Die Sicht der TCM bei Migräne

Kernbegriffe der TCM sind die Lebensenergie Qi und die beiden Polaritäten Yin und Yang. Bei Migräne kommt es grundsätzlich zu einem flattrigen, überschiessenden Strohfeuer-Qi, das ist der ‚Wind‘. Das Yin, in diesem Fall das Leber-Blut, kann das Yang nicht am Boden halten, daher steigt es ungehemmt auf. Daher tun bei Migräne im und nach dem Anfall die Ruhe und die Dunkelheit gut – sie nähren das Yin.
Spannung und Ent-Spannung
Charakteristisch bei Migräne ist das Auftreten bei Ent-Spannung, also nach Belastungs- und Anspannungssituationen, wie z.B. nach den Arbeitstagen am Wochenende oder nach Eintreten der Monatsblutung. Bei Spannungskopfschmerzen verbleibt der Organismus unter Dauerspannung, bei Migräne fällt diese Spannung abrupt zusammen. Das Energiesystem kommt so nicht in ein ausgeglichenes Niveau. Das liegt aus TCM-Sicht an einem fehlenden Gleichgewicht der Wandlungsphasen/Elemente Holz und Metall. Mit dem Holz ist die Leber assoziiert, die das Gleichgewicht zwischen An- und Entspannung reguliert. Sie braucht für diese Funktion eine gewisse Spannungsbereitschaft, aber auch ausreichendes Potenzial, um diese Kraft zu speisen.
Eine ganz eigene Sicht des Blutes in der TCM
‚Blut ist ein ganz besonderer Saft‘ so sagt es schon Mephisto bei Goethe. Auch wir verbinden heutzutage noch das Blut mit anderen Vorstellungen als lediglich einem Träger von Nähr- Botenstoffen und Sauerstoff/Kohlendioxid. Wir sprechen vom ‚Herzblut‘, wenn uns etwas besonders am Herzen liegt. Im Katholizismus wird Wein zum Blut Christi. Es gibt Blutsverwandte und Blutsbrüder. Das Blut galt schon bei den alten Griechen als Sitz der Seele. So auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin, denn danach ‚wohnt‘ in der Leber die Persönlichkeitsseele Hun. Nachts soll diese Seele übrigens traumlos schlafen (in der Leber!), um sich tagsüber in einem klaren, wachen Bewusstsein bemerkbar zu machen.
Blut wird in der Leber und in den Muskeln gespeichert – das sind tatsächlich die blutreichsten Gewebe im Körper! Die Leber ist dann die zentrale Verteilungsinstanz, sie ‚lebt‘ dabei von Anspannung und Entspannung. Wenn irgendein von ihr versorgter Körperbereich unter Dauer-Anspannung steht, ist die Blutversorgung gefährdet. Das Gewebe wird ‚blutleer‘ – aber nicht, weil insgesamt zu wenig Blut da ist. Das kann zwar auch vorkommen z.B. bei sehr starken Menstruationsblutungen oder auch bei Fehlernährung, wenn zu wenig Eisen und Vit. B12 aufgenommen werden. Das wäre dann ein absoluter Blut-Mangel, der mit einer Blutuntersuchung (Hämoglobin, Eisen, Ferritin) nachgewiesen werden kann. Der relative (leberbedingte) Blutmangel ist aus TCM-Sicht relativ, er ist verursacht durch jahre-jahrzehntelange Dauerspannung und somit einer Minderversorgung von den Geweben, die besonders mit der Leber zu tun haben:

– Muskeln
– Haare
– Finger- und Fussnägel
– Augen

Bei Migräne kann aus Sicht der TCM häufig die Leber die Augen und Muskeln nicht ausreichend mit Blut versorgen, es kommt dann vor allem zu Wind-Symptomen. ‚Wind‘ ist ein Begriff in der TCM, der die Wahrnehmung nicht vorhandener Phänomene bezeichnet – also Kribbeln auf der Haut, Zuckungen, Lichtblitze, Fehler im Sehfeld, Drehschwindel, auch Ohrgeräusche und generell sich rasch verändernde, nicht fassbare Symptome. Die therapeutische Lösung: den Teufelskreis durchbrechen, indem die Leber gestützt und harmonisiert wird. Der Schlüssel hierfür in der Selbstbehandlung und somit der längerfristigen Prophylaxe ist es ein Gleichgewicht zu finden zwischen Anspannung und Entspannung.

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