeren Grundumsatz (ca. 200 kcal pro Tag weniger) als Männer. Jedoch schon spontane Aktivität wie die Aufrechterhaltung einer gewissen Körperspannung und gelegentliches Zappeln können zusätzlich 100-800 kcal pro Tag verbrauchen.
Wollen wir nun den Stoffwechsel in Gang bringen, müssen wir durch regelmässige Beanspruchung des Körpers (=Leistungsumsatz) den Grundumsatz ankurbeln. Das dauert eine Weile, aber so lässt sich auch längerfristig die Energieverbrennung erhöhen! Körperliche Bewegung führt über die Beanspruchung und den Aufbau von Muskeln (und ihrer kleinen Energiekraftwerke, den Mitochondrien) zu vermehrter Verbrennung, zu maximaler Sauerstoffaufnahme und dies dann wieder zu einer allgemein verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit. Das Körperfett wird reduziert, wobei wenige längere sportliche Aktivitäten (mit mässigem Ausdauertraining) mehr Körperfett verbrennen als mehrere kurze Übungen. Das ist wichtig, wenn Sie beim Sport Pausen einlegen!
Körperliche Aktivität bewirkt auch dauerhaft eine Senkung des Blutzuckerspiegels: die Muskeln verbrauchen Glukose und bewirken längerfristig eine Senkung der Insulinresistenz, der Hauptursache für den Diabetes II. Probleme mit Insulinresistenz gelten nun auch als treibende Kraft bei der Entstehung von Hashimoto. Insulin hilft normalerweise dabei Zucker in die Zellen zu bringen. Bei einer Insulinresistenz blockieren die Zellen Insulin, wenn zu viel Zucker da ist. Symptome sind Müdigkeit nach dem Essen, vor allem nach Kohlenhydraten, vermehrtes Bauchfett und Schlaflosigkeit. Insulinresistenz vermindert die Schilddrüsenfunktion, begünstigt aber auch die Schlafapnoe, Hormonprobleme (PCO-Syndrom) und Fettleibigkeit. Es ist erwiesen, dass regelmässiges körperliches Training wie z.B. durch Aerobic die Insulinsensitivität verbessert, und die Zellen besser auf das Insulin reagieren. Zudem hat eine Studie, die in Neuroendocrinology Letters 2005 herausgegeben wurde, gezeigt, dass maximales Aerobic-Training den Spiegel von T4, T3 und TSH erhöht.
Wir sprechen hier nicht über die vielen anderen positiven Auswirkungen von Sport auf nahezu alle Bereiche unseres Körpers- das würde den Rahmen dieses Büchleins sprengen. Wohl aber über die Auswirkungen auf den sonst von der Schilddrüse gesteuerten Stoffwechsel und Metabolismus.
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