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Akupressur zur Reduzierung von Epiduralanästhesien und Kaiserschnitten

Australische Ärzte behandelten 176 Erstgebärende entweder mit den gängigen Massnahmen oder liessen sie zusätzlich dazu an einem zweitägigen Seminar zur Geburtsvorbereitung teilnehmen, in dem sie in sechs evidenzbasierten komplementärmedizinischen Techniken unterwiesen wurden (Akupressur nach Debra Betts´ Lehr-DVD „Acupressure for Natural Pain Relief in Labour“, Visualisierung/Entspannung, Atemübungen, Massage, Yoga und Partnerunterstützung). Ein signifikanter Unterschied zeigte sich in der Häufigkeit der Epiduralanästhesien; in der Akupressurgruppe waren sie nur bei 23,9 % der Teilnehmerinnen erforderlich, in der Kontrollgruppe bei 68,7 %. Ausserdem zeigte sich in der Akupressurgruppe eine Reduzierung medikamentöser und chirurgischer Unterstützung während der Wehen sowie in der Anzahl der Kaiserschnitte, in der Dauer der zweiten Geburtsphase, in der Häufigkeit von Dammrissen und in der Notwendigkeit, das Neugeborene zu reanimieren.
(Complementary therapies for labour and birth study: a randomised controlled trial of antenatal integrative medicine for pain management in labour, BMJ Open, 12. Juli 2016, 6(7), e010691)

Akupressur gegen Wehenschmerzen

Iranische Forscher behandelten 105 Erstgebärende in der aktiven Phase des ersten Stadiums der Wehen entweder mit Akupressur oder mit Standardmassnahmen. Die Akupressur erfolgte entweder auf IC4/Di4 (hegu) oder auf V32/Bl32 (ciliao). In beiden Akupressurgruppen war die Schmerzlinderung signifikant grösser als in der Kontrollgruppe, wobei die Akupressur auf V32/Bl32 (ciliao) wirksamer war als auf IC4/Di4 (hegu). Keine statistisch signifikanten Unterschiede zeigten sich in den Ergebnissen der Entbindung.
(Effect of L14 and BL32 acupressure on labor pain and delivery outcome in the first stage of labor in primparous women: A randomized controlled trial, Complement Ther Med, Dezember 2016, 29, 175-180)

Akupunktur zur Reduzierung leichter kognitiver Beeinträchtigung nach einem Schlaganfall

Chinesische Forscher behandelten 126 Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (LKB) nach einem ischämischen Schlaganfall entweder mit dem Vasodilatator Nimodipin oder sechsmal wöchentlich jeweils 30 Minuten lang mit Akupunktur oder mit Nimodipin und Akupunktur. Eingesetzt wurden insgesamt 12 Akupunkturpunkte: Rg20/LG20 (baihui), Ex 6/M-HN1 (si shencong), S2/Ma2 (sibai), F20/Gb20 (fengchi), IT4/Dü4 (wangu), V10/Bl10 (tianzhu), Rg26/LG26 (renzhong), C7/He7 (shenmen), Pc6/KS6 (neiguan), S40/Ma40 (fenglong), L6/Mi6 MP6 (sanyinjiao) und H3/Le3 (taichong). Die Behandlung erfolgte über einen Zeitraum von drei Monaten. Die kognitiven Werte verbesserten sich in der Nimodipin-Gruppe um 15,8 %, in der Akupunkturgruppe um 20,9 % und in der Kombigruppe um 30,2 %. Ein signifikant höherer Anteil in der Akupunkturgruppe (80 %) und in der Kombigruppe (90 %) erzielte eine mehr als zwölfprozentige Verbesserung der kognitiven Werte, während dies in der Nimodipin-Gruppe nur 56,4 % waren.
(Efficacy and safety assessment of acupuncture and nimodipine to treat mild cognitive impairment after cerebral infarction: a randomized controlled trial, BMC Complement Altern Med, 13. September 2016, 16, 361)

Akupunktur gegen Kniegelenksarthrose

Chinesische Forscher behandelten 50 Patienten mit Kniegelenksarthrose (KGA) entweder vier Wochen lang jeden zweiten Tag mit Akupunktur oder vier Wochen lang fünfmal wöchentlich mit Physiotherapie. Verwendet wurden die Akupunkturpunkte M-LE-27 (heding), L10/Mi10 (xuehai), L11/Mi11 (jimen), S34/Ma34 (liangqiu) und S36/Ma36 (zusanli) sowie Elektroakupunktur auf lateralem und medialem Ex23/MN-LE-16 (xiyan). In beiden Gruppen stellten sich signifikante Verbesserungen der KGA-Werte ein, wobei diese in der Akupunkturgruppe noch einmal signifikant höher waren als in der Physiotherapiegruppe. MRT-Untersuchungen ergaben ausserdem, dass sich nach der Akupunktur, aber nicht nach der Physiotherapie, die Hydratation und die biochemische Zusammensetzung des Knorpelgewebes verbessert hatten, was darauf hindeutet, dass Akupunktur die Regeneration von Knorpelgewebe fördern kann.
(Influence of acupuncture in treatment of knee osteoarthritis and cartilage repairing, Am J Transl Res, 15. September 2016, 8(9), 3995-4002)

Akupunktur gegen Verdauungsstörungen

Koreanische Forscher behandelten 76 Patienten mit Verdauungsstörungen entweder zweimal wöchentlich jeweils 15 Minuten lang mit Akupunktur oder setzten sie auf eine Warteliste. Verwendet wurden folgende Akupunkturpunkte: bilateral IC4/Di4 (hegu), S36/Ma36 (zusanli), H3/Le3 (taichong) und L4/MP4 (gongsun) sowie Rs12/KG12 (zhongwan). Bei speziellen Symptomen kamen zusätzlich zehn weitere Akupunkturpunkte zum Einsatz wie zum Beispiel Ex2/M-HN-9 (taiyang) bei Kopfschmerzen, F21/Gb21 (jianjing) und IT14/Dü14 (jian waishu) bei Schulterschmerzen und Pc6/KS6 (neiguan) bei Übelkeit und Erbrechen. Nach vier Wochen Behandlung wurde die Akupunktur eingestellt und in der Wartelistengruppe begonnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich in der Akupunkturgruppe eine signifikante Verbesserung der Symptome um 59 % eingestellt, während sie in der Kontrollgruppe nur 3 % betrug. Nach acht Wochen, nachdem auch die Kontrollgruppe vier Wochen lang behandelt worden war, waren keine Unterschiede mehr zwischen den beiden Gruppen festzustellen.
(Individualized Acupuncture for Symptom Relief in Functional Dyspepsia: A Randomized Controlled Trial, J Altern Complement Med, Dezember 2016, 22(12), 997-1006)

Akupunktur gegen Atemnot bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung

Chinesische Forscher behandelten 72 Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) acht Wochen lang dreimal wöchentlich zusätzlich zur Standardtherapie entweder mit Verum- oder Sham-Akupunktur. Verwendet wurden bilateral die Akupunkturpunkte P1/Lu1 (zhongfu), P9/Lu9 (taiyuan), S32/Ma32 (futu), S36/Ma36 (zusanli), IT4/Dü4 (wangu), V13/Bl13 (feishu), V20/Bl20 (pishu) und V23/Bl23 (shenshu). Am Ende der achtwöchigen Behandlungszeit waren in der Verum-Gruppe die in sechs Minuten zurückgelegte Gehstrecke sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität signifikant besser als in der Sham-Gruppe.
(Acupuncture for chronic obstructive pulmonary disease (COPD): A multicenter randomized, sham-controlled trial, Medicine (Baltimore), Oktober 2016, 95(40), e4879)

Akupunktur gegen Schmerzen bei Osteoporose

Deutsche Forscher behandelten 53 Patienten mit osteoporosebedingten Schmerzen in einem Zeitraum von fünf Wochen zehnmal mit Verum- oder Sham-Akupunktur. Die Verum-Akupunktur erfolgte mit tiefer Nadelung auf V23/Bl23 (shenshu), V25/Bl25 (dachangshu), V40/Bl40 (weizhong), V60/Bl60 (kunlun), F34/Gb34 (yanglingquan), R3/Ni3 (taixi) und Rg20/LG20 (baihui) sowie auf maximal fünf individuellen Ashi-Punkten (lokale Schmerzpunkte). Die Sham-Akupunktur erfolgte mit oberflächlicher Nadelung auf Nichtakupunkturpunkten, die mindestens 5 Zentimeter von den Verum-Punkten entfernt waren. In beiden Gruppen stellte sich ein signifikanter Rückgang der Schmerzen bei Aktivität sowie in Ruhe ein. Bei der Reduzierung der Schmerzen in Ruhe stellte sich in der Verum-Gruppe ein signifikant besseres Ergebnis ein als in der Sham-Gruppe. Die Verbesserungen der Lebensqualität waren in der Verum-Gruppe auch drei Monate nach Behandlungsende noch signifikant, während sie in der Sham-Gruppe rasch nachliessen.
(Effects of acupuncture on quality of life and pain in patients with osteoporosis – a pilot randomized controlled trial, Arch Osteoporos, Dezember 2016, 11(1), 34)

Akupunktur verstärkt antidepressive Wirkungen durch Verbesserung der Hirnkonnektivität

Chinesische, koreanische und amerikanische Forscher behandelten 46 Frauen mit Depressionen acht Wochen lang entweder mit Verum-Akupunktur und Fluoxetin oder mit Sham-Akupunktur und Fluoxetin. Die Akupunktur erfolgte in den ersten drei Tagen täglich, in den restlichen acht Wochen alle drei Tage. Verwendet wurden die Punkte Rs12/KG12 (zhongwan), Rs10/KG10 (xiawan), Rs6/KG6 (qihai), Rs4/KG4 (guanyuan), R17/Ni17 (shangqu), S24/Ma24 (huaroumen) (bilateral) und nur die zwei unteren Punkte von M-CA-23 (qipang/sanjiaojiu). Bei der Sham-Akupunktur wurden Führungsröhrchen ohne Nadeln auf die Punkte gedrückt. FMRT-Messungen im Ruhezustand wurden vor der ersten und nach der letzten Behandlung vorgenommen. Dabei ergab sich in der Verum-Gruppe eine stärkere klinische Verbesserung als in der Sham-Gruppe. Diese Verbesserung wurde in der Verum-Gruppe mit der erhöhten funktionellen Ruhezustandskonnektivität zwischen Amygdala und dem vorderen Gyrus cinguli in Verbindung gebracht.
(Repeated acupuncture treatments modulate amygdala resting state functional connectivity of depressive patients, Neuroimage Clin, 27. Juli 2016, 12, 746-752)
Dieselben Forscher stellten auch fest, dass die Akupunktur in derselben Patientengruppe eine positive Wirkung auf die Motivation/Belohnung-Schaltung im Hirn hatte. Die erhöhte funktionelle Ruhezustandskonnektivität zwischen Striatum und medialem präfrontalem Cortex infolge der Akupunktur wurde signifikant positiv mit der Abnahme der klinischen Depressionswerte in Verbindung gebracht.
(Acupuncture treatment modulates the corticostriatal reward circuitry in major depressive disorder, J Psychiatr Res, Januar 2017, 84, 18-26)

Moxibustion bei Chronischem Erschöpfungssyndrom wirksamer als Akupunktur

Chinesische und österreichische Forscher behandelten 30 Patienten mit Chronischem Erschöpfungssyndrom (CES) jeden zweiten Tag insgesamt zehnmal entweder mit Akupunktur oder mit indirekter Moxibustion auf den Punkten S36/Ma36 (zusanli) und Rs4/KG4 (guanyuan). Ausserdem wurde eine Kontrollgruppe mit 15 gesunden Versuchspersonen an den gleichen Punkten mit Akupunktur behandelt. Nach der vierten und zehnten Behandlung gingen die Erschöpfungswerte in allen drei Gruppen zurück, in der Moxibustiongruppe jedoch stärker als in den Akupunkturgruppen. Obwohl auch die gesunden Teilnehmer von der Behandlung profitierten, ging die Erschöpfung bei den CES-Patienten stärker zurück. Die Änderungen der Aktivität des vegetativen Nervensystems wurden anhand der Herzfrequenzvariabilität (HFV) gemessen. Dabei zeigte sich, dass die Akupunktur besser sofortige Veränderungen der HFV bewirken konnte, aber eine bessere Langzeitwirkung liess sich mit Moxibustion erzielen. Daraus zogen die Autoren den Schluss, dass der Wirkmechanismus beider Therapien die Modulation des vegetativen Nervensystems mittels einer Aktivierung des Nervus vagus sein dürfte.
(Acupuncture and Moxibustion have Different Effects on Fatigue by regulating the Autonomic Nervous System: A Pilot Controlled Clinical Trial, Akupunktur & Aurikulomedizin, Dezember 2016, 42(4), 11)

Akupunktur auf H3/Le3 (taichong) senkt Blutdruck durch Einwirkung auf neuronales Netz, das an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt ist

Chinesische Forscher behandelten 30 Patienten mit Bluthochdruck entweder mit Verum-Akupunktur auf H3/Le3 (taichong) oder mit Sham-Akupunktur auf einem Nichtakupunkturpunkt am Oberschenkel. Zu signifikanten Veränderungen des systolischen Blutdrucks kam es nur in der Verum-Gruppe. Die Auswertung von fMRT-Aufnahmen ergab, dass Akupunktur auf H3/Le3 (taichong) speziell die Aktivität im für die Verarbeitung von Emotionen zuständigen Frontallappen erhöht sowie die Konnektivität zwischen Bereichen in Frontallappen, Cerebellum und Insula.
(Acupuncture Decreases Blood Pressure Related to Hypothalamus Functional Connectivity with Frontal Lobe, Cerebellum, and Insula: A Study of Instantaneous and Short-Term Acupuncture Treatment in Essential Hypertension, Evidence-based Complementary and Alternative Medicine, September 2016, (1), 1-10)

Links:
1. Acupuncture improves renal function in kidney disease
https://www.journalofchinesemedicine.com/news/acupuncture-improves-renal-function-in-kidney-disease/

2. Acupuncture adds benefit to frozen shoulder treatment
https://www.journalofchinesemedicine.com/news/acupuncture-adds-benefit-to-frozen-shoulder-treatment/

3. Moxibustion as effective as drugs for period pain
https://www.journalofchinesemedicine.com/news/-moxibustion-as-effective-as-drugs-for-period-pain/

4. Acupuncture improves menopausal dry eye
https://www.journalofchinesemedicine.com/news/acupuncture-improves-menopausal-dry-eye/

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