Archiv der Kategorie: Literatur

Das Fremde – Gedanken zu Ost und West

Seit vielleicht 200 Jahren, seit dem Zeitalter von Aufklärung und den Philosophen Kant und Hegel ist der Mensch nicht mehr -wie Jahrtausende zuvor- dem Wohlwollen Gottes oder (im Altertum, Mittelalter und außerhalb des ‚Abendlandes‘) der Götter überlassen. Der Mensch bei uns heutzutage ist sich selber und seiner Ratio anvertraut. Vor allem bei der Konfrontation mit Krankheit, Tod und emotionalen Turbulenzen – steht er ohne Strategien im Leben. Und er begibt sich auf die Suche nach Lösungsmöglichkeiten.

Der Suchende verlässt sein in Jahrzehnten und eigentlich seit Generationen angestammtes und zutiefst verinnerlichtes Umfeld. Er sucht die Lösung ausserhalb des Vertrauten, Gewohnten und gleichzeitig Enttäuschenden. Das war schon immer so: Die Suche nach dem Paradies des Christentums oder nach den ‚Inseln der Seeligen‘ des Daoismus trieb die nach Erlösung strebenden Menschen in die Ferne. Die Fremdheit bedeutete den Bruch mit dem Vertrauten und gleichzeitig auch Verhassten, die Ablösung von der Gemengelage von Sicherheit und Angst, den Konflikten zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Aber gleichzeitig führt die Auseinandersetzung mit dem Fremden auch zu den Grenzen der bisherigen eigenen Wahrnehmung. Es führt zur Infragestellung von Selbstverständlichkeiten und alltäglichen Ritualen. Denkmuster und Wertekategorien werden überdacht, Weltmodelle stürzen zusammen. Nicht selten ist auch das wieder nicht nur ein wichtiger Motor auf der Suche nach Sicherheit und Fortschritt, sondern auch ein Auslöser von existenzieller Unsicherheit und von Ängsten, die zu Hass und Vernichtungsdrang des Andersartigen führen. Somit ist in der Gegenüberstellung des Fremden die genutzte Ratio nurmehr unzureichend, ist sie doch erwachsen aus den Erklärungsmodellen der gewohnten eigenen Welt. Das Irrationale hingegen wächst ins Unvorstellbare und kann so beides bewirken – Angst und Erlösung von Angst.

Denn das Fremde bietet unermesslich grossen Raum. Eine andere Kultur, eine andere Sprache, eine andere Religion – alles ist völlig neu, und der Suchende findet in diesem bis dahin nicht gekannten Konglomerat von Impulsen das, was er braucht. Die Wahrnehmung des Fremden in der Fremde durch den Fremden ist nicht geschult, sie ist selektiv durch die Lücken geprägt, die die bisherige Erfahrung in der vertrauten Welt hinterlassen hat. Es ist nicht relevant, wie umfangreich und komplex die Kenntnisse des Neuen und Fremden sind. Im Gegenteil: die notwendigerweise nur partielle Kenntnis der Hintergründe und des Kontextes fremden Denkens birgt ungleich mehr Spielraum für Lösungs- und Heilskonzepte, die an die eigenen Defizite angepasst werden können.

Der Ferne Osten ist fern und fremd genug, um diesen Ansprüchen nach angemessener Distanz zum Eigenen zu genügen. Ex oriente lux – das Licht kommt aus dem Orient – dieses Schlagwort spiegelt in seinem Verweis auf die aufgehende Sonne gleichzeitig den Beginn des Tages wie des Lebens, die Helligkeit nach der dunklen Nacht und den Beginn an sich wider. Das Paradies wurde seit Jahrhunderten im unzugänglichen, durch Berge und Wüsten geschützten Osten lokalisiert, die Altäre wurden nach Osten hin ausgerichtet. Der tibetische Buddhismus übt eine gewaltige Anziehungskraft aus auf westliche Menschen, aus Asien stammende Embleme werden hemmungslos vermarktet, von den ‚Fünf Tibetern‘ bis zu Fertigsuppen mit der yinyang-Monade.

Die Schilddrüse – ein ganz besondere Steuerzentrum

Seit Jahrzehnten werden Entzündungen, Veränderungen oder Funktionsstörungen der Schilddrüse mit Medikamenten wie L-Thyroxin behandelt. Meist Frauen, Millionen schlucken in Deutschland täglich diese hochwirksamen Hormone. Die langfristig auch erhebliche Nebenwirkungen haben, vor allem aber in ein hochsensibles, fein ausgesteuertes Netzwerk von Hormonen eingreifen.
Nun wurde im unabhängigen “arznei-telegramm” von einer fundierten Studie berichtet: Hintergrund ist, dass bei vielen Menschen einzig und allein auf Grundlage eines erhöhten TSH-Wertes (ein Steuer-Hormon für die Schilddrüse) davon ausgegangen wird, dass Schilddrüsen-Hormone eingenommen werden müssen. Eine Studie mit älteren Patienten ergab nun, dass durch die L-Thyroxin-Einnahme weder ein Einfluss auf Müdigkeit, Lebensqualität und auch Sterblichkeit war definitiv nicht zu beobachten. Die Ergebnisse sprachen eindeutig dagegen, lediglich aufgrund des TSH-Wertes die Schilddrüsen-Hormone eingenommen werden müssen. Auch schulmedizinisch müssen in jedem Fall noch andere Laborwerte hinzugezogen werden – behandeln lassen sich Schilddrüsenunter- und überfunktion übrigens dann sehr gut mit den Methoden der TCM, mit chinesischen Kräutern und Akupunktur. Mehr darüber in meinem kleinen Ratgeber-Büchlein, das ich gerade zusammen mit V.Haslauer geschrieben habe: https://www.naturmed.de/tcmakupunktur/patientenratgeber/einfuehrungsliteratur/27173/hashimoto-ratgeber-traditionelle-chinesische-medizin

Neues Buch: Hashimoto-Ratgeber, eine Leseprobe….

Im Mai erscheint im Verlag Müller&Steinicke, München, mein neues Buch, das ich mit Unterstützung von Frau Haslauer geschrieben habe- ein Ratgeber zum Thema ‚Hashimoto und TCM‘. Hier eine kleine Leseprobe mit Überlegungen zur Selbstbehandlung:

Hashimoto und Schilddrüsen-Unterfunktion: Der Umsatz und die Bilanz

Wenn wir uns nun einmal kurz von den ganzen inneren Vorgängen ‚frei machen‘, von den Hormonen und Nerven, und den ganzen Menschen als eine Einheit betrachten, haben wir ein ganzes, in sich geschlossenes System vor uns und in uns, in dem Defizite und Überschüsse eigentlich wunderbar ausgeglichen werden können. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis kommt es , vielleicht nach einer kurzen Überfunktionsphase bei Krankheitsbeginn, zu Symptomen einer Unterfunktion: der Stoffwechsel verlangsamt sich, Gewichtszunahme, die Körpertemperatur ist niedrig, grosses Schlafbedürfnis, schlechte Stimmung – um nur einige der schon oben aufgeführten Zeichen zu nennen. Sicher erscheint die schulmedizinische Möglichkeit, mit L-Thyroxin dieses Steuerungsorgan wieder ‚auf Trab‘ zu bringen, vordergründig logisch und konsequent. Aber unser exzellentes Mensch-System verfügt auch über andere Möglichkeiten dazu – die dann aber auch wieder dazu führen können, dass die Schilddrüse wieder ausreichend funktioniert. Das Hormon-System ist keine Einbahnstrasse!

Körperliche Aktivität

Halten wir uns kurz vor Augen: neben dem Gehirn sind die wichtigsten Energieverbraucher und Kurzzeit-Speicher die Muskeln. Und damit meine ich nicht nur die Kaumuskeln, den unermüdlichen Herzmuskel und den ebenfalls rastlosen Zwerchfellmuskel. Vor allem die Skelettmuskulatur an Beinen, Gesäss, Rücken und Armen braucht viel Sauerstoff und Brennmaterialien, also Kalorien. Muskeln verbrennen schon im Ruhezustand 30x mehr Energie als Fett! Nach dem Sport hält die zusätzliche Verbrennungstätigkeit bis zu 14 Stunden unmittelbar an. Die Körpertemperatur erhöht sich dadurch, nicht nur durch den ‚Brennvorgang‘, sondern auch durch Reibung, Zug und Druck. Gleichzeitig wird vom gesamten Organismus über die Lungen mehr Sauerstoff aufgenommen. Der direkte Effekt von körperlicher Aktivität auf den Energieaufwand ist eher gering, wenn man ihn im Kontext des gesamten täglichen Energiebedarfs sieht. Tierversuche zeigten, dass einzelne Übungen und längerfristiges Training den Grundumsatz steigern können. Ausdauer-Training führte zu einem erhöhten Grundumsatz im Zusammenhang mit vermehrtem Muskelaufbau. Extremes kurzzeitiges Training zeigt dagegen genau das Gegenteil – vermutlich überwiegt in diesen Fällen eher der Stress und der Körper ist noch nicht angepasst.

Stoffwechsel steigern

Unser Grundumsatz ist die Energiemenge, die der Körper bei Bettruhe erzeugt, um seine Lebensfunktion aufrecht zu erhalten. Er beträgt bis zu 70% des gesamten Energieverbrauchs, ist aber abhängig von Körpergrösse, Geschlecht, Alter, Körpergewicht, vor allem von der Muskelmasse. Frauen haben einen geringeren Grundumsatz (ca. 200 kcal pro Tag weniger) als Männer. Jedoch schon spontane Aktivität wie die Aufrechterhaltung einer gewissen Körperspannung und gelegentliches Zappeln können zusätzlich 100-800 kcal pro Tag verbrauchen.
Wollen wir nun den Stoffwechsel in Gang bringen, müssen wir durch regelmässige Beanspruchung des Körpers (=Leistungsumsatz) den Grundumsatz ankurbeln. Das dauert eine Weile, aber so lässt sich auch längerfristig die Energieverbrennung erhöhen! Körperliche Bewegung führt über die Beanspruchung und den Aufbau von Muskeln (und ihrer kleinen Energiekraftwerke, den Mitochondrien) zu vermehrter Verbrennung, zu maximaler Sauerstoffaufnahme und dies dann wieder zu einer allgemein verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit. Das Körperfett wird reduziert, wobei wenige längere sportliche Aktivitäten (mit mässigem Ausdauertraining) mehr Körperfett verbrennen als mehrere kurze Übungen. Das ist wichtig, wenn Sie beim Sport Pausen einlegen!
Körperliche Aktivität bewirkt auch dauerhaft eine Senkung des Blutzuckerspiegels: die Muskeln verbrauchen Glukose und bewirken längerfristig eine Senkung der Insulinresistenz, der Hauptursache für den Diabetes II. Probleme mit Insulinresistenz gelten nun auch als treibende Kraft bei der Entstehung von Hashimoto. Insulin hilft normalerweise dabei Zucker in die Zellen zu bringen. Bei einer Insulinresistenz blockieren die Zellen Insulin, wenn zu viel Zucker da ist. Symptome sind Müdigkeit nach dem Essen, vor allem nach Kohlenhydraten, vermehrtes Bauchfett und Schlaflosigkeit. Insulinresistenz vermindert die Schilddrüsenfunktion, begünstigt aber auch die Schlafapnoe, Hormonprobleme (PCO-Syndrom) und Fettleibigkeit. Es ist erwiesen, dass regelmässiges körperliches Training wie z.B. durch Aerobic die Insulinsensitivität verbessert, und die Zellen besser auf das Insulin reagieren. Zudem hat eine Studie, die in Neuroendocrinology Letters 2005 herausgegeben wurde, gezeigt, dass maximales Aerobic-Training den Spiegel von T4, T3 und TSH erhöht.
Wir sprechen hier nicht über die vielen anderen positiven Auswirkungen von Sport auf nahezu alle Bereiche unseres Körpers- das würde den Rahmen dieses Büchleins sprengen. Wohl aber über die Auswirkungen auf den sonst von der Schilddrüse gesteuerten Stoffwechsel und Metabolismus.
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Neue Bücher von A. Noll: Ratgeber Verdauungsstörungen

Nicht immer ist für unsere Verdauung und Stoffwechsel entscheidend, was wir essen und trinken: Ist doch es doch sehr leistungs- und auch anpassungsfähig, was der Körper des Menschen von Mund bis zum Anus mit der aufgenommenen Nahrung bewerkstelligen kann. Von Stufe zu Stufe wird das Essen zerkleinert, aufbereitet, umgewandelt und die Reste schließlich ausgeschieden. Das Ziel dieses überaus komplexen Prozesses ist es, lebensnotwendiges Qi zu gewinnen, um sowohl die Baustoffe als auch ausreichende Betriebsenergie zu gewährleisten. Innere und äußere Faktoren können förderlich oder störend wirken: Emotionen können blockieren – wie z.B. unterdrückte Wut oder auch das Qi und somit den Darminhalt absacken lassen wie die Angst.
Unverdauliches Essen verursacht Durchfall und Zucker, Pizza oder Alkohol erhitzen den Magen und begünstigen den sauren Reflux.
Die moderne westliche Medizin kann scheinbar gut etwas dagegen tun- Magensäure wird blockiert, und schon brennt nichts mehr. Dass dieses symptomatische Vorgehen Konsequenzen z.B. für den Darm und für die Aufnahme lebensnotwendiger Energien (Mineralien z.B.) haben kann, wird ignoriert. Das enge Zusammenspiel der inneren Organe ist zwar bekannt, wird aber in der Praxis kaum berücksichtig.
Anders die Traditionelle Chinesische Medizin: Das Netzwerk der Energieproduktion und ihrer Verteilung durch den gesamten Körper kann durch Ernährungs- und Lebensweise, vor allem aber durch einen achtsamen Umgang mit dem eigentlich sorgfältig abgestimmten ‚System Mensch‘ unterstützt werden.
In diesem kleinen Büchlein finden Sie Ratschläge und Tipps, Tabellen und Checklisten, die Ihnen dabei helfen in Harmonie und Wohlbefinden zu kommen.

Erscheint im Verlag Müller & Steinicke – Andreas A. Noll

Fragen und Antworten zum Burnout – ein Buchbeitrag

Was aus Ihrer Sicht sollte ein Mensch wissen, um wieder aus dem Zustand völliger Erschöpfung herauszukommen, bzw diesem Zustand vorbeugen zu können?
Erschöpfung bedeutet, dass jemand lange Zeit seine Energien verausgabt hat. Getrieben durch Sehnsüchte, Ansprüche und soziale Vorgaben ist das Augenmerk auf die Realisierung dieser Vorstellungen gerichtet- nach aussen. Zu wenig wird auf ‚Input‘ geachtet. Die Beachtung jedem geläufiger, scheinbar banaler Wahrheiten wie ‚keine Bewegung ohne Ruhe‘ werden – wenn überhaupt-auf die Zukunft verschoben. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) geht von einem umfassenden Lebenskonzept aus, das die Einheit des Menschen mit sich selbst und mit der Um-/Mitwelt als Idealzustand postuliert. Getrieben wird der Mensch über die Seele und den Geist, über seine Vorstellungen. Spürbar sind die positiven und negativen Auswirkungen dieser Ambitionen aber stets nur über den Körper: Druck (von innen oder aussen) erzeugt Druck-Gefühle, sei es im Kopf, in den Muskeln oder im Bauch; Grübeln schlägt auf die Verdauung und Ängste ziehen den Boden unter den Füssen weg- machen schwindelig und auch körperlich instabil. Wie auch in unserem Sprachgebrauch werden in der TCM den Gefühlen im positiven wie negativen Sinne Organbilder zugeschrieben: Angst geht an die Nieren, Wut an die Leber und bei Freude sind wir mit vollem Herzen bei der Sache. Bei einer Verausgabung und Erschöpfung können dann tatsächlich nicht nur gefühlt – wie häufig jahrelang möglich-, sondern organisch und somit substantiell diese Organfunktionen gestört werden. Das ist dann spätestens der Zeitpunkt, wenn Herzrasen, Magenbeschwerden oder Durchfälle das reibungslose Funktionieren im modernen Alltag unmöglich machen. ‚Burnout‘ heisst, dass die energetischen und substantiellen Reserven der Lebensenergie Qi erschöpft sind.

Welche Verhaltensempfehlungen sind dazu hilfreich aus Ihrem Wissen um die TCM ?
Das im alten konfuzianischen China postulierte ‚Masshalten‘ wird in der akuten Erschöpfungs-Situation den heutigen ‚ausgebrannten‘ Menschen vielleicht schlüssig und befolgenswert erscheinen. Sobald der Energiehaushalt aber es wieder zulässt, fällt er/sie wieder in die vertrauten Muster. Die TCM geht jedoch nicht von einem einfachen Leere-Fülle-Konzept aus, sondern von einer wechselseitigen Bedingung: eine Leere (Leeregefühle, Müdigkeit, geringes Selbstwertgefühl z.B.) kann der Antrieb für möglicherweise erfüllende Aktivitäten bedeuten. Aber auch die völlige Verausgabung. Die Lösung ist in der Balance, dem Ausgleich scheinbar entgegengesetzter Bewegungen. Vielfach auch banale Erkenntnisse: Wer zu viel im Kopf hat, muss etwas mit dem Körper tun. Wer extrovertiert sein muss, sollte sich Zeit für das Innenleben nehmen. Wer sehr kommunikativ ist, sollte den Segen der Einsamkeit kennenlernen.

Welche Tagesroutine-bzw. Lebensstiländerung sind aus dem Wissen der TCM hilfreich um Burnout zu verhindern, bzw. wieder daraus zu regenerieren?
Etwas anderes zu tun als das tägliche ‚Muss‘ ist keine Verschwendung, sondern schafft Kapazitäten für Neues. Dies schafft erst die Leere, die wieder durch mehr Kraft und Ideen gefüllt werden kann. Erst der erfrischende Schlaf bringt die Power für den folgenden Tag. Dieses Gefühl zu bekommen für die eigentlich unausweichliche Wechselhaftigkeit unseres Daseins, eines Auf und Ab von Ruhe und Bewegung, auch von Wohlbefinden und gelegentlichen körperlichen wie seelischen Turbulenzen – dies ist ein grosser Gewinn auch für die Schaffenskraft eines modernen Menschen.

Welche Ernährungshinweise, welche Nahrungsmittelergänzungen, empfiehlt die TCM?
Eigentlich ist die alte chinesische Heilkunde eine zutiefst ökologisch orientiertes Gesundheitssystem: Gesund ist, wenn der Mensch im Einklang mit sich selbst, mit der Natur und dem gesamten Kosmos lebt. Das schliesst nicht nur die Beachtung der zeitlichen Rhythmen von Tages- bis Jahreszeiten ein. Sondern auch die Ernährung. Erdbeeren im Januar und Äpfel im Juni – das ist nicht nur in der ökologischen Bilanz unangebracht. Soweit das äussere Angebot. Essen sollen wir darüber hinaus das, was schmeckt, satt macht und uns bekommt. Letzteres ist das Wichtigste, nicht abstrakte, allzusehr verallgemeinernde ‚Ernährungslehren‘. Das morgendliche Müsli kann nicht das Gesündeste sein, wenn man sich im Büro mit Blähungen herumquälen muss. Der populäre Verzicht auf tierisches Eiweiss führt zu Kälte- und Schwächegefühlen, wenn man nicht sehr aufmerksam diese Defizite auffüllt. Die Verdauung von Rohkost kostet dem Magen und Darm viel Energie, also sollte man eher gekochtes Gemüse essen, wenn sowieso Kältegefühle lästig sind. Nahrungsmittelergänzungen sollten tatsächlich nachgewiesenen Defiziten vorbehalten sein, wenn diese nicht durch eine angepasste ausgewogene Ernährung ausgeglichen werden können. Das tägliche Essen ist ausserdem weitaus mehr als Materialzufuhr- es ist ein gefühlvolles, auch soziales Ereignis.

An welchen Plätzen zu welcher Tages, Jahreszeit ist was zu tun am hilfreichsten?
Bewegung ist das Wichtigste für uns moderne ‚kopflastige‘ Menschen. Welche Art und Intensität ist abhängig vom Level der Lebensenergie Qi: Ist das Qi kraftvoll, aber blockiert (Stichwort: Frust, Anspannung), dann sind längerdauernde, durchaus auch langweilige Bewegungsarten sinnvoll, von Spazierengehen bis Joggen – aber nicht leistungs-, sondern zeitorientiert, also 3-4x/Woche jeweils 30-60 Minuten. Ist der Erschöpfungszustand da, so sind Yoga oder Qigong sinnvoll. Mit diesen Übungen wird die Energie eher bewahrt. Von den Tageszeiten her ist der Abend sicherlich am wenigsten sinnvoll für anstrengende Tätigkeiten- ebenso wie die Mittagszeit. In der TCM geht man von einer ‚Organuhr‘ aus, nach der wie auch in der Chronobiologie nachgewiesen, die Körper-und Geistesfunktionen im 24-Stunden-Rhythmus ihre Hoch- und Tiefzeiten haben. So ist von 7-9 Uhr der Magen optimal aufnahmefähig – das gut verdauliche Frühstück sollte immer möglich sein für den Start in den Tag! Was die Jahreszeiten betrifft, so ist der Frühling und Herbst für Bewegung/Sport am Besten, der Sommer für Kommunikation und Gesellschaft und der Winter für das behagliche ‚Baumeln der lieben Seele‘.

Welche inneren Gedanken Heilsätze Einstellungsänderungen wurden schon vor Jahrtausenden ausgebrannten Menschen im antiken China empfohlen?

Zhuang Zi:
‚Das Wirken der Natur zu kennen , und zu erkennen, in welcher Beziehung das menschliche Wirken dazu stehen muss: das ist das Ziel. Die Erkenntnis des Wirkens der Natur wird durch die Natur erzeugt, und die Erkenntnis des (naturgemässen) menschlichen Wirkens wird dadurch erlangt, dass man das Erkennbare erkennt und das, was dem Erkennen unzugänglich ist, dankbar geniesst. Seines Lebens Jahre zu vollenden und nicht auf halbem Wege eines frühen Todes zu sterben: das ist die Fülle der Erkenntnis…‘

‚Was ist unter einem wahrhaftigen Menschen zu verstehen?…
Die wahrhaftigen Menschen des Altertums hatten während des Schlafens keine Träume und beim Erwachen verspürten sie keine Angst. Ihre Speise war einfach, ihr Atem tief…Die wahrhaftigem Menschen der Vorzeit kannten nicht den Hang zum Leben und nicht die Abscheu vor dem Sterben. Ihr Hervortreten (in die Welt der Körperlichkeit) bereitete ihnen keine Freude, ihr Wiedereintritt (in die Welt gestaltlosen Daseins) vollzog sich ohne Widerstreben. Gelassen gingen sie, gelassen kamen sie. Sie vergassen ihren Ursprung nicht und strebten auch ihrem Ende nicht zu; sie nahmen ihr Schicksal hin und freuten sich darüber, und (des Todes) vergessend kehrten sie (ins Jenseits) zurück…
Tod und Leben ist Schicksal; dass es ewig ist wie Tag und Nacht, liegt in der Natur begründet; dass es Grenzen gibt, die man nicht überschreiten kann, beruht auf den allgemeinen Verhältnissen, in denen die Geschöpfe sich befinden.‘

Was sind die aus IHRER persönlichen Behandlungserfahrung die bewährtesten Empfehlungen, IHRE persönlichen TOP TEN um Burnout kompetent zu behandeln, die Sie gerne an andere Helfende weitergeben möchten um sie Betroffenen empfehlen zu können

Ruhe und Bewegung
Wir leben in einer Zeit, in der Bewegung und Veränderung der vermeintlich alles entscheidende Wert ist. Und so ist auch das persönliche Leben geprägt vom Weiterkommen, Entwicklung und Veränderung. Ein Leben, das irgendwann zur Verausgabung führen kann. Gönnen Sie sich daher auch mal ein wenig völlig unproduktive Langeweile! Das gilt auch für die faulen Abende auf dem Sofa- nicht jeden Tag ist das Fitnessstudio oder die Joggingstrecke angebracht. Yin und Yang – der Mensch braucht Ruhe und Bewegung.

Übermass und Mittelmass
Jegliche Form an Exzessivität erschöpft die Reserven. Genüsse und Leidenschaften, Sport oder Faulenzerei, zuviel Sex oder zuviel Arbeiten…aber Sie wissen ja sicher aus eigener Erfahrung, dass einem Hoch immer ein Tief folgt!

Ein jedes Ding hat seine Zeit….
…so heisst es schon im Alten Testament. Sie wurden irgendwann geboren und sterben irgendwann. Der Zeitpunkt liegt irgendwann in der Zukunft und ist nicht sicher. Vielleicht morgen, oder in 50 Jahren. Sie können nichts daran ändern. Auch die Vergangenheit ist nicht mehr beeinflussbar. Also bleibt nur eines – leben Sie das jetzige, heutige Leben mit Bewusstheit und Klarheit. Und seien sich auch bewusst darüber, dass das heutige Leben und Verhalten die Wurzel für das Morgen ist!

Wichtigkeiten
Erst der Tod eines lieben Angehörigen oder Freundes macht häufig klar, was im Leben tatsächlich wichtig ist. Oder auch die eigene Krankheit. Ein gefülltes Bankkonto mag schön sein, aber es hilft nur selten, wenn Schmerzen in Körper und Seele das Leben in jeder Sekunde zur Hölle machen. Wie wohltuend ist es dann für diesen Körper und diese Seele, wenn Freunde und Verwandte trösten, da sind und mit fühlen.

Ändert es eigentlich irgendetwas, wenn SIE sich ärgern?
Hass, Wut und Groll mögen manchmal ihre Berechtigung haben, aber diese Gefühle empfindet man selber – die anderen interessiert es meist nicht – denn sie wissen nichts davon. Aber im eigenen Körper schmerzt die zerstörerische, nagende Kraft dieser nicht ausgedrückten Emotionen.

Sie sind in Ordnung!
Aussenwirkung – wer bin ich und was will ich darstellen- seien Sie einfach echt! Sie sind auf diese Welt gekommen und haben sich zu einem einmaligen Wesen entwickelt, zu einer einzigartigen Persönlichkeit. Niemand sonst ist so wie Sie! Respektieren Sie sich deshalb, seien Sie stolz auf Ihre Einmaligkeit und erfreuen Sie sich wiederum an der Einmaligkeit der Menschen, die Sie umgeben. Und – Sie wissen es ganz genau!- Sie selber haben Ihre Ecken und Schrullen – gönnen Sie sie auch den anderen Menschen!

Achten Sie auf sich!
Das Fatale ist ja, dass man den Körper erst dann wahrnimmt, wenn er sich in gesundheitlichen Störungen bemerkbar macht. Wenn alles reibungslos funktioniert, wenn die Lebensenergie Qi frei durch alle Meridiane fliesst, dann ist man gesund. Also horchen Sie bei aller Wichtigkeit der Aussenwelt gelegentlich in sich hinein – dann können Sie vielleicht schon etwas für sich tun, bevor die Krankheit da ist! Nicht selten stellen manche geschäftigen Menschen voller Erstaunen erst dann fest, dass sie einen Körper haben, wenn das Blaulicht vor der Tür blinkt.

Rechtzeitig Unterstützung suchen
Wenn Sie nicht mehr weiterkommen, wenn Sie sich alleine nicht mehr helfen können, scheuen Sie nicht den rechtzeitigen Weg zum Therapeuten. Je früher er mit den verschiedenen nun gleich beschriebenen Techniken kleine und gezielte Anstösse an Ihr Qi-System geben kann, desto schneller erlangen Sie Ihr Gleichgewicht wieder zurück und können auf eigenen Beinen stehen!

(Andreas Noll :  dem Ratgeber TCM‘ entnommen)

Gesunder Darm – Gesunder Mensch- Die Colon-Hydro-Therapie

Die Colon-Hydro-Therapie

Ein Vortrag von Veronika Haslauer, Heilpraktikerin, Ethnologin

Die Colon-Hydro-Therapie (Dickdarmspülung) basiert auf dem seit der Antike bestehenden Gedanken, dass eine Vielzahl von Krankheiten ihren Ursprung im Darm hat. Unsere moderne Lebensweise führt zu einer Überlastung der Ausscheidungsorgane, insbesondere des Dickdarms. Gift- und Abfallstoffe werden nicht mehr genügend abgebaut und ausgeschieden, die Selbstvergiftung des Körpers folgt zwangsläufig. Die dadurch entstehenden Beschwerden reichen von einfachen Verdauungsproblemen, wie Verstopfung oder Blähungen, bis hin zu einer ständigen Müdigkeit, häufigen Infekten, Gelenkproblemen oder Hauterkrankungen. Die Spülung des Dickdarms mittels Wasser durch ein geschlossenes System befreit diesen sanft, geruchlos und sauber von den abgelagerten Stoffen, und verhilft dem Körper so zur Gesundung. Die Referentin Veronika Haslauer erklärt und beschreibt die Methode und ihre Wirkung

Veranstaltungsort:
Seminarraum im 1.OG
Datum / Uhrzeit:
06.10.2015, 18.30 Uhr

Ansprechpartner:
Ihr Team der Schützenapotheke
Schützenapotheke,Schützenstr. 5, 80335 München
Telefon 089 55 76 61
Telefax 080 55 72 27
info@schuetzenapotheke.com

Neue Bücher: Organbalance von Noll, A./ Hemm, D

(Jetzt schon in der 4. Auflage) Andreas Noll und Dagmar Hemm erklären uns in ihrem Buch die Organbalance, mit der die TCM den menschlichen Körper in fünf Organsysteme einteilt. Diesen werden verschiedene körperliche, geistige und emotionale Funktionen zugeordnet. Die Organsysteme sind den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zugeordnet. Beschwerden auf der physischen oder psychischen Ebene entstehen dann, wenn eines dieser Elemente überwiegt. Die Organbalance führt kurz und einfach in die Grundlagen der TCM, der Elemente und der Organsysteme ein. Andreas Noll und Dagmar Hemm bieten in ihrem Buch einen Test an, damit der Leser anhand von Symptomen bestimmen kann, welches seiner Organe gestört ist. Um das jeweilige Organsystem wieder in Balance zu bringen, geben die Autoren leicht durchführbare Hinweise für die richtige Lebensführung und zur Selbstbehandlung. Es werden Akupressur, Heilkräuter, Ernährung, Massagen, homöopathische Mittel sowie Schüssler-Salze genannt, welche eine natürliche Heilung fördern.

Weitere Bücher u.a. unter:
www.naturmed.de

 

Weitere Bücher von Andreas Noll:
Chinesische Medizin bei Fertilitätsstörungen,
http://www.naturmed.de/tcmakupunktur/klinische-praxis/gynaekologie/1303/chinesische-medizin-bei-fertilitaetsstoerungen

Die Organuhr
http://www.naturmed.de/tcmakupunktur/patientenratgeber/einfuehrungsliteratur/9156/die-organuhr?c=92

Patientenratgeber Traditionelle Chinesische Medizin,
http://www.naturmed.de/tcmakupunktur/patientenratgeber/einfuehrungsliteratur/19514/patientenratgeber-traditionelle-chinesische-medizin?c=92

Stresskrankheiten
http://www.naturmed.de/Stresskrankheiten_detail_15419_92.html

Chinese Medicine in Fertility Disorders
http://www.naturmed.de/Chinese-Medicine-in-Fertility-Disorders_detail_20382_92.html

Wandlungsphasen der Traditionellen Chinesischen Medizin Band 1-5, auch einzeln erhältlich:
http://www.naturmed.de/tcmakupunktur/grundlagen-der-tcm/5-elemente-buecher/3816/wandlungsphasen-der-traditionellen-chinesischen-medizin-band-1-5?c=92

TCM für 50+
http://www.naturmed.de/TCM-fuer-50_detail_20552_92.html

Kinderwunsch-Ratgeber Traditionelle Chinesische Medizin
http://www.naturmed.de/tcmakupunktur/patientenratgeber/einfuehrungsliteratur/19515/kinderwunsch-ratgeber-traditionelle-chinesische-medizin?c=92

Neue Bücher: TCM-Ratgeber Verdauungsstörungen

TCM-Ratgeber Verdauungsstörungen, wird im Herbst beim Verlag Müller & Steinicke erscheinen. Es geht in dem kleinen (Postkartenformat) Büchlein um den Weg der Nahrung, ihre Verarbeitung und Probleme von Blähungen über Reflux und Reizdarm bis zu Hämorrhoiden..
– Organuhr, Neubearbeitung, jetzt verfügbar
– Natürliche Familienplanung – Wege zum Wunschkind mit TCM/Naturheilkunde (zusammen mit Dr. C. Gnoth) – Frühjahr 2016

In Planung:
– Stresskrankheiten und TCM (Noll/Kirschbaum), Neubearbeitung, 2016
– Schilddrüse, Immunprobleme und TCM (Noll/Haslauer)

Aus der Forschung: Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit

Folgende chinesische Kräuter haben sich u.a. als sehr wirksam bei Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit erwiesen – so die alte chinesische Fachliteratur:

  • Shichangpu 石菖蒲 Acori graminei Rz
  • Danshen 丹參 Salviae miltiorrhizae Rx
  • Fuling 茯苓 Poria cocos Sclerotium
  • Fushen 茯神 Poria cocos Sclerotium w Pine Rx
  • Gancao 甘草 Glycyrrhizae uralensis / glabrae Rx
  • Lingzhi 灵芝 / Chizhi 赤芝 Ganoderma spp
  •  Longdancao 龙胆草 Gentianae scabrae Rx
  • Renshen 人参 Panacis ginseng Rx
  • Shanyao 山 药 / Shuyu 薯蓣 Dioscoreae Rx / Rz
  • Suanzaoren 酸 枣仁 Ziziphi spinosae S
  • Taozhi 桃枝 Pruni persicae Rml

…Schalotten und Koriander hingegen fördern die Vergesslichkeit- im Übermass genossen!

Von Reflux bis Reizdarm – TCM-Ratgeber Verdauung

Nicht immer ist für unsere Verdauung und Stoffwechsel entscheidend, was wir essen und trinken: Ist doch es doch sehr leistungs- und auch anpassungsfähig, was der Körper des Menschen von Mund bis zum Anus mit der aufgenommenen Nahrung bewerkstelligen kann. Von Stufe zu Stufe wird das Essen zerkleinert, aufbereitet, umgewandelt und die Reste schließlich ausgeschieden. Das Ziel dieses überaus komplexen Prozesses ist es, lebensnotwendiges Qi zu gewinnen, um sowohl die Baustoffe als auch ausreichende Betriebsenergie zu gewährleisten. Innere und äußere Faktoren können förderlich oder störend wirken: Emotionen können blockieren – wie z.B. unterdrückte Wut oder auch das Qi und somit den Darminhalt absacken lassen wie die Angst. Unverdauliches Essen verursacht Durchfall und Zucker, Pizza oder Alkohol erhitzen den Magen und begünstigen den sauren Reflux.
Die moderne westliche Medizin kann scheinbar gut etwas dagegen tun- Magensäure wird blockiert, und schon brennt nichts mehr. Daß dieses symptomatische Vorgehen Konsequenzen z.B. für den Darm und für die Aufnahme lebensnotwendiger Energien (Mineralien z.B.) haben kann, wird ignoriert. Das enge Zusammenspiel der inneren Organe ist zwar bekannt, wird aber in der Praxis kaum berücksichtigt.
Anders die Traditionelle Chinesische Medizin: Das Netzwerk der Energieproduktion und ihrer Verteilung durch den gesamten Körper kann durch Ernährungs- und Lebensweise, vor allem aber durch einen achtsamen Umgang mit dem eigentlich sorgfältig abgestimmten „System Mensch“ unterstützt werden.
In diesem kleinen Büchlein (erscheint im Herbst Verlag Müller & Steinicke ) finden Sie Ratschläge und Tipps, Tabellen und Checklisten, die Ihnen dabei helfen in Harmonie und Wohlbefinden zu kommen.