Archiv der Kategorie: Aus der Forschung

Aus der Forschung – aus dem Newsletter der SMS + interessante Links

Akupressur zur Reduzierung von Epiduralanästhesien und Kaiserschnitten

Australische Ärzte behandelten 176 Erstgebärende entweder mit den gängigen Massnahmen oder liessen sie zusätzlich dazu an einem zweitägigen Seminar zur Geburtsvorbereitung teilnehmen, in dem sie in sechs evidenzbasierten komplementärmedizinischen Techniken unterwiesen wurden (Akupressur nach Debra Betts´ Lehr-DVD “Acupressure for Natural Pain Relief in Labour”, Visualisierung/Entspannung, Atemübungen, Massage, Yoga und Partnerunterstützung). Ein signifikanter Unterschied zeigte sich in der Häufigkeit der Epiduralanästhesien; in der Akupressurgruppe waren sie nur bei 23,9 % der Teilnehmerinnen erforderlich, in der Kontrollgruppe bei 68,7 %. Ausserdem zeigte sich in der Akupressurgruppe eine Reduzierung medikamentöser und chirurgischer Unterstützung während der Wehen sowie in der Anzahl der Kaiserschnitte, in der Dauer der zweiten Geburtsphase, in der Häufigkeit von Dammrissen und in der Notwendigkeit, das Neugeborene zu reanimieren.
(Complementary therapies for labour and birth study: a randomised controlled trial of antenatal integrative medicine for pain management in labour, BMJ Open, 12. Juli 2016, 6(7), e010691)

Akupressur gegen Wehenschmerzen

Iranische Forscher behandelten 105 Erstgebärende in der aktiven Phase des ersten Stadiums der Wehen entweder mit Akupressur oder mit Standardmassnahmen. Die Akupressur erfolgte entweder auf IC4/Di4 (hegu) oder auf V32/Bl32 (ciliao). In beiden Akupressurgruppen war die Schmerzlinderung signifikant grösser als in der Kontrollgruppe, wobei die Akupressur auf V32/Bl32 (ciliao) wirksamer war als auf IC4/Di4 (hegu). Keine statistisch signifikanten Unterschiede zeigten sich in den Ergebnissen der Entbindung.
(Effect of L14 and BL32 acupressure on labor pain and delivery outcome in the first stage of labor in primparous women: A randomized controlled trial, Complement Ther Med, Dezember 2016, 29, 175-180)

Akupunktur zur Reduzierung leichter kognitiver Beeinträchtigung nach einem Schlaganfall

Chinesische Forscher behandelten 126 Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (LKB) nach einem ischämischen Schlaganfall entweder mit dem Vasodilatator Nimodipin oder sechsmal wöchentlich jeweils 30 Minuten lang mit Akupunktur oder mit Nimodipin und Akupunktur. Eingesetzt wurden insgesamt 12 Akupunkturpunkte: Rg20/LG20 (baihui), Ex 6/M-HN1 (si shencong), S2/Ma2 (sibai), F20/Gb20 (fengchi), IT4/Dü4 (wangu), V10/Bl10 (tianzhu), Rg26/LG26 (renzhong), C7/He7 (shenmen), Pc6/KS6 (neiguan), S40/Ma40 (fenglong), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao) und H3/Le3 (taichong). Die Behandlung erfolgte über einen Zeitraum von drei Monaten. Die kognitiven Werte verbesserten sich in der Nimodipin-Gruppe um 15,8 %, in der Akupunkturgruppe um 20,9 % und in der Kombigruppe um 30,2 %. Ein signifikant höherer Anteil in der Akupunkturgruppe (80 %) und in der Kombigruppe (90 %) erzielte eine mehr als zwölfprozentige Verbesserung der kognitiven Werte, während dies in der Nimodipin-Gruppe nur 56,4 % waren.
(Efficacy and safety assessment of acupuncture and nimodipine to treat mild cognitive impairment after cerebral infarction: a randomized controlled trial, BMC Complement Altern Med, 13. September 2016, 16, 361)

Akupunktur gegen Kniegelenksarthrose

Chinesische Forscher behandelten 50 Patienten mit Kniegelenksarthrose (KGA) entweder vier Wochen lang jeden zweiten Tag mit Akupunktur oder vier Wochen lang fünfmal wöchentlich mit Physiotherapie. Verwendet wurden die Akupunkturpunkte M-LE-27 (heding), L10/Mi10 (xuehai), L11/Mi11 (jimen), S34/Ma34 (liangqiu) und S36/Ma36 (zusanli) sowie Elektroakupunktur auf lateralem und medialem Ex23/MN-LE-16 (xiyan). In beiden Gruppen stellten sich signifikante Verbesserungen der KGA-Werte ein, wobei diese in der Akupunkturgruppe noch einmal signifikant höher waren als in der Physiotherapiegruppe. MRT-Untersuchungen ergaben ausserdem, dass sich nach der Akupunktur, aber nicht nach der Physiotherapie, die Hydratation und die biochemische Zusammensetzung des Knorpelgewebes verbessert hatten, was darauf hindeutet, dass Akupunktur die Regeneration von Knorpelgewebe fördern kann.
(Influence of acupuncture in treatment of knee osteoarthritis and cartilage repairing, Am J Transl Res, 15. September 2016, 8(9), 3995-4002)

Akupunktur gegen Verdauungsstörungen

Koreanische Forscher behandelten 76 Patienten mit Verdauungsstörungen entweder zweimal wöchentlich jeweils 15 Minuten lang mit Akupunktur oder setzten sie auf eine Warteliste. Verwendet wurden folgende Akupunkturpunkte: bilateral IC4/Di4 (hegu), S36/Ma36 (zusanli), H3/Le3 (taichong) und L4/MP4 (gongsun) sowie Rs12/KG12 (zhongwan). Bei speziellen Symptomen kamen zusätzlich zehn weitere Akupunkturpunkte zum Einsatz wie zum Beispiel Ex2/M-HN-9 (taiyang) bei Kopfschmerzen, F21/Gb21 (jianjing) und IT14/Dü14 (jian waishu) bei Schulterschmerzen und Pc6/KS6 (neiguan) bei Übelkeit und Erbrechen. Nach vier Wochen Behandlung wurde die Akupunktur eingestellt und in der Wartelistengruppe begonnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich in der Akupunkturgruppe eine signifikante Verbesserung der Symptome um 59 % eingestellt, während sie in der Kontrollgruppe nur 3 % betrug. Nach acht Wochen, nachdem auch die Kontrollgruppe vier Wochen lang behandelt worden war, waren keine Unterschiede mehr zwischen den beiden Gruppen festzustellen.
(Individualized Acupuncture for Symptom Relief in Functional Dyspepsia: A Randomized Controlled Trial, J Altern Complement Med, Dezember 2016, 22(12), 997-1006)

Akupunktur gegen Atemnot bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung

Chinesische Forscher behandelten 72 Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) acht Wochen lang dreimal wöchentlich zusätzlich zur Standardtherapie entweder mit Verum- oder Sham-Akupunktur. Verwendet wurden bilateral die Akupunkturpunkte P1/Lu1 (zhongfu), P9/Lu9 (taiyuan), S32/Ma32 (futu), S36/Ma36 (zusanli), IT4/Dü4 (wangu), V13/Bl13 (feishu), V20/Bl20 (pishu) und V23/Bl23 (shenshu). Am Ende der achtwöchigen Behandlungszeit waren in der Verum-Gruppe die in sechs Minuten zurückgelegte Gehstrecke sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität signifikant besser als in der Sham-Gruppe.
(Acupuncture for chronic obstructive pulmonary disease (COPD): A multicenter randomized, sham-controlled trial, Medicine (Baltimore), Oktober 2016, 95(40), e4879)

Akupunktur gegen Schmerzen bei Osteoporose

Deutsche Forscher behandelten 53 Patienten mit osteoporosebedingten Schmerzen in einem Zeitraum von fünf Wochen zehnmal mit Verum- oder Sham-Akupunktur. Die Verum-Akupunktur erfolgte mit tiefer Nadelung auf V23/Bl23 (shenshu), V25/Bl25 (dachangshu), V40/Bl40 (weizhong), V60/Bl60 (kunlun), F34/Gb34 (yanglingquan), R3/Ni3 (taixi) und Rg20/LG20 (baihui) sowie auf maximal fünf individuellen Ashi-Punkten (lokale Schmerzpunkte). Die Sham-Akupunktur erfolgte mit oberflächlicher Nadelung auf Nichtakupunkturpunkten, die mindestens 5 Zentimeter von den Verum-Punkten entfernt waren. In beiden Gruppen stellte sich ein signifikanter Rückgang der Schmerzen bei Aktivität sowie in Ruhe ein. Bei der Reduzierung der Schmerzen in Ruhe stellte sich in der Verum-Gruppe ein signifikant besseres Ergebnis ein als in der Sham-Gruppe. Die Verbesserungen der Lebensqualität waren in der Verum-Gruppe auch drei Monate nach Behandlungsende noch signifikant, während sie in der Sham-Gruppe rasch nachliessen.
(Effects of acupuncture on quality of life and pain in patients with osteoporosis – a pilot randomized controlled trial, Arch Osteoporos, Dezember 2016, 11(1), 34)

Akupunktur verstärkt antidepressive Wirkungen durch Verbesserung der Hirnkonnektivität

Chinesische, koreanische und amerikanische Forscher behandelten 46 Frauen mit Depressionen acht Wochen lang entweder mit Verum-Akupunktur und Fluoxetin oder mit Sham-Akupunktur und Fluoxetin. Die Akupunktur erfolgte in den ersten drei Tagen täglich, in den restlichen acht Wochen alle drei Tage. Verwendet wurden die Punkte Rs12/KG12 (zhongwan), Rs10/KG10 (xiawan), Rs6/KG6 (qihai), Rs4/KG4 (guanyuan), R17/Ni17 (shangqu), S24/Ma24 (huaroumen) (bilateral) und nur die zwei unteren Punkte von M-CA-23 (qipang/sanjiaojiu). Bei der Sham-Akupunktur wurden Führungsröhrchen ohne Nadeln auf die Punkte gedrückt. FMRT-Messungen im Ruhezustand wurden vor der ersten und nach der letzten Behandlung vorgenommen. Dabei ergab sich in der Verum-Gruppe eine stärkere klinische Verbesserung als in der Sham-Gruppe. Diese Verbesserung wurde in der Verum-Gruppe mit der erhöhten funktionellen Ruhezustandskonnektivität zwischen Amygdala und dem vorderen Gyrus cinguli in Verbindung gebracht.
(Repeated acupuncture treatments modulate amygdala resting state functional connectivity of depressive patients, Neuroimage Clin, 27. Juli 2016, 12, 746-752)
Dieselben Forscher stellten auch fest, dass die Akupunktur in derselben Patientengruppe eine positive Wirkung auf die Motivation/Belohnung-Schaltung im Hirn hatte. Die erhöhte funktionelle Ruhezustandskonnektivität zwischen Striatum und medialem präfrontalem Cortex infolge der Akupunktur wurde signifikant positiv mit der Abnahme der klinischen Depressionswerte in Verbindung gebracht.
(Acupuncture treatment modulates the corticostriatal reward circuitry in major depressive disorder, J Psychiatr Res, Januar 2017, 84, 18-26)

Moxibustion bei Chronischem Erschöpfungssyndrom wirksamer als Akupunktur

Chinesische und österreichische Forscher behandelten 30 Patienten mit Chronischem Erschöpfungssyndrom (CES) jeden zweiten Tag insgesamt zehnmal entweder mit Akupunktur oder mit indirekter Moxibustion auf den Punkten S36/Ma36 (zusanli) und Rs4/KG4 (guanyuan). Ausserdem wurde eine Kontrollgruppe mit 15 gesunden Versuchspersonen an den gleichen Punkten mit Akupunktur behandelt. Nach der vierten und zehnten Behandlung gingen die Erschöpfungswerte in allen drei Gruppen zurück, in der Moxibustiongruppe jedoch stärker als in den Akupunkturgruppen. Obwohl auch die gesunden Teilnehmer von der Behandlung profitierten, ging die Erschöpfung bei den CES-Patienten stärker zurück. Die Änderungen der Aktivität des vegetativen Nervensystems wurden anhand der Herzfrequenzvariabilität (HFV) gemessen. Dabei zeigte sich, dass die Akupunktur besser sofortige Veränderungen der HFV bewirken konnte, aber eine bessere Langzeitwirkung liess sich mit Moxibustion erzielen. Daraus zogen die Autoren den Schluss, dass der Wirkmechanismus beider Therapien die Modulation des vegetativen Nervensystems mittels einer Aktivierung des Nervus vagus sein dürfte.
(Acupuncture and Moxibustion have Different Effects on Fatigue by regulating the Autonomic Nervous System: A Pilot Controlled Clinical Trial, Akupunktur & Aurikulomedizin, Dezember 2016, 42(4), 11)

Akupunktur auf H3/Le3 (taichong) senkt Blutdruck durch Einwirkung auf neuronales Netz, das an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt ist

Chinesische Forscher behandelten 30 Patienten mit Bluthochdruck entweder mit Verum-Akupunktur auf H3/Le3 (taichong) oder mit Sham-Akupunktur auf einem Nichtakupunkturpunkt am Oberschenkel. Zu signifikanten Veränderungen des systolischen Blutdrucks kam es nur in der Verum-Gruppe. Die Auswertung von fMRT-Aufnahmen ergab, dass Akupunktur auf H3/Le3 (taichong) speziell die Aktivität im für die Verarbeitung von Emotionen zuständigen Frontallappen erhöht sowie die Konnektivität zwischen Bereichen in Frontallappen, Cerebellum und Insula.
(Acupuncture Decreases Blood Pressure Related to Hypothalamus Functional Connectivity with Frontal Lobe, Cerebellum, and Insula: A Study of Instantaneous and Short-Term Acupuncture Treatment in Essential Hypertension, Evidence-based Complementary and Alternative Medicine, September 2016, (1), 1-10)

Links:
1. Acupuncture improves renal function in kidney disease
https://www.journalofchinesemedicine.com/news/acupuncture-improves-renal-function-in-kidney-disease/

2. Acupuncture adds benefit to frozen shoulder treatment
https://www.journalofchinesemedicine.com/news/acupuncture-adds-benefit-to-frozen-shoulder-treatment/

3. Moxibustion as effective as drugs for period pain
https://www.journalofchinesemedicine.com/news/-moxibustion-as-effective-as-drugs-for-period-pain/

4. Acupuncture improves menopausal dry eye
https://www.journalofchinesemedicine.com/news/acupuncture-improves-menopausal-dry-eye/

Aus der Forschung: Akupunktur reduziert Hitzewallungen

Im Zuge einer Studie, die von den US National Institutes of Health finanziert wurde, wurden 209 menopausale Frauen, die innerhalb von 24 Stunden mindestens vier Hitzewallungen oder nächtliche Schweissausbrüche hatten, entweder innerhalb eines halben Jahres bis zu zwanzigmal mit Akupunktur behandelt oder auf eine Warteliste gesetzt. Bei 11,9 % der Frauen in der Akupunkturgruppe stellte sich ein 85-prozentiger Rückgang der menopausalen vasomotorischen Symptome (VMS) ein. 47 % gaben einen 47-prozentigen Rückgang der VMS an. Bei 37 % stellte sich eine Reduzierung von nur 9,7 % ein, und 4 % berichteten von einer 100-prozentigen Zunahme der VMS. In der Kontrollgruppe verzeichneten 79,5 % der Teilnehmerinnen nach acht Wochen einen Rückgang der VMS-Häufigkeit um 10 %.
(Trajectories of response to acupuncture for menopausal vasomotor symptoms:
the Acupuncture in Menopause study, Menopause, Februar 2017, 24(2), 171-79)25

Aus der Forschung: Aufstellung der positiven Wirkungen von Taiji

Eine amerikanische Forschergruppe hat anhand der Auswertung von 107 systematischen Übersichtsarbeiten eine Liste von Indikationen erstellt, in denen mit Taiji eine positive Wirkung erzielt werden konnte. Darunter sind Bluthochdruck, Vorbeugung gegen Stürze, kognitive Leistungsfähigkeit, Arthrose, Depressionen, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Schmerzen, Balance und Muskelkraft.
(An evidence map of the effect of Tai Chi on health outcomes, Syst Rev, 27.
Juli 2016, 5(1), 126)

Quelle: dem Newsletter der SMS entnommen

Aus der Forschung: Akupunktur in der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) empfohlen

In der im März 2017 veröffentlichten Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) ‚Nicht spezifischer Kreuzschmerz‘ wird die Akupunktur als Therapieoption zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuzschmerzen uneingeschränkt empfohlen. Auch zur Behandlung akuter nicht-spezifischer Kreuzschmerzen wird die Akupunktur in Kombination mit aktivierenden Massnahmen empfohlen, wenn symptomatische und medikamentöse Therapien unzureichenden Erfolg gezeigt haben.
Die NVL wird von der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. herausgegeben. Die NVL ist eine evidenzbasierte Leitlinie; die Empfehlungen zur Akupunktur in der Behandlung des nicht-spezifischen Kreuzschmerzes basieren auf den Ergebnissen mehrerer Übersichtsarbeiten, die systematisch von den Autoren der NVL recherchiert und zusammengetragen wurden.
Hervorzuheben ist eine Individual-Patient-Data-Metaanalyse, in der die Daten methodisch guter und vergleichbarer Studien zur Effektivität der Akupunktur im Vergleich zur Scheinakupunktur zusammengefasst sind. Der gepoolte Schätzer zeigte eine signifikante Überlegenheit der Akupunktur.
Mit der Empfehlung der Akupunktur in der NVL wird eine therapeutische Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin auf der Basis wissenschaftlicher Studien abgebildet. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Akupunktur bei chronischem Kreuzschmerz.
(Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV),
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
(AWMF), Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz,
Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2017 [cited: 2017Mar08]. DOI:
10.6101/AZQ/000353. www.kreuzschmerz.versorgungsleitlinien.de
Vickers AJ, Cronin AM, Maschino AC, et al. Acupuncture for chronic pain:
individual patient data meta-analysis. Arch Intern Med
2012;172(19):1444-53. DOI: 10.1001/archinternmed.2012.3654.
http://www.tcm.ch/smsnewsletter/lt.php?tid=/2/QkIfebAS/XbBk59GNduuhyyDSnL+wtzSvKbYGtVQZuFOF1cIIM6KnRugxe30E

Aus der Forschung: Akupunktur wirksamer zur Schmerzlinderung als Morphin

Akupunktur in der Notaufnahme wirksamer zur Schmerzlinderung als Morphin

Tunesische Ärzte behandelten in der Notaufnahme eines Krankenhauses 300 Patienten mit akuten Schmerzen entweder mit Akupunktur oder intravenös mit Morphin. Eine Reduzierung der Schmerzintensität um mindestens 50 % wurde in der Akupunkturgruppe bei 92 % der Patienten erzielt, in der Morphingruppe bei 78%. Der Zeitraum bis zum Einsetzen der Wirkung betrug in der Akupunkturgruppe durchschnittlich 16 Minuten, in der Morphingruppe 28 Minuten. Ausserdem stellten sich in der Akupunkturgruppe signifikant weniger Nebenwirkungen ein.
(Acupuncture vs intravenous morphine in the management of acute pain in the ED, Am J Emerg Med, November 2016, 34(11), 2112-16)

Akupunktur gegen Hausstauballergie

Australische Forscher behandelten 151 Personen mit chronischer allergischer Rhinitis acht Wochen lang zweimal wöchentlich entweder mit Verum- oder mit Sham-Akupunktur oder gar nicht. Genadelt wurden die Punkte Ex1/M-HN-3 (yintang), IC20/Di20 (yingxiang), IC4/Di4 (hegu), S36/Ma36 (zusanli) und Rs23/KG23 (lianquan). In den ersten vier Wochen nach Behandlungsbeginn wurden verschiedene Zytokine, entzündungsfördernde Neuropeptide und Immunglobuline gemessen. Ein signifikanter Rückgang des gesamten Immunglobulins E und des allergiespezifischen IgE für Hausstaubmilben zeigte sich nur in der Verum-Gruppe. Nur in dieser Gruppe stellte sich auch zwischen 18 und 24 Stunden nach der ersten Behandlung ein signifikanter Rückgang des Neuropeptids Substanz P ein. Ausserdem verbesserten sich hier die Verstopfung und das Laufen der Nase, das Niesen, der Juckreiz in Nase und Augen sowie das Schlafverhalten in den vier Wochen nach Behandlungsbeginn kontinuierlich.
(Effect of acupuncture on house dust mite specific IgE, substance P, and symptoms in persistent allergic rhinitis, Ann Allergy Asthma Immunol, Juni 2016, 116(6), 497-505)

Akupunktur bei schwangerschaftsbedingten Rückenschmerzen

Im Zuge einer englischen Studie wurden 125 Frauen mit schwangerschaftsbedingten Rückenschmerzen sechs Wochen lang entweder mit Physiotherapie und Selbstmassage (PS) oder mit PS und Verum-Akupunktur oder mit PS und Sham-Akupunktur behandelt. Dabei wurden laut Aussagen der Patientinnen mit PS plus Akupunktur die besten Ergebnisse sowie ein höherer Zuwachs der QALY-Werte erzielt.
(Evaluating Acucpuncture and Standard Care for pregnant women with back pain (EASE Back): a feasibility study and pilot randomised trial, Health Technol Assess, April 2016, 20(33), 1-236)

Raschere Empfängnis mit Akupunktur

Australische Forscher behandelten 56 subfertile Frauen drei Monate lang wöchentlich entweder mit Akupunktur und Änderungen des Lebensstils oder nur mit Änderungen des Lebensstils. Die Akupunktur wurde auf die individuelle Symptomatik der Patientinnen abgestimmt. Was die Schwangerschaftshäufigkeit angeht, kam es zu keinen signifikanten Unterschieden zwischen den beiden Gruppen, aber in der Akupunkturgruppe verstrichen durchschnittlich nur 5,5 Wochen bis zum Eintreten der Schwangerschaft, während es in der Kontrollgruppe 10,67 Wochen waren.
(Prior to Conception: The Role of an Acupuncture Protocol in Improving Women´s Reproductive Functioning Assessed by a Pilot Pragmatic Randomised Controlled Trial, Evid Based Complement Alternat Med, Januar 2016, 2016(4), 1-11)

Akupunktur gegen Schmerzen infolge spinaler Stenose

Iranische Forscher behandelten 24 Patienten mit lumbaler spinaler Stenose, denen das Gehen starke Schmerzen bereitete, drei Wochen lang zehnmal mit Akupunktur, wobei bei jeder Behandlung 23 Nadeln gesetzt wurden (Rg3/LG3 (yaoyangguan), Rs4/Du4 (mingmen) und Rg20/LG20 (baihui) sowie bilateral V23/Bl23 (shenshu), V25/Bl25 (dachangshu), V26/Bl26 (guanyuanshu), V37/Bl37 (yinmen), V40/Bl40 (weizhong), V54/Bl54 (zhibian), V57/Bl57 (chengshan), IC4/Di4 (hegu) und V60/Bl60 (kunlun). Ein Vergleich der Werte unmittelbar nach Behandlungsbeginn und sechs Wochen danach zeigte eine Reduzierung der Schmerzen und eine Verbesserung der Lebensqualität.
(Effect of Acupuncture on Pain and Quality of Life in Patients with Lumbar Spinal Stenosis: A Case Series Study, J Acupunct Meridian Stud, August 2016, 9(4), 178-82)

Akupunktur gegen Stuhlinkontinenz

Brasilianische Forscher behandelten 18 Erwachsene mit Stuhlinkontinenz zehn Wochen lang wöchentlich mit Akupunktur auf den Punkten: IC11/Di11 (quchi), Pc6/KS6 (neiguan), S37/Ma37 (shangjuxu), L9/MP9 (yinlingquan), V40/Bl40 (weizhong), R7/Ni7 (fuliu), Rs9/REN9 KG9 (shuifen), Rs6/KG6 (qihai), Rs3/KG3 (zhongji), H13/Le13 (zhangmen), V23/Bl23 (shenshu), V25/Bl25 (dachangshu), V32/Bl32 (ciliao), P9/Lu9 (taiyuan), T5/3E5 (waiguan), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao), V67/Bl67 (zhiyin), L2/MP2 (dadu) und F41/Gb41 (zulinqi). Nach zehn Behandlungen berichteten alle Patienten von signifikanten Verbesserungen bei Inkontinenz und Lebensqualität.
(Systemic acupuncture in patients with faecal incontinence, Complement Ther Clin Pract, August 2016, 24, 162-66)

Akupunktur gegen Zungenbrennen

(Burning-mouth-Syndrom, BMS) Brasilianische Forscher behandelten acht Patienten elf Wochen lang einmal wöchentlich mit Akupunktur. Dabei ging das schmerzhafte Brennen schon nach der ersten Behandlung auf einer visuellen Analogskala von 4,87 auf 2,5 zurück. Die Werte verbesserten sich mit jeder weiteren Behandlung kontinuierlich und erreichten bei der Mehrheit der Patienten nach der elften Behandlung fast null. Der Behandlungserfolg hatte auch bei der nach zwei Jahren erfolgenden Nachuntersuchung Bestand.
(Combined Acupuncture and Auriculotherapy in Burning Mouth Syndrome Treatment: A Preliminary Single-Arm Clinical Trial, J Altern Complement Med, 1. September 2016, online-Veröffentlichung)

Akupunktur gegen Schmerzen in Schnellendem Finger

Japanische Forscher behandelten 15 Patienten mit 19 schnellenden Fingern täglich bis zu fünfmal mit Akupunktur. Eingesetzt wurden die Nadeln in die radiale und in die ulnare Seite der Beugesehne am A1-Ringband des betroffenen Fingers (nahe dem Kopf des Mittelhandknochens). Schon nach der ersten Behandlung stellte sich eine signifikante Besserung der Schmerzwerte und des Schnappens ein, wobei die Beschwerden bei den Patienten mit einer klinisch signifikanten Besserung (≥50%) von signifikant kürzerer Dauer waren als bei denen mit einer Besserung von <50%. Die Autoren gehen davon aus, dass Akupunktur die Entzündung der Synovialmembran der Sehnenscheide reduziert
(Acupuncture for the treatment of trigger finger in adults: a prospective case series, Acupunct Med, 11. Juli 2016, pii: acupmed-2016-011068)

Quelle: Newsletter der SMS

Aus der Forschung: u.a. Akupunkturbehandlung bei Schlaganfällen

Aktivierung des Kleinhirns durch deqi spielt bei der Akupunkturbehandlung von Schlaganfällen eine wichtige Rolle
Chinesische Forscher behandelten 12 Patienten nach einem ischämischen Schlaganfall mit Akupunktur auf T5/3E5 (waiguan) und führten gleichzeitig einen fMRT-Scan des Gehirns durch. Entsprechend den von den Teilnehmern geschilderten Wahrnehmungen wurden die Bildgebungsdaten einer Gruppe mit deqi (‚Erreichen des Qi‘) und einer Gruppe ohne deqi zugeordnet. In der Gruppe mit deqi waren die aktivierten/deaktivierten Bereiche der linke Gyrus temporalis superior, der rechte vordere Kleinhirnlappen und der linke Thalamus. In der Gruppe ohne deqi waren unter den aktivierten Bereichen der Gyrus frontalis medialis des rechten Frontallappens, des rechten limbischen Lappens und des linken Frontallappens, wohingegen der einzige deaktivierte Bereich der rechte Parietallappen war. Im Vergleich zur Gruppe ohne deqi zeigte sich in der deqi-Gruppe eine deutliche Aktivierung des rechten vorderen Kleinhirnlappens und des rechten limbischen Lappens .Daraus schliessen die Autoren, dass der klinische Effekt von deqi mit funktionellen Veränderungen im Gehirn zusammenhängt und die Aktivierung des Kleinhirns bei der Akupunkturbehandlung von Patienten mit ischämischen Schlaganfällen eine entscheidende Rolle spielt.(Acupuncture for ischemic stroke: cerebellar activation may be a central mechanism following Deqi, Neural Regen Res, Dezember 2015, 10(12), 1997-2003)

Akupunktur fördert Entspannung durch Aktivierung des linken präfrontalen Cortex
Japanische Forscher behandelten zehn Patienten mit Angststörungen je nach der jeweiligen TCM-Diagnose mit einer Auswahl aus folgenden Punkten: Rg23/LG23 (shangxing), Rg20/LG20 (baihui), Rg9/LG9 (zhiyang), Rg14/LG14 (dazhui), V7/Bl7 (tongtian), Rs4/Du4 (mingmen), V17/Bl17 (geshu), V19/Bl19 (danshu), V20/Bl20 (pishu), T5/3E5 (waiguan), F41/Gb41 (zulinqi), Pc6/KS6 (neiguan) und L4/MP4 (gongsun). Dabei massen sie vor und nach der Akupunkturbehandlung mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) die Oxyhämoglobinkonzentration im präfrontalen Cortex (PFC), die Änderungen in Blutfluss und Hirnaktivität anzeigt .Die Behandlung reduzierte zwar die Zustandsangst (state anxiety) in signifikantem Mass, aber nicht die Eigenschaftsangst (trait anxiety). Den NIRS-Messungen zufolge verlagerte sich bei sieben von zehn Versuchspersonen die PFC-Aktivität verstärkt auf die linke Seite. Das wurde mit Änderungen in der Zustandsangst in Verbindung gebracht und geht konform mit der Lateralisation des Gehirns, der zufolge die linke Hemisphäre vorherrschend für positive Emotionen zuständig ist und die rechte für negative .(Effect of Acupuncture on Anxiety Levels and Prefrontal Cortex Activity Measured by Near-Infrared Spectroscopy: A Pilot Study, Adv Exp Med Biol, 2016, 876, 297-302)

Akupunktur normalisiert Gehirnkonnektivität bei Reizmagen (funktionelle Dyspepsie)
Die Gehirnkonnektivität, die sich bei Patienten mit Reizmagen verändert, gleicht sich nach einer Akupunkturbehandlung der von gesunden Kontrollpersonen an. Chinesische Forscher verglichen die Daten von acht Reizmagen-Patienten mit denen von zehn gesunden Kontrollpersonen. Für die Akupunktur wurden als Hauptpunkte S36/Ma36 (zusanli) und R3/Ni3 (taixi) verwendet, je nach Symptomatik ergänzt unter anderem durch F41/Gb41 (zulinqi), Pc6/KS6 (neiguan) und C7/He7 (shenmen). Die Patienten wurden einen Monat lang jeden zweiten Tag behandelt, worauf sich eine signifikante Besserung der Reizmagensymptome einstellte. Ausserdem stellten die Forscher in fast allen Fällen nach der Akupunktur eine signifikante Verbesserung in Bereichen des Gehirns fest, in denen die Konnektivität vor der Behandlung reduziert gewesen war .(Brain-Gut Axis Modulation of Acupuncture in Functional Dyspepsia: A Preliminary Resting-State fcMRI Study, Evid Based Complement Alternat Med, 2015, 2015:860463)

Pflanzliche Rezeptur zur Normalisierung der Verdauung nach OP
Chinesische Forscher behandelten 70 Patientinnen nach einem gynäkologischen Eingriff entweder mit dem Granulat Xian Bin oder mit einem Placebo. Xian Bin (XB) enthält Arecae semen (Binglang), Ginseng radix (Renshen), Linderae radix (Wuyao), Aquilariae lignum (Chenxiang) und Persicae semen (Taoren). XB beschleunigte die Wiederherstellung der gastrointestinalen Motilität, was sich an einem signifikant früher eintretenden ersten postoperativen Flatus zeigte. Blutuntersuchungen ergaben, dass diese Wiederherstellung der gastrointestinalen Funktion einherging mit einer Zunahme wichtiger gastrointestinaler Hormone und einer verringerten Sekretion des Entzündungsmarkers CRH .(Effect of XiangBin granules on post-operative gastrointestinal function and brain-gut peptides after transabdominal gynecological surgery, Eur J Obset Gynecol Reprod Biol, 2. August 2016, 205, 1-6)

Pflanzliche Rezeptur verbessert Leberfunktion bei Hepatitis C
Chinesische Forscher behandelten 70 Patienten mit chronischer Hepatitis C sechs Wochen lang täglich entweder mit einem Placebo oder mit dem Dekokt Kuan-Sin-Yin (KSY). Kuan-Sin-Yin enthält Codonopsis radix (Dangshen), Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu), Poria (Fuling), Astragali radix (Huangqi), Agastachis herba (Huoxiang), Ligustri lucidi fructus (Nuzhen zi) und Glycyrrhizae radix (Gancao). In der KSY-Gruppe gingen im Vergleich mit der Placebo-Gruppe die Serummarker in Zusammenhang mit der Leberschädigung sowie die Viruslast und die Triglyceridwerte im Blut in signifikantem Mass zurück .(The Chinese medicine Kuan-Sin-Yin improves liver function in patients with chronic hepatitis C: A randomised and placebo-controlled trial, Complement Ther Med, August 2016, 27, 114-22)

Pflanzliche Rezeptur beugt entzündlicher Reaktion bei Schlafapnoe vor
Chinesische Forscher behandelten 60 Patienten mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) 12 Wochen lang entweder nur mit gängiger medikamentöser Therapie und Verhaltensberatung oder zusätzlich mit der pflanzlichen Rezeptur Jiawei Di Tan Tang (JDTT). Diese enthält Codonopsis radix (Dangshen), Astragali radix (Huangqi), Atractylodis macrocephalae rhizoma (Baizhu), Citri reticulatae pericarpium (Chenpi), Pinelliae rhizoma (Banxia), Poria (Fuling), Aurantii fructus immaturus (Zhishi), Bambusae caulis in taeniam (Zhuru), Acori rhizoma (Shi changpu), Arisaematis cum bile rhizoma (Dan nanxing), Salviae miltiorrhizae radix (Danshen), Chuanxiong rhizoma (Chuan xiong), Persicae semen (Taoren), Curcumae longae tuber (Yujin), Bombyx batriticatus (Jiang can) und Pheretima (Dilong). In der JDTT-Gruppe gingen die Apnoesymptome signifikant stärker zurück als in der Kontrollgruppe. Ausserdem verbesserten sich in der JDTT-Gruppe die Sauerstoffsättigung im Blut und die Serumwerte verschiedener Marker für oxidativen Stress und Entzündung signifikant stärker als in der Kontrollgruppe.  (Treatment and prevention of inflammatory responses and oxidative stress in patients with with obstructive sleep apnea hypopnea syndrome using Chinese herbal medicine, Exp Ther Med, September 2016, 12(3), 1572-78)

Aus der Forschung: Akupunktur bei allergischer Rhinitis

Chinesische Forscher behandelten 76 Patienten mit mässiger bis starker allergischer Rhinitis acht Wochen lang entweder mit Akupunktur oder mit einem Budesonid-Nasenspray und Cetirizin-Tabletten. Die einzelnen Symptome sowie die Gesamtheit der Symptome gingen in beiden Gruppen ohne signifikante Unterschiede zurück. (Acupuncture for moderate to severe allergic rhinitis: A non-randomized controlled trial, Chin J Integr Med, Juli 2016, 22(7), 518-24)

Schröpfen gegen Nackenschmerzen

Taiwanesische Forscher behandelten sechzig Patienten mit chronischen Nacken- und Schulterschmerzen entweder mit Schröpfen auf den Akupunkturpunkten IT15/Dü15 (jianzhongshu), F21/Gb21 (jianjing) und IC15/Di15 (jianyu) oder setzten sie auf eine Warteliste. In der Akupunkturgruppe ging die Schmerzintensität von 9.7 auf 3,6 zurück, in der Kontrollgruppe von 9,7 auf 9,5. Ausserdem erhöhte sich die Oberflächentemperatur der Haut auf F21/Gb21 (jianjing) während des Schröpfens von 30,6 auf 32,1ºC, und auch fünf Minuten nach Entfernen des Schröpfkopfs blieb die erhöhte Temperatur bestehen. Ein ähnlicher Effekt liess sich auch an den beiden anderen geschröpften Punkten feststellen. (The Effectiveness of Cupping Therapy on Relieving Chronic Neck and Shoulder Pain: A Randomized Controlled Trial, Evid Based Complement Alternat Med, 2016, 2016:7358918, veröffentlicht am 17. März 2016)

Akupunktur bei Impingement-Syndrom an der Schulter

Spanische Forscher behandelten 68 Patienten mit Schulterimpingement vier Wochen lang einmal wöchentlich entweder mit Verum-Akupunktur oder mit Sham-Akupunktur an Nicht-Akupunkturpunkten. Unmittelbar nach der Behandlung ging in der Verum-Gruppe die Schmerzintensität auf einer VAS-Skala um 44,13 mm zurück. In der Sham-Gruppe war dieser Rückgang mit 19,84 mm signifikant niedriger als in der Verum-Gruppe. Auch drei Monate später zeigte sich ein signifikanter Unterschied (87, 58 mm in der Verum-Gruppe, 20 mm in der Sham-Gruppe). (Acupuncture treatment of shoulder impingement syndrome: A randomized controlled trial, Complement Ther Med, April 2016, 25, 92-97)

Akupunktur zur Wiederherstellung des Geruchssinns

Chinesische Forscher behandelten die Hälfte von 50 Patienten mit postviraler olfaktorischer Dysfunktion, die nicht auf die Standardtherapie ansprachen, dreimal wöchentlich insgesamt zehnmal mit Akupunktur auf den bilateralen Punkten IC20/Di20 (yingxiang), M-HN-14 (bitong shangyingxiang) und dem Extrapunkt biqiu, der sich im vorderen Nasenbereich auf der Innenseite der mittleren Nasenmuschel befindet. Die andere Hälfte der Patienten wurde nur beobachtet. Diese Zehnerzyklen wurden mit Unterbrechungen von drei bis fünf Tagen über einen Zeitraum von drei Monaten hinweg fortgesetzt. Nach drei Monaten zeigten 44 % der Akupunkturgruppe eine Verbesserung der olfaktorischen Funktion, in der Kontrollgruppe waren es nur 16 %. Bei hyposmischen Patienten stellte sich eine raschere Besserung ein als bei anosmischen. (Recovery of Olfactory Function in Postviral Olfactory Dysfunction Patients after Acupuncture Treatment, Evid Based Complement Alternat Med, 2016, 2016:4986034, veröffentlicht am 29. Februar 2016)

Moxibustion bei chronischem Nierenversagen

Japanische Forscher behandelten 43 Patienten mit chronischem Nierenversagen dreimal hintereinander mit indirekter Moxibustion bilateral auf V23/Bl23 (shenshu). Der renale Blutfluss wurde vor Behandlungsbeginn, bei Behandlungsende und 10 Minuten nach Behandlungsende gemessen. Dabei zeigte sich, dass der renale Gefässwiderstand mit Moxibustion signifikant stärker reduziert wurde als mit der Sham-Behandlung. (Traditional Thermal Therapy with Indirect Moxibustion Decreases Renal Arterial Resistive Index in Patients with Chronic Kidney Disease, J Altern Complement Med, April 2016, 22(4), 306-14) Akupunktur gegen Nacken- und Schulterschmerzen nach Hals-OP Italienische Forscher behandelten 48 Patienten, die nach einem Eingriff wegen zervikaler lymphatischer Metastasen an chronischen Schmerzen oder einer Dysfunktion litten, entweder fünf Wochen lang einmal wöchentlich mit Akupunktur oder mit gängiger Therapie. Schulterschmerzen und -funktion verbesserten sich in der Akupunkturgruppe stärker. Ausserdem stellte sich in der Akupunkturgruppe eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität ein. (Acupuncture in shoulder pain and functional impairment after neck dissection. A prospective randomized pilot study, Laryngoscope, August 2016, 126(8), 1790-95)

Akupunktur gegen Lymphödeme bei Brustkrebs

Koreanische Forscher behandelten die Hälfte von 30 Brustkrebspatientinnen mit Lymphödemen 30 Tage lang jeden zweiten Tag 30 Minuten lang mit Akupunktur auf folgenden sechs Punkten: IC10/Di10 (shousanli), IC11/Di11 (quchi), IC14/Di14 (binao), IC15/Di15 (jianyu), T5/3E5 (waiguan) und T14/3E14 (jianliao). Auf drei Nadeln setzten sie eine Moxazigarre. Die andere Hälfte der Patientinnen erhielt dreimal täglich 900 mg Diosmin (ein Bioflavonoid, das den Gefässtonus erhöht). Die Lymphödeme besserten sich in der Akupunkturgruppe um 51,46 %, in der Diosmin-Gruppe um 26,27 %. Die stärkste Wirkung zeigte sich 10 cm über dem Ellbogen und an den Handgelenken. An diesen Stellen war die warme Nadelung vorgenommen worden. Ausserdem berichtete die Akupunkturgruppe von einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität. (Effects of warm acupuncture on breast cancer-related chronic lymphedema: a randodmized controlled trial, Curr Oncol, Februar 2016, 23(1), e27-34)

Taiji gegen Sturzrisiko

Taiwanesische Forscher teilten 456 ältere Menschen, die zu Stürzen neigten, in eine Taiji-Gruppe und eine Kontrollgruppe ein. Die Taiji-Gruppe übte sechs Monate lang einmal wöchentlich eine Stunde lang Taiji, die Kontrollgruppe machte konventionelle Übungen zur Stärkung der unteren Extremitäten (Dehnen, Muskelstärkung und Balancetraining). In der Taiji-Gruppe war in diesen sechs Monaten die Neigung zu Stürzen signifikant geringer als in der Kontrollgruppe. Diese Verbesserung liess sich auch bei einer Nachuntersuchung nach zwölf Monaten in signifikantem Mass feststellen. Ausserdem hatten Versuchsteilnehmer, die selbstständig täglich Taiji übten oder die Standardübungen machten, signifikant weniger Stürze als die Vergleichspersonen. Darüber hinaus verbesserten sich die kognitiven Fähigkeiten der Taiji-Gruppe innerhalb des 18monatigen Versuchszeitraums signifikant stärker als in der Kontrollgruppe. (Effects of Home-Based Tai Chi and Lower Extremity Training and Self-Practice on Falls and Functional Outcomes in Older Fallers from the Emergency Department – A Randomized Controlled Trial, J Am Geriatr Soc, März 2016, 64(3), 518-25)

Quelle: aus dem Newsletter der SMS

Forschung: Akupunktur gegen Wechseljahrsbeschwerden

Amerikanische Forscher haben 209 Frauen in den Wechseljahren entweder in den ersten sechs Monaten einer 12 Monate dauernden Studie zwanzigmal mit Akupunktur gegen vasomotorische Symptome (VMS) behandelt (Akupunkturgruppe) oder in den zweiten sechs Monaten (Warteliste-Kontrollgruppe). Nach sechs Monaten war die VMS-Häufigkeit in der Akupunkturgruppe um 36,7 % zurückgegangen, während sie in der Kontrollgruppe um 6 % gestiegen war. Nach zwölf Monaten war die VMS-Häufigkeit in der Akupunkturgruppe nach wie vor um 29,4 % reduziert, was auf ein Anhalten des Behandlungserfolgs hindeutet. Statistisch signifikante klinische Verbesserungen stellten sich nach drei Akupunkturbehandlungen ein. Der maximale klinische Effekt wurde nach durchschnittlich acht Behandlungen erzielt. Auch in Hinblick auf die Lebensqualität kam es im Vergleich zur Kontrollgruppe zu anhaltenden Verbesserungen. (Acupuncture in Menopause (AIM) study: a pragmatic, randomized controlled trial, Menopause, Juni 2016, 23(6), 626-37)

Akupunktur gegen Hitzewallungen bei Brustkrebs

Italienische Forscher händigten 190 Frauen mit Brustkrebs entweder nur eine Broschüre mit Vorschlägen für die Selbstbehandlung von Wechseljahrsbeschwerden aus, die sie mindestens zwölf Wochen lang befolgten sollten, oder sie behandelten sie zusätzlich zehnmal mit Akupunktur. Vor jeder Akupunkturbehandlung wurde eine Zungen- und Pulsdiagnose vorgenommen. Verwendet wurden die drei gängigen Akupunkturpunkte L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao), IC11/Di11 (quchi) und Rs4/KG4 (guanyuan), die entsprechend der individuellen Differentialdiagnose durch weitere Punkte ergänzt wurden. Unmittelbar bei Behandlungsende sowie drei und sechs Monate danach zeigte sich in der Akupunkturgruppe ein signifikanter Rückgang von Hitzewallungen und sonstigen Wechseljahrsbeschwerden sowie eine erhöhte Lebensqualität in vasomotorischer, körperlicher und psychosozialer Hinsicht. (Acupuncture As an Integrative Approach for the Treatment of Hot Flushes in Women With Breast Cancer: A Prospective Multicenter Randomized Controlled Trial (AcCliMaT), J Clin Oncol, 20. Mai 2016, 34(15), 1795-1802)

Akupunktur gegen vorzeitigen Samenerguss

Türkische Forscher haben 120 Patienten mit chronischer eiaculatio praecox vier Wochen lang entweder mit Dapoxetin, Akupunktur oder Sham-Akupunktur behandelt. Die Akupunkturgruppe wurde zweimal wöchentlich auf Ex1/M-HN-3 (yintang), Rs3/KG3 (zhongji) und bilateral auf V30/Bl30 (baihuanshu), V52/Bl52 (zhishi), S36/Ma36 (zusanli), IC4/Di4 (hegu) und H3/Le3 (taichong) behandelt. In der Sham-Gruppe wurden Punkte, die einen Zentimeter links von den Verum-Punkten lagen, flach genadelt. Verum-Akupunktur war weniger wirksam als Dapoxetin, hatte aber eine signifikant bessere Wirkung als Sham-Akupunktur. (A Prospective Randomized Controlled Study to Compare Acupuncture and Dapoxetine for the Treatment of Premature Ejaculation, Urol Int, 2016, 97(1), 104-11)

Akupunktur normalisiert Spermaparameter

Türkische Forscher unterzogen 30 Männer mit primärer Zeugungsunfähigkeit und einer Varikozele, die normale Hormonspiegel und abnormale Spermaanalysen hatten, entweder einer subinguinalen mikrochirurgischen Varikozelektomie oder behandelten sie zwei Monate lang zweimal wöchentlich mit Akupunktur. Nach sechs Monaten zeigte sich bei einer Spermaanalyse in beiden Gruppen eine signifikante Verbesserung der Spermakonzentration und der Spermienmotilität. Die Zunahme der Spermakonzentration war jedoch in der Akupunkturgruppe höher als in der Varikozelektomiegruppe. Nach 42 Monaten betrug die Schwangerschaftsrate in beiden Gruppen 33%. (Randomised clinical trial of comparing effects of acupuncture and varicocelectomy on sperm parameters in infertile varicocele patients, Andrologia, 21. Januar 2016, doi: 10.1111/and.12541, online-Veröffentlichung)

Individuell abgestimmte Akupunktur bei Fibromyalgie

Spanische Forscher behandelten 164 Fibromyalgie-Patienten zusätzlich zur medikamentösen Therapie zehn Wochen lang einmal wöchentlich mit individuell abgestimmter Akupunktur (IA) oder mit Sham-Akupunktur (SA). Am Ende der Behandlung hatte sich in der IA-Gruppe ein signifikant stärkeres Nachlassen der Schmerzintensität (41,2 %) eingestellt als in der SA-Gruppe (27,1 %). Dieser Unterschied zeigte sich auch noch nach zwölf Monaten (19,9 % in der IA-Gruppe, 6,1 % in der SA-Gruppe). Auch die anderen Fibromyalgiewerte waren im Verlauf eines Jahres in der IA-Gruppe signifikant besser als in der SA-Gruppe. (Acupuncture for fibromyalgia in primary care: a randomised controlled trial, Acupunct Med, 15. Februar 2016, pii:acupmed-2015-010950)

Akupunktur gegen Erschöpfung infolge von Parkinson

Amerikanische Forscher behandelten 94 Parkinson-Patienten mit mässiger bis starker Erschöpfung sechs Wochen lang zweiwöchentlich entweder mit Verum- oder mit Sham-Akupunktur. Dabei zeigten sich nach sechs und zwölf Wochen in beiden Gruppen signifikante Verbesserungen der Erschöpfung sowie der Stimmungslage, des Schlafverhaltens und der Lebensqualität. 63 % der Patienten berichteten von einer merklichen Reduzierung der Erschöpfung. Zwischen den beiden Gruppen gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede. (Randomized, Controlled Trial of Acupuncture for Fatigue in Parkinson´s Disease, Mov Disord, Juli 2016, 31(7), 1027-32)

Kontralaterale Akupunktur bei Schulterschmerzen

Chinesische Forscher behandelten achtzig Patienten mit chronischen Schulterschmerzen vier Wochen lang entweder mit kontralateraler Akupunktur oder mit gängigen orthopädischen Massnahmen. Dabei erzielten sie in der Akupunkturgruppe eine signifikant stärkere Schmerzlinderung als in der Kontrollgruppe. Die durchschnittlichen Unterschiede der VAS-Werte betrugen nach zwei Wochen -19,4, nach vier Wochen -40,4, nach acht Wochen -41,1 und nach sechzehn Wochen -40,9. Auch die Schulterfunktionswerte verbesserten sich in der Akupunkturgruppe zu allen diesen Zeitpunkten.

 

Quelle: aus dem Newsletter der SMS

Aus der Forschung: Körper-Akupunkturpunkte sind bei Schlafstörungen am wirksamsten

Chinesische Forscher haben 54 Patienten mit Schlafstörungen auf der Basis von calor humidus (‚Feuchtigkeit-Hitze‘, shire) entweder mit Körperakupunktur (KA), Ohrakupunktur (OA) oder Bauchakupunktur (BA) behandelt. Bei KA kamen vor allem folgende Punkte zum Einsatz: R6/Ni6 (zhaohai), V26/Bl26 (shenmai), C7/He7 (shenmen), Ex1/M-HN-3 (yintang), Ex 6/M-HN1 (si shencong) und Ex 5/M-HN54 (anmian), ausserdem der individuellen Symptomatik entsprechend S40/Ma40 (fenglong), S44/Ma44 (neiting) und IC11/Di11 (quchi). Für OA wurden hauptsächlich Shenmen, Occiput, Chuiqian und Subcortex verwendet, ergänzt durch individualspezifische Punkte; Milz, Magen, Herz und Leber. Bei BA kamen zum Einsatz: Rs12/KG12 (zhongwan), Rs10/REN10 KG10 (xiawan), Rs6/REN6 KG6 (qihai), Rs4/KG4 (guanyuan), R17/Ni17 (shangqu), S24/Ma24 (huaroumen), S26/Ma26 (wailing) und pinggan, ein Extrapunkt 0,7 cun neben und 0,3 cun über S24/Ma24 (huaroumen). Entsprechend der Syndromdifferenzierung wurden L15/Mi15 (daheng) und xiere verwendet, ein Extrapunkt 3 cun neben Rs6/KG6 (qihai). Alle Patienten erhielten dreimal wöchentlich insgesamt 20 Akupunkturbehandlungen. Die Ergebnisse wurden nach 10 und nach 20 Akupunkturbehandlungen sowie einen Monat nach der letzten Behandlung ermittelt. In allen drei Gruppen zeigte sich ein Rückgang der Symptome von Schlafstörungen, Depressionen und Angststörungen. Die grösste Wirkung wurde jedoch mit Körperakupunktur auf den Hauptpunkten erzielt, die zweitgrösste mit Ohrakupunktur auf Haupt- und Zusatzpunkten. (Comparison of Body, Auricular, and Abdominal Acupuncture Treatments for Insomnia Differentiated as Internal Harassment of Phlegm-Heat Syndrome: An Orthogonal Design, Evid Based Complement Alternat Med, 2015, 2015:578972)

Akupunktur bei Karpaltunnelsyndrom wirksamer als Ibuprofen

Iranische Forscher haben 50 Patienten mit Karpaltunnelsyndrom (KTS) vier Wochen lang mit der Standardtherapie (nächtliches Anlegen einer Handgelenksorthese) behandelt. Zusätzlich erhielten die Patienten entweder zehn Tage lang dreimal täglich 400 mg Ibuprofen oder vier Wochen lang zweimal wöchentlich Akupunktur. Eingesetzt wurden dabei unilateral folgende Punkte: Pc7/KS7 (daling), Pc4/KS4 (ximen), Pc6/KS6 (neiguan), Pc8/KS8 (laogong), C2/He2 (qingling), C7/He7 (shenmen), C8/He8 (shaofu), P9/Lu9 (taiyuan) und IC11/Di11 (quchi). Einen Monat nach Behandlungsende zeigten sich in beiden Gruppen signifikante Verbesserungen. Die Patienten der Akupunkturgruppe berichteten jedoch noch einmal von signifikant besseren Ergebnissen, was die subjektiven Werte anging (Schmerzen, Taubheitsgefühle, nächtliches Prickeln, Häufigkeit des Aufwachens infolge der Beschwerden). Auch bei den objektiven elektrodiagnostischen Untersuchungen schnitt die Akupunkturgruppe besser ab als die mit Ibuprofen behandelte Gruppe. (Efficacies of Acupuncture and Anti-inflammatory Treatment for Carpal Tunnel Syndrome, J Acupunct Meridian Stud, Oktober 2015, 8(5), 229-35)

Verum-Akupunktur normalisiert bei chronischen Schmerzen die dysregulierte Konnektivität zwischen wichtigen Schmerzregionen des Gehirns

Amerikanische Forscher haben 44 Patienten mit Kniegelenksarthrose im Lauf eines Monats sechsmal entweder mit hochdosierter Verum-Akupunktur auf sechs Akupunkturpunkten oder mit reduzierter Verum-Akupunktur auf zwei Akupunkturpunkten oder mit Sham-Akupunktur (mit Streitberger-Placebonadeln auf sechs Punkten) behandelt. In beiden Verum-Gruppen kamen die Punkte S35/Ma35 (dubi) und Ex23/MN-LE-16 (xiyan) zum Einsatz. In der hochdosierten Verum-Gruppe wurden zusätzlich die Punkte F34/Gb34 (yanglingquan), L9/MP9 (yinlingquan), F29/GB-29 (juliao) und L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao) verwendet. Bei drei der sechs Behandlungen lagen die Patienten in einem MRT-Gerät. Dabei zeigte sich, dass die Verum-Akupunktur die Konnektivität zwischen den Hirnregionen veränderte, die mit Schmerzerlernen, -erinnerung und -chronifizierung in Verbindung gebracht werden. Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass chronische Schmerzen mit zunehmender Konzentration auf den Schmerz, Grübeln, nozizeptivem Gedächtnis und Vermeidungserlernen zusammenhängen, was wiederum zu Veränderungen der Konnektivität im Gehirn führt, die vor allem das periaquäduktale Grau (PAG), den medialen präfrontalen Kortex (MPG) und die Hippocampi (Hpc) betreffen. Die aktuelle Studie bestätigte, dass die Konnektivität in diesen Hirnbereichen mit der Schmerzintensität zusammenhängt, und zeigte darüber hinaus, dass die durch Verum-Akupunktur erzielte Verbesserung der Schmerzwerte mit der Modifikation der PAG-MPG- sowie der PAG-Hpc-Konnektivität zusammenhängt. Deshalb vermuten die Autoren der Studie, dass wiederholte Verum-Akupunktur die Chronifizierung von Schmerzen umkehren kann, indem sie die anhaltende Nozizeption unterbricht und die Konzentration auf den Schmerz verringert. (Repeated verum but not placebo acupuncture normalizes connectivity in brain regions dysregulated in chronic pain, Neuroimage Clin, 25. September 2015, 9, 430-35)

Akupunktur bei Inkontinenz wirksamer als Physiotherapie

Bei einer norwegischen Pilotstudie wurden 34 Frauen mit Inkontinenz entweder 12mal mit Akupunktur oder 12mal mit Beckenbodentraining (BBT) behandelt oder auf eine Warteliste gesetzt. Die Akupunkturgruppe wurde entweder in Rückenlage an den Punkten Rs3/KG3 (zhongji), Rs4/KG4 (guanyuan), Rs6/KG6 (qihai), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao), R3/Ni3 (taixi) und R7/KID-7 (fuliu) behandelt, im Bedarfsfall ergänzt von Pc6/KS6 (neiguan), H3/Le3 (taichong) und L3/MP3 (taibai). In Bauchlage wurden die Punkte V31/Bl 31 (shangliao), durchgestochen zu V34/Bl34 (xialiao), V23/Bl23 (shenshu), V28/Bl28 (pangguangshu), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao), Rs4/Du4 (mingmen) und Rg20/LG20 (baihui) verwendet, im Bedarfsfall ergänzt durch V14/Bl14 (jueyinshu), V18/Bl18 (ganshu) und V20/Bl20 (pishu). Die durchschnittliche Verbesserung der Inkontinenzwerte erwies sich in der Akupunkturgruppe als signifikant höher als in BBT- und Kontrollgruppe. (A pilot study on the use of acupuncture or pelvic floor muscle training for mixed urinary incontinence, Acupunct Med, Februar 2016, 34(1), 7-13)

Akupunktur senkt bei Präeklampsie den Blutdruck

Chinesische Forscher haben im Zug einer Pilotstudie Schwangere mit Präeklampsie entweder mit der Standardtherapie und Akupunktur oder nur mit der Standardtherapie behandelt. Entsprechend der individuellen TCM-Diagnose der einzelnen Patientinnen wurden diese in der Regel mit zwölf Nadeln an folgenden 7 Punkten behandelt: F20/Gb20 (fengchi), H3/Le3 (taichong), IC11/Di11 (quchi), S36/Ma36 (zusanli), IC4/Di4 (hegu), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao) und Rg20/LG20 (baihui). Die Frauen der Akupunkturgruppe hatten bei der Entbindung und post partum einen signifikant niedrigeren Blutdruck als die Kontrollgruppe. Zwischen Behandlungsbeginn und -ende war die Veränderung sowohl des systolischen als auch des diastolischen Blutdrucks in der Akupunkturgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe. (Effects of Acupuncture on preeclampsia in Chinese women: a pilot prospective cohort study, Acupunct Med, April 2016, 34(2), 144-48)

Übereinstimmung der Deqi-Wahrnehmung von Arzt und Patient

In einer koreanischen Studie fungierten 81 Akupunkturstudenten sowohl als Anwender als auch aus Patienten. Die Nadeln wurden an IC4/Di4 (hegu) oder S36/Ma36 (zusanli) in drei verschiedenen Stichtiefen gesetzt und dann durch Drehen und Wirbeln manipuliert. Empfindungen von ‚Schmerz‘, ‚Ausbreitung‘, ‚Taubheit‘ und ‚Wundheit‘ seitens der Patienten wurden auf eine Übereinstimmung mit Empfindungen wie ‚dick‘, ‚verwickelt‘, ‚fest‘ und ‚leer‘ seitens der Anwender untersucht. Dabei zeigte sich eine signifikante Übereinstimmung zwischen Wahrnehmung der Anwender und Empfindung der Patienten. Daraus schlossen die Autoren, dass sich die Wahrnehmung der Nadel durch den Anwender dazu heranziehen lassen könnte, Aufschlüsse über den Zustand des Gewebes und die Reaktion des Patienten auf die Akupunktur zu gewinnen. (Deqi Is Double-Faced: The Acupuncture Practitioner´s and the Subject´s Perspective, Evid Based Complement Alternat Med, 2015, 2015:635089)

Akupunktur beschleunigt nach starker körperlicher Belastung die Regeneration

In einer Pilotstudie chinesischer Forscher wurden vierzehn Sportler nach anstrengendem Training und kurzer Ruhepause 30 Minuten lang an den Punkten S36/Ma36 (zusanli), V40/Bl40 (weizhong), Rs4/KG4 (guanyuan) und V23/Bl23 (shenshu) akupunktiert, oder sie erhielten Gelegenheit, sich länger auszuruhen. Die Ergebnisse einer mittels Kernspinresonanz vorgenommenen metabolomischen Analyse von Urinproben, die vor dem Training sowie vor und nach der Akupunktur beziehungsweise während der langen Ruhepause von den Sportlern genommen wurden, haben gezeigt, dass sich die Werte der wichtigen Metaboliten im Citratzyklus und in der Glykolyse (z.B. Lactate, Gluccinate, Pyruvate und Citrate), die durch das Training beeinträchtigt wurden, in der Akupunkturgruppe signifikant schneller regeneriert hatten als in der Ruhegruppe. (The Intervention Effects of Acupuncture on Fatigue Induced by Exhaustive Physical Exercises: A Metabolomics Investigation, Evid Based Complement Alternat Med, 2015, 2015:508302)

Chinesische Rezeptur gegen Neurodermitis

Chinesische Forscher haben 275 Patienten mit Neurodermitis 12 Wochen lang entweder nur mit der Rezeptur Pei Tu Qing Xin Tang (PTQXT) behandelt; oder mit PTQXT und einer äusserlich angewendeten pflanzlichen Spülung; oder mit oral eingenommenen Antihistaminika und Placebo-PTQXT-Pillen in Verbindung mit einer äusserlich aufgetragenen Kortikoidcreme (Standardtherapie). Die Rezeptur PTQXT enthält folgende neun Heilpflanzen: Pseudostellariae radix (Taizi shen), Forsythiae fructus (Lian qiao), Uncariae ramulus cum uncis (Gouteng), Junci medulla (Dengxincao), Lophatheri herba (Danzhu ye), Coicis semen (Yiyi ren), Dioscoreae rhizoma (Shanyao), Ostreae concha (Muli) und Glycyrrhizae radix (Gancao). Während der 12wöchigen Behandlungsphase gingen die durchschnittlichen Neurodermitis-Werte in allen drei Gruppen zurück. Nach 28 und 36 Wochen war jedoch die Verbesserung der durchschnittlichen Dermatitiswerte und der Lebensqualität in den mit chinesischer Medizin behandelten Gruppen signifikant höher als in der mit der Standardtherapie behandelten Kontrollgruppe. (Efficacy of a Chinese herbal medicine for the treatment of atopic dermatitis: a randomised controlled study, Complement Ther Med, Oktober 2015, 23(5), 644-51)

Taiji und Qigong Taiji gegen Erschöpfung bei Chemotherapie

In einer chinesischen Studie übten 96 Patienten mit Lungenkrebs während der Chemotherapie 12 Wochen lang jeden zweiten Tag entweder eine Stunde lang Taiji, oder sie machten leichte körperliche Übungen. Nach 6 und 12 Wochen berichtete die Taiji-Gruppe von niedrigeren Erschöpfungswerten als die Kontrollgruppe. (Tai Chi Exercise for Cancer-Related Fatigue in Patients with Lung Cancer Undergoing Chemotherapy: A Randomized Controlled Trial, J Pain Symptom Manage, März 2016, 51(3), 504-11)

Taiji reduziert bei Frauen das Risiko von Herzkreislauf-Erkrankungen

In einer amerikanischen Studie nahmen 63 Frauen mit erhöhtem Herzkreislauferkrankungsrisiko (im Alter von 35 bis 50 Jahren) acht Wochen lang wöchentlich an einem einstündigen Taiji-Kurs teil und wurden angehalten zu Hause täglich 15 Minuten Taiji zu üben, oder sie wurden als Kontrollgruppe auf eine Warteliste gesetzt. Nach acht Wochen zeigte sich in der Taiji-Gruppe ein signifikanter Rückgang der Müdigkeit und der Konzentration des die Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktors (G-CSF, ein entzündungsförderndes Zytokin). Zwei Monate nach Behandlungsende zeigte sich in der Taiji-Gruppe ausserdem ein Rückgang zahlreicher anderer entzündungsfördernder Zytokine, die in Zusammenhang mit einem Herzkreislauferkrankungsrisiko stehen. (The Effects of Tai Chi on Cardiovascular Risk in Women, Am J Health Promot, 25. August 2015, online-Veröffentlichung)

Quelle:  Newsletter der SMS

Aus der Forschung: Arzneidrogen

300 Jahre alte Proben chinesischer Arzneidrogen im Britischen Museum

Die Autoren einer chinesischen Veröffentlichung hatten Gelegenheit, bei der Identifizierung von 300 Jahre alten Proben chinesischer Arzneidrogen im Britischen Museum zu mitzuwirken, die dem normalen Publikumsverkehr nicht zugänglich sind. Sie wurden wahrscheinlich ursprünglich dem Gründer des Museums, Sir Hans Sloane, von der East India Company in Kommission gegeben.
Sie stammen von der Art der Drogen her offensichtlich aus Südchina, einige aus dem Ausland (Olibanum, Nelken, Schlafmohn, Betelnus, Amomi Fructus) und tragen Bezeichnungen, die in verschiedenen Sprachen phonetisch dem Chinesischen nachgebildet sind,
z.T. auch englische oder lateinische. Einige Drogen konnten noch nicht eindeutig identifiziert werden. In der Arbeit werden 84 Drogen namentlich aufgeführt, die der Art oder zumindest der Gattung nach bestimmt sind. Die Proben sind eine unschätzbare Hilfe für die Bestimmung der Pflanzenspezies, die historisch Verwendung fanden, weil die alten chinesischen Bezeichnungen in den Texten nicht immer eindeutig sind.
Aus dem Vorhandensein von Akebia quinata unter diesen Drogen schlossen die Autoren, dass damals für mu tong keine Aristolochia-Drogen verwendet wurden. Das ist jedoch nicht so einfach möglich, da mitunter verschiedene Spezies für eine Droge verwendet wurden und werden, und unter den 300 Drogen befindet sich auch eine bisher nicht näher bestimmte Aristolochia-Art.