Bericht von der Chengdu-Universität für TCM

Wie sieht es eigentlich in einem Krankenhaus für TCM in China selbst überhaupt aus? Diese Frage habe ich mir auch gestellt und bin nun doch positiv überrascht worden: In Größe, Ausstattung und auch Hygiene steht zu mindestens die TCM-Klinik Chengdu unseren westliche Krankenhäusern in nichts nach! Eine große Anmeldung- und Empfangshalle voller wuselnden Menschen prägt das Erdgeschoss, ebenso wie die Ambulanz. Auf den anderen Stockwerken befinden sich weitere Anmeldungs-und Empfangsbereiche, die stationären Zimmer und die verschiedenen Abteilungen der spezialisierten Ärzte- dort halten sich dann zumeist auch die Studenten auf. Eine große Apotheke befindet sich direkt im Krankenhaus, so dass die verschriebenen Kräuter-Rezepturen vor Ort gemischt werden. Doch auch westliche Arzneimittel werden verschrieben.
Die verschiedenen Abteilungen gliedern sich wie bei uns auch, unterschieden wird noch nach reiner TCM-Abteilung oder mit westlicher Medizin gemischt, wie z.B. auf der Station für Herzkrankheiten oder Tumorabteilung. Im 5. und 6. (und somit höchstes) Stockwerk praktizieren die „VIP-Ärzte“. Dieser Bereich wird durch Hostessen abgeschottet und man bemerkt sofort einen Unterschied der Ausstattung.
Jeder Arzt hat einen kleinen „Sprechzimmer“-bereich und zwei bis drei Behandlungsräume mit jeweils drei Liegen und jede Menge Höckern und Stühlen. Wenn viel los ist, wird jeder mögliche Platz mit Patienten belegt und es ist höchste Vorsicht geboten, um nicht einem Patienten auf den „genadelten“ Fuß zu treten! Neben Arzt/Ärztin befinden sich noch etliche Studenten verschiedener Jahre und Assistenzärzte in den Zimmern. Insgesamt sind alle Räume offen, es herrscht ein Kommen und Gehen und keine Privatsphäre. Trotzdem schaffen es die Ärzte sich an jeden Patienten zu erinnern und neuen Patienten volle Aufmerksamkeit zu widmen! Bei der Anamnese dürfen Puls- und Zungendiagnose nicht fehlen, die Fragen zur Befindlichkeit werden sehr präzise gestellt und ermöglichen so den erfahrenen Ärzten eine Diagnose innerhalb weniger Minuten! Trotzdem erfolgt auch die Auswahl der Akupunkturpunkte und weiterer Behandlungsmöglichkeiten jedes Mal individuell unter Einbeziehung aller verschiedenen Aspekte der Chinesischen Medizin.
Ich hatte die letzten zwei Wochen täglich Einblick in die Arbeit der Ärzte. Die meiste Zeit habe ich in der orthopädischen Abteilung verbracht und vor allem Wirbelsäulen und Knie-Beschwerden jeglicher Art behandelt. Auch akute Bandscheibenvorfälle sind täglich zu sehen, mit deutlicher Besserung der Beschwerden! Neben der Akupunktur wird hier auch viel Tuina angewendet mit teils täglicher Behandlung.
Eine besondere Ehre ist für mich als ausländischer „Gast“ auch von einer der renommiertesten VIP-Ärztinnen Prof. Hu aufgenommen worden zu sein. An ihrer Seite dürfen eigentlich nur die besten Studenten der Uni stehen! So habe ich andere Behandlungsmöglichkeiten von z.B Schlaflosigkeit kennengelernt. Auch verschiedene Gelenkprobleme und Lähmungen haben wir vertieft an den Patienten besprochen, ebenso die Behandlung von akuten Schmerzzuständen.
Bei jedem Arzt werde ich so in die Behandlungen intergiert, dass auch ich die Pulse taste und wir Zungen- und Pulsdiagnose vergleichen. Dann werden die verschiedenen Ansatzmöglichkeiten der Diagnosestellung diskutiert und die Akupunkturpunkte ausgewählt. Auch verschieden Akupunkturtechniken (subkutan von einem Punkt zum nächsten oder drei Nadeln in einen Punkt z.B.)wende ich an, ebenso verschiedene Techniken des hier viel praktizierten Schröpfens. Zu sehen bekomme ich auch bei uns eher unübliche aber sehr effektive Techniken wie „blutig schröpfen“ oder Injektionen in Akupunkturpunkte-ähnlich der Eigenbluttherapie. Auch die Schädelakupunktur wird hier viel angewendet, so dass ich meine Studien in diese Richtung in der Klinik und bei Vorlesungen vertiefen werde.
Hautkrankheiten wie Neurodermitis stellen für mich einen Schwerpunkt dar. Die Behandlung erfolgt hier sehr viel umfassender und umfasst meist auch verschieden Methoden des Moxens, wie die Verbrennung einer speziellen Baumwoll-Watte als dünne Fäden direkt auf den betroffenen Hautstellen! Natürlich wird aber auch hier ganzheitlich behandelt und z.B. viel über Lungenpunkte als Verbindung zur Haut genadelt oder blutig geschröpft. Über die Erfolge dieser Methoden konnte ich mich in der Praxis überzeugen und auch viele Studien zeigen enorme Erfolgsquoten (oft bis zu 98%) im Vergleich zur westlichen Medizin.