Akupunktur – aus der Forschung

Akupunktur wirkt bei funktioneller Obstipation langfristig besser als Laxativum

Chinesische Forscher haben 475 Patienten mit funktioneller Obstipation (keine konkrete medizinische Ursache feststellbar) auf S25/Ma25 (tianshu) entweder mit tiefer Akupunktur oder mit oberflächlicher Akupunktur behandelt oder mit dem Abführmittel Lactulose. Die Akupunkturbehandlung erfolgte in beiden Gruppen vier Wochen lang fünfmal wöchentlich. Die Lactulose-Gruppe erhielt das Abführmittel 16 Wochen lang. In den ersten vier Wochen stellte sich in allen drei Gruppen eine durchschnittliche Erhöhung um zwei spontane Stuhlgänge (SBMs) pro Woche ein. Nach acht und sechzehn Wochen zeigte sich die stärkste Verbesserung in der tief akupunktierten Gruppe (durchschnittlich 2 SBMs nach 8 und 16 Wochen). In der oberflächlich akupunktierten Gruppe waren es 2 SBMs nach 8 und 1,5 SBMs nach 16 Wochen. In der Lactulose-Gruppe betrug die Verbesserung nur noch jeweils 1 SBM. In beiden Akupunkturgruppen mussten weniger Notfallmedikamente eingesetzt werden als in der Lactulose-Gruppe.(Effect and safety of deep needling and shallow needling for functional constipation: a multicenter, randomized controlled trial, Medicine (Baltimore), Dezember 2014, 93 (28):e284)

 

Akupunktur bei hyperaktiver Blase ebenso wirksam wie Medikamente

Bei einer chinesischen Studie wurden 240 Patientinnen mit hyperaktiver Blase vier Wochen lang entweder einmal wöchentlich mit Akupunktur oder mit dem antispasmodischen Medikament Tolterodin-Tartrat behandelt. Nach vier Wochen stellte sich in beiden Gruppen eine gleich starke signifikante Abnahme der Beschwerden ein.(Acupuncture for overactive bladder in female adults: a randomized controlled trial, World J Urol, 16. November 2014, online-Veröffentlichung)

 

 

Akupunktur zur Verbesserung der Schlafqualität bei Senioren

Brasilianische Forscher haben 48 ältere Patienten mit Schlafstörungen zehnmal entweder mit Verum- oder Sham-Akupunktur behandelt. Dabei führte Akupunktur zu einer starken Verbesserung der subjektiven Einschätzung von Schlafqualität, Depressivität und Stress. Keine Veränderung liess sich bei Immun- und Neuropeptid-Markern feststellen, die mit Stress, Schlafstörungen und Immunoseneszenz (altersbedingte Schwächung des Immunsystems) in Verbindung gebracht werden.(Acupuncture for sleep quality, BDNF levels and immunosenescence: A randomized controlled study, Neurosci Lett, 12. Dezember 2014, 587C, 35-40)

 

Akupunktur auf R9/Ni9 (zhubin) gegen Verlangen nach Alkohol

Koreanische Forscher haben 20 alkoholabhängige Männer vier Wochen lang zweimal wöchentlich entweder mit Verum-Akupunktur auf R9/Ni9 (zhubin) behandelt oder mit Sham-Akupunktur. Das Verlangen nach Alkohol nahm in beiden Gruppen signifikant ab, aber bei der Verum-Gruppe war dieser Rückgang signifikant stärker als in der Sham-Gruppe.(Effect of Zhubin (KI9) acupuncture in reducing alcohol craving in patients with alcohol dependence: A randomized placebo-controlled trial, Chin J Integr Med, 24. September 2014, online-Veröffentlichung)

 

Akupunktur auf F34/Gb34 (yanglingquan) aktiviert Gehirn bei Beeinträchtigung durch Morbus Parkinson

Mithilfe von fMRT verglichen koreanische Forscher die Reaktion der Gehirne von 12 Parkinson-Patienten auf Akupunktur mit der von 12 gesunden Versuchspersonen. Akupunktiert wurde der Punkt F34/Gb34 (yanglingquan) auf der rechten Seite, der mit motorischen Funktionen in Verbindung gebracht wird. Die fMRT-Bilder zeigten, dass Akupunktur auf F34/Gb34 (yanglingquan) bei Parkinson-Patienten präfrontalen Cortex, Gyrus praecentralis und Putamen aktiviert, lauter Hirnregionen, die bekanntermassen bei Morbus Parkinson beeinträchtigt sind. Zudem zeigte sich, dass die Akupunktur bei den gesunden Versuchspersonen zu einer unterschiedlichen Aktivierung des Gehirns führte als bei den Parkinson-Patienten, bei denen die Hirnaktivität speziell in der linken Hirnhälfte nach der Akupunkturbehandlung signifikant grösser war als bei den gesunden Versuchspersonen. (Acupuncture on GB34 activates the precentral gyrus and prefrontal cortex in Parkinson´s disease, BMC Complement Altern Med, 15.

September 2014, 14, 336)

 

Akupunktur bei Tennisarm

Taiwanesische Wissenschaftler haben 9 Studien über die analgetische Wirkung von Akupunktur bei Epicondylitis ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass manuelle Akupunktur zu sofortiger Schmerzlinderung führt, ihre analgetische Wirkung langfristig jedoch unerheblich ist. Ausserdem erwies sich die Wirksamkeit von manueller Akupunktur als signifikant höher als die von Laserakupunktur. (Analgesic Effect of Manual Acupuncture for Lateral Epicondylalgie: A Systematic Review and Meta-Analysis, Am J Chin Med, 11. November 2014, 1-14, online-Veröffentlichung)

 

Akupunktur wirkt möglicherweise antipsychotisch

Chinesische Wissenschaftler haben 30 Studien eines Cochrane Database Systematic Review ausgewertet. Dabei hat sich gezeigt, dass bei einer Behandlung mit niedrig dosierten Neuroleptika und Akupunktur die Rückfallrate signifikant niedriger war als bei einer Behandlung mit der Neuroleptika-Standarddosis allein. (Acupuncture for schizophrenia, Cochrane Database Syst Rev, 20. Oktober 2014, 10:CD005475)

 

Akupunktur erzielt klinisch wichtige Verbesserungen bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)

Eine australische Metastudie hat 16 RCTs über die Wirkung von Akupunktur und ähnlichen Therapien bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass Akupunktur die gesundheitsbezogene Lebensqualität verbesserte. Im Vergleich mit Placebo verbesserte die Akupunktur ausserdem den krankheitsbezogenen Gesundheitsstatus, die Dyspnoe-Werte und die in sechs Minuten zu Fuss zurückgelegte Entfernung. Keine Verbesserungen zeigten sich jedoch bei der Lungenfunktion, wenn Akupunktur mit Placebo und Medikamenten verglichen wurde.(Acupuncture therapies for chronic obstructive pulmonary disease: a systematic review of randomized controlled trials, Altern Ther Health Med, November 2014, 20(6), 10-23)

Quelle: dem Newsletter der SMS entnommen

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