Gedanken zum Essen zur richtigen Zeit

Im Zeitalter der Fernreisen haben es viele schon einmal deutlich verspürt, dass man bestimmtes Essen nur unter bestimmten klimatischen Verhältnissen vertragen kann. Fettes und schweres Essen ist in den Tropen kaum zu verdauen, die Poren öffnendes, schweißtreibendes scharfes indisches Essen lässt einen im nordischen Winter Erkältungen riskieren. Die Menschen haben sich ihrem heimischen Klima in Jahrtausenden angepasst, sie ernähren sich so, dass sie gesundheitlich am besten zurechtkommen mit Wind und Wetter. Und ebenso verhält es sich mit den dort wachsenden Nahrungsmitteln: auch sie sind denselben klimatischen Bedingungen ausgesetzt wie die Menschen und Tiere, auch sie haben sich angepasst im Laufe der Zeit.
Und so ernährt man sich eigentlich am besten mit den Nahrungsmitteln, die aus der gewohnten Umgebung kommen und zur gleichen Zeit wachsen. Erdbeeren im Februar, Spargel im November – auch wenn sie unter optimalen Treibhausbedingungen aufgewachsen sind, geben sie bei weitem nicht den Geschmack wie Erdbeeren im Juni oder Spargel im Mai – ganz abgesehen von den Nitrat- und Pestizidbelastungen, denen beispielsweise das ganzjährige Salatangebot unter Glas ausgesetzt wurde. Relikte unserer den Jahreszeiten angepassten Ernährung finden wir noch ins unserer doch häufiger ausgeprägten Aversion gegen Gänsebraten im Hochsommer oder Speiseeis zu Weihnachten.
Auch die Tageszeit hat einen Einfluss auf den Stoffwechsel, somit auf die Verdauungskapazitäten und konsequenterweise auch auf die Nahrungsaufnahme.„Am Morgen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann“ – so haben unsere Eltern uns noch den tagtäglichen Rhythmus des Essens beigebracht. Heute sieht es meist anders aus. Durchaus analog der Verabschiedung von feudalen Strukturen, dem Überlassen königlich-fürstlicher Huldigungen an die Regenbogenpresse sowie der Dominanz eines auch Bettler auffangenden dichtem sozialen Netzes wurden die Eßgewohnheiten demokratisch revolutioniert: Das Frühstück reduziert sich auf einen Kaffee, das Mittagessen bestenfalls auf einen Fast-Food-Bissen und die allgemeine Freude richtet sich auf die nicht mehr bettlergemäß reichliche abendliche warme Mahlzeit im Familienkreis. Ruheloser Schlaf mit prallem Oberbauch sowie eine überaus gründliche Verwertung des abendlichen Festschmauses während der folgenden Nachtstunden sind die eine Folge, wiederholte Kleinst-Zwischenmahlzeiten in Form von „Snacks“ während des Tages die andere. Davon die Folge sind ein immerwährendes Gefühl des nicht-satt-nicht-hungrig –seins, der unregelmäßigen, halb-bewußten Nahrungsaufnahme folgt die ebenso unkontrollierte und halb-bewusste Gewichtszunahme. „Der Magen liebt die Regelmäßigkeit“ – so heißt es in der chinesischen Medizin. Denn der Magen braucht seine Zeit, die aufgenommenen Stoffe zu zersetzen und dann an die Därme weiter zu befördern. Die Verdauung und der Stoffwechsel insgesamt benötigen viel Kraft, viel Energien. Diese stehen abends nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht mehr zur Verfügung. Wohl aber morgens – da kommt es aber darauf an, was man auf den Frühstückstisch stellt.
Im Zeitalter der Globalisierung sind auch die Nahrungsmittel „globalisiert“. In unseren gemäßigten Breiten mit kühlen Wintern quellen gerade in der kalten Jahreszeit unsere Obstkörbe über, gefüllt mit Orangen, Clementinen, Bananen und allen möglichen anderen tropischen und subtropischen Produkten. Sie gelten alle als sehr vitaminhaltig, besonders jetzt benötige der Körper viel Vitamine, um seine Abwehrkräfte gegen Erkältungskrankheiten zu steigern. Alle diese Nahrungsmittel aber sind erfrischend und kühlend, angenehm nur deshalb, weil durch die trockene Heizungsluft in unseren Wohnräumen Haut- und Schleimhäute sehr stark austrocknen. Für die Verdauung jedoch sind diese Früchte in dieser Zeit alles andere als geeignet –die kühlende Wirkung nimmt dem wärmebedürftigen Organismus viel Energie weg, und gerade die „Frostbeulen“ unter uns sollten zumindest versuchen, das frische Obst durch Kochen (auch wenn da ein paar Vitamine zugrunde gehen…) oder durch wärmende Gewürze wie Zimt, Ingwer oder Nelken besser verträglich zu machen. Wie wär´s mit einem Bratapfel?

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